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AS Bologna schockt Neapel - Ein 3:1, das nach mehr schmeckt

Ein nasskalter Februarabend in Bologna, Flutlicht, 40.000 Zuschauer, und dann dieses Spiel: AS Bologna schlägt den favorisierten AC Neapel mit 3:1 - und das mit einer Mischung aus Leidenschaft, Cleverness und einer Prise jugendlicher Frechheit. Trainer Ferdinand Mayer grinste nach dem Schlusspfiff wie jemand, der gerade das Rezept für Pizza Margherita neu erfunden hat.

Schon in der sechsten Minute bebte das Stadio Renato Dall’Ara. Ludvig Jensen, der Mann mit der unscheinbaren Frisur, aber dem Fuß eines Uhrmachers, zog von rechts in die Mitte, bekam den Ball von Gaetano Semeraro - und schlenzte ihn ins linke Eck. 1:0. Bologna spielte von Beginn an offensiv, als hätte Mayer die Kabinentür mit dem Satz geöffnet: "Ballbesitz ist für Feiglinge." Tatsächlich gehörten nur 39 Prozent des Balles den Hausherren, aber das scherte keinen der 40.000 im Stadion.

Neapel hingegen hatte den Ball, aber nicht die Ideen. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, aber sie haben uns den Stecker gezogen", bekannte Gian-Luca Sidler, der Coach der Gäste, später mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Philosoph und Zahnarztbesuch rangierte. Seine Mannschaft kombinierte hübsch, aber harmlos - bis zur 57. Minute. Da zeigte Boris Michailow, warum er in Neapel als Künstler gilt: Nach einem Pass von Fernando Beltran lupfte er den Ball eiskalt über Keeper Satriano hinweg ins Netz. 1:1, und plötzlich roch es nach Neapolitanischem Aufwind.

Doch Bolognas Antwort kam postwendend - und in Gestalt des blonden Wirbelwinds Sebastian Nagel. Frisch eingewechselt hatte Christoph Engelhardt auf links Platz, flankte präzise, Nagel stieg hoch und köpfte ein. 2:1 in der 74. Minute. "Ich hab nur die Augen zu und gehofft, dass ich ihn richtig treffe", grinste Nagel nach dem Spiel.

Spätestens danach kippte das Spiel endgültig. Neapels Abwehrchef Cesare Vegliaturo verlor in der 70. Minute erst die Nerven, dann den Ball und schließlich auch die rote Karte - ein rustikales Einsteigen gegen den verletzungsgeplagten Ludvig Jensen brachte das logische Ende seines Arbeitstages. "Ich hab den Ball spielen wollen", murmelte Vegliaturo später, wobei niemand im Stadion den Ball gesehen hatte.

Mit einem Mann mehr verwaltete Bologna das Ergebnis nicht etwa, sondern spielte weiter nach vorne, als wäre es ein Bewerbungsschreiben für den Europapokal. Und dann kam die 89. Minute: Daniel Marcel steckt durch auf Gianluigi Di Carlo, und der trifft trocken zum 3:1. Das Stadion explodierte, Mayer ballte die Faust, und Sidler starrte in die Nacht, als würde er den Ballbesitzprozentsatz in den Sternen suchen.

Statistisch gesehen war Neapel das bessere Team - 60 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse. Bologna dagegen schoss 17-mal aufs Tor, also fast doppelt so oft, und zeigte eine Tackling-Quote, die mit 52 Prozent zwar kein Lehrbuchstoff war, aber für die nötige Wucht sorgte.

Nach Abpfiff klopfte Mayer seinem Team auf die Schultern und sagte lächelnd: "Manchmal ist weniger Ball mehr Fußball." Ein Satz, der sicher auf die Titelseite des nächsten Wandkalenders in Bologna kommt.

Neapels Trainer Sidler suchte indes nach Erklärungen. "Wir haben Chancen gehabt, aber Bologna war effizienter. Und nach der roten Karte war’s vorbei." Seine Spieler zogen sich still zurück, während die Curva Rossoblù noch lange sang.

Am Rande: Der 17-jährige Claudio Montanari, der zur Pause für Engelhardt wich, bekam vom Trainer ein Lob: "Er war nervös wie ein Espresso nach Mitternacht, aber er hat sich gut verkauft."

Und so endet ein Abend, an dem Bologna zeigte, dass man auch mit weniger Ballbesitz, dafür mehr Herz, ein Spiel dominieren kann. Neapel dagegen wird sich fragen, wie man so viel Spielkontrolle in so wenig Zählbares verwandelt.

"Das war Fußball mit Charakter", meinte Mayer zum Schluss. Und wer ihm da widersprechen wollte, hatte an diesem Abend wohl das falsche Trikot an.

Ein Sieg, der in Bologna noch lange nachhallen wird - nicht, weil er perfekt war, sondern weil er ehrlich war. Und ehrlich, das ist im modernen Fußball vielleicht der überraschendste Spielzug von allen.

25.04.643990 09:07
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Rainer Calmund
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