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Wer im altehrwürdigen Stadio Garibaldi am Freitagabend pünktlich zum Anstoß kam, bekam gleich das volle Programm: Drama, Verletzungen, Gelbe Karten - und eine Aufholjagd, die selbst Dante nicht besser hätte schreiben können. Am Ende besiegte AS Pisa den portugiesischen Vertreter CD Gondomar mit 3:2 (0:1) in einem Europaliga-Gruppenspiel, das alles bot, was Fußballfreunde lieben - außer vielleicht defensive Ordnung. Dabei hatte es für die Italiener denkbar schlecht begonnen. Bereits nach einer Viertelstunde klingelte es im Tor von Pisas Schlussmann Javi Castro. Ricardo Frechaut, der 36-jährige Mittelstürmer mit grauem Bart und jugendlicher Kaltschnäuzigkeit, vollendete nach feinem Zuspiel von Fabio Moutinho - 0:1. Gondomar spielte in dieser Phase mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das offenbar vergessen hatte, dass es auswärts antreten musste. "Wir wollten mutig sein, vielleicht waren wir zu mutig", gab Gästecoach Manuel Keeper später zu und zog an seinem Trainingsanzug wie ein Mann, der ahnt, dass er am Abend viele Fragen beantworten muss. AS Pisa dagegen wirkte zunächst fahrig. Und als dann in der 16. Minute Alessio Malvito nach einem Zweikampf verletzt vom Platz humpelte, schien der Abend endgültig in Richtung der Portugiesen zu kippen. Trainer Bembel Macher reagierte sofort, brachte Serge Duverger - ein Wechsel, der später noch Geschichte schreiben sollte. Bis zur Pause blieb Gondomar das gefährlichere Team, insgesamt 11 Torschüsse in der ersten Halbzeit zeugen davon. Pisa stand tiefer, hatte aber mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz - was eher statistische Kosmetik war. Gondomar spielte offensiv, Pisa kämpfte um Stabilität. "Ich habe in der Kabine gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", verriet Macher später mit einem Grinsen, das verriet, dass er selbst nicht so richtig daran geglaubt hatte. Nach dem Seitenwechsel blieb es zunächst beim gleichen Muster - bis erneut Ricardo Frechaut zuschlug. In der 58. Minute netzte der Oldie nach Vorarbeit von Vincent Jorge zum 0:2. Die 27.000 Zuschauer murmelten, einige pfiffen, und ein älterer Herr hinter mir seufzte: "Die spielen, als hätten sie den Espresso vergessen." Doch Pisa fand plötzlich den Schalter - und den Mut. Nur drei Minuten nach dem 0:2 setzte Sebastiano Castello, der rechte Mittelfeldmotor, ein Zeichen. Nach Vorarbeit von Eric Brongniart drosch er den Ball aus 18 Metern in den Winkel - 1:2. Das Stadion erwachte. "Da wusste ich, jetzt kippt’s", sagte Castello anschließend, "und Bembel hat mir zugerufen, ich soll einfach weiter rennen, bis mir schlecht wird." Und das tat er. Pisa drückte, Gondomar verlor an Struktur. Trainer Keeper blieb bei seiner offensiven Ausrichtung, während sein Team hinten ins Wanken geriet. In der 83. Minute war es wieder Castello, der mit vollem Risiko aus der Distanz abzog - und traf. Bernardo Ortiz hatte vorher clever abgelegt, und schon stand es 2:2. Doch Pisa war noch nicht fertig. In der Nachspielzeit, als viele schon mit einem Remis rechneten, kam der Moment des eingewechselten Duverger: Nach einer weiten Flanke von - wer sonst - Castello, stieg der Franzose am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. 3:2. Das Stadion explodierte, und selbst der sonst so stoische Bembel Macher rannte ein paar Meter die Linie entlang, ehe er sich besann und tat, als habe er nur den vierten Offiziellen grüßen wollen. "Ich wusste, dass Serge heute noch wichtig wird", sagte Macher später in die Mikrofone. "Na ja, vielleicht nicht ganz so spät, aber immerhin." Duverger selbst grinste und meinte trocken: "Ich wollte eigentlich nur den Kopfball verlängern, aber manchmal macht der Ball, was er will." Gondomar, das am Ende 18 Schüsse aufs Tor verzeichnete, stand mit leeren Händen da. Zwei Gelbe Karten - eine für Jose Enrique Costa (41.) und eine späte für Hugo Ze Castro (90.) - rundeten einen Abend ab, der dem portugiesischen Team wohl noch nachhängen dürfte. Pisa dagegen kassierte ebenfalls zwei Verwarnungen, aber das störte niemanden mehr. Statistisch war’s ein enges Ding: 51 Prozent Ballbesitz für Pisa, 49 für Gondomar, eine fast ausgeglichene Zweikampfquote - 48,6 zu 51,3 Prozent. Doch am Ende zählt eben, wer die Tore macht. Während die Fans noch sangen, stand Bembel Macher am Spielfeldrand, sah auf die Anzeigetafel und murmelte: "Drei Tore in 30 Minuten - vielleicht sollte ich öfter Kaffee in der Halbzeit ausschenken." Ein Spiel, das zeigte: In Pisa darf man nie zu früh gehen - es könnte ja gerade erst anfangen. 21.04.643987 12:41 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand