Tuttosport
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AS Bologna tanzt Pisa aus - Cariati doppelt, Nagel setzt das Sahnehäubchen

Es war einer dieser lauen italienischen Februarabende, an denen man denkt: "Heute passiert nichts Spektakuläres." Doch dann kam AS Bologna. Und wie. Vor 42.549 Zuschauern im Stadio Renato Dall’Ara belehrte die Mannschaft von Ferdinand Mayer alle Skeptiker eines Besseren - mit einem 3:0, das so klar wie verdient war, obwohl Pisa den Ball häufiger hatte.

Dabei begann es erst zäh, fast gemächlich. Pisa hatte mehr Ballbesitz, über 54 Prozent, aber das war so, als hätte jemand den Ball nur geliehen, um ihn dann sofort zu verlieren. Bologna dagegen spielte zielstrebig, mit kurzen Pässen, mit Lust auf Risiko. "Wir wollten nicht warten, bis uns Pisa einlädt - wir haben einfach selbst die Party geschmissen", grinste Trainer Mayer später.

Der Gastgeber startete offensiv, und schon nach einer Viertelstunde begann das Dauerfeuer. Di Carlo prüfte Pisas Keeper Ioannou in der 16. Minute, wenig später folgten Schüsse von Nagel, Engelhardt und Cariati. Pisa wankte, hielt aber zunächst stand. Dann kam Minute 29, und sie brachte den Anfang vom Ende: Federico Cariati, der 31-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, zog aus halbrechter Position ab - 1:0! Der Pass kam von Daniel Marcel, und dessen Blick in der Szene war so präzise, dass man dachte, er hätte eine Drohne über dem Strafraum schweben lassen.

"Ich hab das Gefühl, ich treffe nur, wenn ich gar nicht drüber nachdenke", lachte Cariati später. "Vielleicht sollte ich mir das Denken generell abgewöhnen."

Mit diesem Tor im Rücken spielte Bologna wie befreit. Pisa? Blass. Ein bisschen Ballgeschiebe, ein paar harmlose Schüsse (insgesamt vier aufs Tor), und ein überforderter Isaac Payne, der sich in der 48. Minute die Gelbe abholte - wohl aus purer Frustration, weil er Nagel einfach nicht zu fassen bekam.

Nach der Pause änderte sich wenig. Bologna blieb bissig, ohne überhart zu sein, und ließ sich auch vom optischen Übergewicht der Gäste nicht irritieren. In der 61. Minute dann der Doppelschlag: Wieder Cariati, diesmal nach Vorlage des quirligen Amaury Morais. 2:0 - und das Stadion bebte. "Amaury hat den Ball perfekt reingelegt, ich musste ihn nur noch streicheln", sagte Cariati, während er sich mit schmutzverschmierter Hose und einem süffisanten Lächeln Richtung Kabine verabschiedete.

Pisa-Trainer Jorge Gutierrez rang nach Worten. "Wir hatten eigentlich Kontrolle", meinte er und ließ eine Pause folgen, die länger war als so mancher seiner Spielzüge. "Aber Kontrolle ist nichts wert, wenn der Gegner Tore schießt."

Kaum hatte sich Pisa von diesem Treffer erholt, kam die nächste kalte Dusche. Drei Minuten später, in der 64., schlug Sebastian Nagel zu. Der linke Flügelspieler war zuvor schon fast überall aufgetaucht - an der Eckfahne, im Strafraum, sogar mal kurz in der eigenen Hälfte -, diesmal aber stand er genau da, wo’s weh tut. Nachwuchsverteidiger Maurizio Gravina hatte sich nach seiner Einwechslung in einen Angriff eingeschaltet, passte klug quer, und Nagel versenkte eiskalt zum 3:0. Das Publikum johlte, Mayer ballte die Faust, und Gutierrez blickte auf die Uhr, als wolle er sichergehen, dass das wirklich noch dieselbe Partie war.

Bologna ließ nicht locker. Noch Schüsse von Ferrario, Engelhardt und Varela rauschten Richtung Pisa-Tor, doch Ioannou verhinderte Schlimmeres. Pisa versuchte es mit kosmetischen Korrekturen - zwei harmlose Abschlüsse von Carracedo und Ortiz waren das Einzige, was blieb. Und als der 17-jährige Christian Roggiano kurz vor Schluss Gelb sah, schien auch der letzte Nerv der Gäste blank zu liegen.

Statistisch gesehen war’s kurios: Pisa mehr Ballbesitz, Bologna aber fast fünfmal so viele Torschüsse (19 zu 4) und eine Zweikampfquote, die jeden Maurermeister stolz gemacht hätte - 56 Prozent.

"Wir spielen offensiv, aber mit Hirn", sagte Mayer nach dem Schlusspfiff, während er sich genüsslich die Krawatte lockerte. "Und manchmal reicht das schon, um drei Tore zu machen."

Federico Cariati wurde zum Mann des Abends gewählt. Zwei Tore, ein Dauerlächeln, und vermutlich ein Gratis-Espresso vom Präsidenten. Nagel nickte anerkennend: "Federico war überall. Ich hab ihm gesagt, er soll sich mal ausruhen - aber dann trifft er halt wieder."

Pisa dagegen muss sich fragen, wie man ein Spiel mit mehr Ballbesitz, aber ohne Durchschlagskraft so deutlich verlieren kann. Gutierrez’ Fazit fiel entsprechend trocken aus: "Wir haben den Ball gepflegt - Bologna hat ihn genutzt."

Und so endete dieser Abend mit einem klaren 3:0, einem tosenden Publikum und einem Gefühl, das in Bologna wohl noch bis zur nächsten Pasta-Runde anhält: Der Ball ist rund, aber manchmal rollt er einfach nur in eine Richtung.

22.06.643990 06:45
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