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Rom, 12. Januar 2026 - Im Stadio Olimpico von Rom erlebten 40.000 Zuschauer einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht heimlich Rimini-Fan ist. Mit einem gnadenlosen 0:5 (0:2) demontierte der AS Rimini den völlig überforderten Gastgeber US Lazio - und das in einer Partie, die eigentlich auf Augenhöhe erwartet worden war. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass bei Lazio der Offensivmodus zwar auf dem Papier stand, aber in der Realität irgendwo zwischen Mittellinie und Fehlpass verheddert war. Trainer Jochen Deutschmann hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, doch Rimini konterte das mit kalter Präzision - und erstaunlicher Lockerheit. "Wir haben einfach Spaß am Ball gehabt", grinste Riminis Trainer Fritz Fasching später, als wollte er sich fast für die Höhe des Sieges entschuldigen. Der Torreigen begann in der 24. Minute: Innenverteidiger Hugo Geldmeyer - ja, ausgerechnet der 35-jährige Abwehrchef - stieg nach einer Ecke von Marnix Rutgers höher als alle Römer und köpfte zum 0:1 ein. "Ich dachte, ich bin zu alt für so was", lachte Geldmeyer nach dem Spiel und wischte sich den Schweiß von der Glatze, "aber anscheinend hat der Ball das anders gesehen." Lazio wirkte geschockt. Statt einer Reaktion folgte eine lethargische Ballbesitz-Orgie - 51 Prozent Ballbesitz, aber ohne Ziel, ohne Zug. Der einzige Torschuss der Hausherren - ein halbherziger Versuch von Logan Neil in der 11. Minute - blieb sinnbildlich für den Abend: ambitioniert, aber harmlos. Rimini dagegen spielte frei auf. In der 41. Minute bediente erneut der quirlige Rutgers den jungen Giulio Tripodi, der eiskalt zum 0:2 einschob. Der 20-Jährige riss die Arme hoch und jubelte in Richtung der Gästefans, die in einer kleinen Ecke des Stadions eine Party feierten, als ginge es um die Meisterschaft. Nach der Pause wurde es für Lazio endgültig bitter. Kaum hatte der Schiedsrichter wieder angepfiffen, sorgte Aleandro Caputo (54.) mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck für das 0:3. Kaum hatte man den Namen notiert, fiel schon das nächste Tor: Dario Arcella, ebenfalls 20 Jahre jung, traf nur vier Minuten später zum 0:4. Rimini spielte nun wie im Rausch, Lazio wie in Zeitlupe. "Ich habe versucht, Ruhe reinzubringen", erklärte Trainer Deutschmann später mit stoischer Miene. "Aber manchmal ist Schweigen wirklich Gold." Seine Mannschaft hörte offenbar gar nichts mehr - weder vom Trainer noch vom Ball. Die Gäste dagegen wechselten fröhlich durch, gaben jungen Spielern Einsatzzeit und schienen vom eigenen Spiel berauscht. In der 88. Minute setzte Arnau Villar den Schlusspunkt und erzielte nach Vorarbeit von Tripodi das 0:5. Der Treffer war so locker herausgespielt, dass selbst einige Lazio-Fans anerkennend klatschten. Rimini feuerte im gesamten Spiel 19 Schüsse aufs Tor ab - Lazio brachte es auf einen. Und das bei fast ausgeglichenem Ballbesitz. "Das ist, als würdest du mit einem Löffel gegen einen Presslufthammer kämpfen", murmelte ein sichtlich genervter Lazio-Anhänger auf der Tribüne. Statistisch war’s eine Lehrstunde: Rimini mit höherer Zweikampfquote (59 Prozent), besserem Timing, klarerem Plan. Lazio dagegen erinnerte eher an ein Team, das den Spielplan erst in der Kabine gelesen hatte. "Wir wollten offensiv spielen", verteidigte sich Deutschmann auf der Pressekonferenz. "Aber Rimini war einfach eiskalt." Neben ihm grinste Fasching, der ganz Gentleman blieb: "So einen Tag hat man nicht oft. Wir hätten vielleicht noch zwei machen können - aber man soll ja nicht unhöflich werden." Die jungen Riminesi - Caputo, Tripodi, Arcella - bildeten das Herzstück eines Teams, das mit Spielfreude, Mut und Selbstbewusstsein auftrat. Veteran Geldmeyer, der das erste Tor erzielte, war ihr ruhender Pol. "Ich sag den Jungs immer: Wenn ihr schon so jung seid, dann spielt wenigstens so", sagte er augenzwinkernd. Als die Spieler von Lazio nach Abpfiff in die Kabine schlichen, applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung. Rom hat schon viele Fußball-Dramen gesehen - aber selten eines, bei dem die Hauptrolle so klar vergeben war. "Wir werden das analysieren", versprach Deutschmann zum Abschied. "Aber heute war Rimini einfach besser. Punkt." Ein Punkt wäre immerhin etwas gewesen. Und so bleibt ein Abend, an dem der Fußball mal wieder zeigte, wie grausam ehrlich er sein kann. Rimini stürmt mit breiter Brust in die nächsten Spiele, Lazio dagegen sucht nach einer Erklärung - oder wenigstens nach einem zweiten Torschuss. 26.05.643987 11:58 |
Sprücheklopfer
Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.
Lothar Matthäus