Tuttosport
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AS Pisa stürzt Neapel ins Grübeln - 2:1-Auswärtssieg im San Paolo

Manchmal hat Fußball etwas von einem italienischen Espresso: kurz, stark, und bitter für den, der ihn nicht verträgt. Am 7. Spieltag der Serie A servierte der AC Neapel im heimischen San Paolo seinen 40.000 Fans genau das - allerdings war es AS Pisa, das den Zucker in der Tasse hatte. Mit einem 2:1-Auswärtssieg bescherte die Mannschaft von Trainer Bembel Macher den Neapolitanern eine bittere Heimniederlage.

Dabei begann alles nach Plan für die Gastgeber: viel Ballbesitz (52,5 Prozent), eine Spur mehr Zug zum Tor (15 Torschüsse gegenüber 11), und das Publikum sang schon nach fünf Minuten die ersten Lobeshymnen auf Aleandro Squillace, dessen Schuss Javi Castro im Pisa-Tor nur mit Mühe parierte. Doch die Gäste hatten andere Pläne - und Lionel Pauleta, den Mann mit dem vielleicht französischsten Namen der Toskana.

In der 16. Minute schlug Pauleta zu. Nach einer cleveren Vorlage von Jacques Gaudin drückte er den Ball eiskalt ins Netz. "Ich hab gesehen, dass Dazjuk zu spät rauskommt, und da dachte ich mir: Merci!", grinste Pauleta später in die Kameras. Neapel-Trainer Filippo ElMister hingegen verzog keine Miene. "Wir wussten, dass Pisa gefährlich umschalten kann. Aber Wissen allein reicht im Fußball bekanntlich selten", sagte er trocken.

Neapel aber reagierte - und wie! Nur 17 Minuten später war es wieder Squillace, diesmal erfolgreich. Nach einem beherzten Vorstoß von Außenverteidiger Damian Munoz, der den Ball von der linken Seite scharf nach innen brachte, drückte der Rechtsaußen die Kugel zum 1:1 über die Linie. Munoz riss die Arme hoch, kassierte wenige Minuten später dafür eine Gelbe Karte, weil er beim Jubel zu lange mit den Fans feierte - sinnbildlich für Neapels Abend: zu viel Herz, zu wenig Kopf.

Im zweiten Durchgang übernahm Napoli das Kommando, aber Pisa blieb bissig. Gaudin und Brongniart zwangen Keeper Gordej Dazjuk immer wieder zu Glanzparaden, während Neapel Chancen im Minutentakt vergab. Besonders Cristian Malito, der 19-jährige Mittelfeldspieler, schoss sich in die Herzen der Fans - leider auch mehrfach am Tor vorbei. "Ich dachte, er schießt uns den Mond vom Himmel", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne, "aber das Tor hat er wohl nicht gemeint."

Dann kam die 80. Minute - jene, die in Pisa wohl als "Minuto d’Oro" in Erinnerung bleiben wird. Ole Mykland, der flinke linke Mittelfeldspieler, tanzte an der Seitenlinie zwei Neapolitaner aus und legte quer auf Serge Duverger. Der Stürmer fackelte nicht lange, zog ab und ließ Dazjuk keine Chance. 2:1 für Pisa, und plötzlich war das Stadion still - bis auf die 200 mitgereisten Tifosi aus der Toskana, die sich aufführten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

Trainer Bembel Macher, der während des Spiels meist mit verschränkten Armen dastand, platzte nach dem Schlusspfiff fast vor Stolz. "Wir haben mutig gespielt, offensiv gedacht und defensiv überlebt. Das ist Pisa-Fußball!", erklärte er mit einem Grinsen, das so breit war wie der Arno im Frühling. Sein Gegenüber ElMister sah das naturgemäß anders: "Wir haben mehr vom Spiel gehabt, mehr Schüsse, mehr Ballbesitz - aber Pisa hatte halt zwei Tore. Und das zählt."

Ein Sinnbild für Neapels Abend war die Schlussphase: Pisa stellte um auf Pressing, kämpfte mit allem, was Beine hatte, während Neapel verzweifelt gegen die Zeit anrannte. Aron Laustsen versuchte es aus der Distanz, Colangelo per Kopf, doch der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. Als Schiedsrichter Rinaldi nach 93 Minuten abpfiff, sank Squillace auf die Knie - nicht aus Erschöpfung, sondern aus Unglauben.

Die Statistik macht’s nicht besser: 15:11 Torschüsse für Neapel, 50,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem null Punkte. Pisa dagegen mit maximaler Effizienz, taktisch klug und mit jener Portion Glück, die man auswärts braucht.

"Das ist kein Rückschlag, das ist eine Erinnerung", sagte ElMister zum Abschied. "Eine Erinnerung daran, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist."

Ein Zuschauer fasste es auf dem Weg aus dem Stadion so zusammen: "Wir haben gespielt wie Napoli - und verloren wie Napoli."

Man könnte es kaum poetischer sagen.

29.03.643987 13:45
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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