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Ein Tor reicht manchmal, um eine ganze Stadt zum Beben zu bringen - zumindest, wenn man in Huancayo wohnt. Am 34. Spieltag der peruanischen Primera División gewann Atletico Huancayo vor 23.624 Zuschauern mit 1:0 gegen Academia Lima, und das dank eines 17-jährigen Jungspundes, der noch immer nicht ganz zu begreifen scheint, was er da eigentlich angerichtet hat. Ashton Neil, noch nicht einmal volljährig, erzielte in der 20. Minute den einzigen Treffer des Abends - und das mit einer Abgeklärtheit, die selbst die älteren Herren auf der Tribüne kurz verstummen ließ. Nach einem beherzten Vorstoß von Innenverteidiger Julio da Costa, der sich plötzlich in den gegnerischen Strafraum verirrt hatte ("Ich wollte eigentlich nur den Ball klären", bekannte er später grinsend), landete die Kugel vor Neils Füßen. Der Teenager schob sie trocken ins linke Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Neil hinterher, "und gehofft, dass der Torwart noch bezahlt werden will." Das Tor fiel in einer Phase, in der Huancayo das Spiel mit aggressivem Pressing und viel Einsatz dominierte. Trainer Dimak Torpedo, der seinem Namen einmal mehr alle Ehre machte, brüllte seine Spieler an der Seitenlinie nach vorn, während Academia Lima noch versuchte, den Ball überhaupt in die gegnerische Hälfte zu tragen. "Wir wollten mutig sein", erklärte später Academias Mittelfeldmann Pedro Mendes, "aber manchmal sieht Mut halt aus wie Panik." Lima hatte mit mehr Ballbesitz (53,5 %) und fast ebenso vielen Torschüssen (11 zu 13) durchaus Argumente auf seiner Seite, nur blieben sie eben theoretischer Natur. Huancayos Keeper Ignacio Mocana wurde zwar mehrfach geprüft, aber nie ernsthaft in Verlegenheit gebracht. Besonders in der Schlussphase, als die Gäste verzweifelt anrannten, stand die Abwehr der Hausherren wie eine Betonwand nach Feierabend. Die Partie begann furios. Schon in der ersten Minute prüfte Linksverteidiger Alfonso Costa den gegnerischen Keeper - offenbar wollte er gleich mal sehen, ob der überhaupt wach war. Vier Minuten später folgte ein strammer Schuss von Adriano Tonel, und spätestens da war klar: Huancayo hatte heute Lust auf Offensivfußball. "Wir haben gesagt, wir gehen früh drauf, bevor die anfangen zu denken", erklärte Trainer Torpedo augenzwinkernd. Nach Neils Treffer zog sich Huancayo etwas zurück, überließ den Ball immer öfter der Academia, die jedoch damit herzlich wenig anzufangen wusste. Rafael Coelho und Esteban Urrutia versuchten es mehrfach über die Flügel, doch ihre Flanken fanden meist nur die Köpfe der eigenen Verzweiflung. In der 61. Minute sah Alfonso Costa Gelb - vermutlich, weil der Schiedsrichter verhindern wollte, dass er sich zu sehr langweilt. In der zweiten Halbzeit wurde es ruppiger. Huancayo stellte von aggressivem Pressing auf kontrolliertes Abwarten um - ein taktischer Schachzug, der sich bezahlt machte. Academia Lima kombinierte, passte, drehte Schleifen, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können", meinte Limas Trainer nach dem Spiel trocken, "und es wäre wahrscheinlich 1:0 geblieben. Nur mit weniger Zuschauern." In der 77. Minute dann ein Moment des Schmunzelns: Torpedo wechselte gleich dreimal - unter anderem kam der 17-jährige Ersatztorwart Pau Silfredo für Stürmer Michel Lupus. "Warum nicht?", grinste der Coach später. "Ich wollte sehen, ob der Junge auch im Feld was kann." Silfredo trabte tatsächlich kurz als Feldspieler herum, ehe er sich wieder brav hinten einsortierte. Die letzten zehn Minuten gehörten dann den Gästen - zumindest optisch. Pedro Mendes versuchte es aus der Distanz (78.), Caio Ferrer scheiterte in der Nachspielzeit (95.), und Esteban Urrutia schoss in der 96. Minute noch einmal haarscharf vorbei. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und Huancayo jubelte, als hätte man gerade die Copa Libertadores gewonnen. "Ein dreckiger Sieg, aber unser dreckiger Sieg", fasste Kapitän Julio da Costa zusammen, während Trainer Torpedo mit einem Lächeln erklärte: "Schön spielen kann jeder - gewinnen ist die Kunst." Auf der anderen Seite stand Academia-Trainer Armando (der sich weigerte, den Journalisten seinen Nachnamen zu nennen) und murmelte: "Wir hatten den Ball, sie hatten das Tor - das ist wohl Fußball." Und so bleibt das Fazit dieses Abends schlicht: Ein 17-Jähriger entscheidet ein erwachsenes Spiel, die Statistik nickt höflich, und Atletico Huancayo darf weiter träumen. Vielleicht nicht vom Titel, aber zumindest vom nächsten Sonntag. Denn wer Ashton Neil im Sturm hat, braucht kein Glück - nur ein bisschen Mut und einen Trainer, der "Torpedo" heißt. 25.04.643990 04:20 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic