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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man eigentlich Fußball liebt - und dann erinnert man sich wieder daran, als der Schlusspfiff ertönt. Der FC Apeldoorn verlor am Freitagabend mit 2:3 gegen ASOT Utrecht, aber das Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte. Vor 20.000 Zuschauern im Apeldoorn-Stadion entfaltete sich ein Spiel, das alles bot: frühe Euphorie, jugendliche Frechheit, Abwehrchaos und späte Ernüchterung. Schon nach sechs Minuten bebte die Tribüne. Andre Van Schoonhoven, 33, machte das, was man von einem erfahrenen Rechtsaußen erwartet: einmal kurz nicht nachdenken, einfach durchziehen. Nach Vorlage von Arjen Groot zimmerte er den Ball unter die Latte - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Van Schoonhoven später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Es war der perfekte Start für Apeldoorn, das zunächst aus einer ausgewogenen Formation heraus spielte, während Utrecht unter Trainer Silencio Stilloliv von Beginn an auf Angriff gepolt war - mit dem Pressing einer Katze, die beschlossen hat, heute lieber zu schlafen. Doch wer glaubt, Utrecht würde sich davon beeindrucken lassen, kennt Silencio Stilloliv nicht. Der Coach, der selten mehr als drei Worte am Stück sagt, flüsterte seinem 17-jährigen Stürmer Robin van Persie offenbar genau die richtigen zu. In der 27. Minute setzte sich van Persie nach einem Pass von Innenverteidiger (!) Wevers Roemer durch und schob eiskalt zum 1:1 ein. Ein Teenager mit Eisschrank im Herzen - das Publikum verstummte, und Apeldoorns Keeper Gerritt Roemer sah aus, als überlege er, ob er sich das Tor später auf VHS noch einmal ansehen sollte. "Der Junge hat keine Angst", lobte Stilloliv nach dem Spiel knapp. Van Persie nickte bescheiden: "Ich hatte eigentlich Angst. Aber der Ball war schneller." Mit 1:1 ging es in die Pause. Die Statistik zeigte ein hauchdünnes Gleichgewicht - 49,6 Prozent Ballbesitz für Apeldoorn, 50,4 für Utrecht. Doch die Gäste hatten mehr Drang zum Tor (12 Torschüsse gegenüber 8). Nach dem Seitenwechsel sollte sich das auszahlen. Die 53. Minute: Wevers Roemer, eben noch Assistgeber, beschloss, dass Verteidiger auch mal Spaß haben dürfen. Nach einer Ecke von Barend Van Keuren wuchtete er den Ball per Kopf ins Netz - 1:2. "Ich hab einfach gezielt, wo’s weh tut", scherzte der Innenverteidiger. Apeldoorn wirkte kurz benommen, als hätte jemand das Drehbuch geändert, ohne Bescheid zu sagen. Doch die Gastgeber gaben sich nicht geschlagen. In der 69. Minute bediente Juan Miro den quirligen Rutger Breed, der aus spitzem Winkel den Ausgleich erzielte - 2:2, und plötzlich war wieder alles möglich. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", sagte Miro, "aber offenbar meinte das Spiel etwas anderes." Denn Utrecht hatte das letzte Wort. In der 85. Minute schlug Dirck Van Cortlandt, der routinierte Linksaußen, zu. Nach Vorlage von Jelle Buskirk schlenzte er den Ball ins lange Eck - 2:3. Ein Tor, so elegant, dass selbst die Heimfans kurz klatschten, ehe sie wieder wütend wurden. Van Cortlandt sagte danach trocken: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber der Ball hatte andere Pläne." Offenbar war das Motto des Abends, dass Bälle eigene Entscheidungen treffen. Apeldoorn versuchte in den letzten Minuten noch einmal alles, aber außer einem Distanzschuss von Rikki Spoor (77.) und einer gelben Karte für Pauel Brinkerhoff (60.) passierte nichts mehr. Trainer des Heimteams - der Name blieb auf den Pressebögen diesmal leer, vielleicht aus Selbstschutz - schüttelte nach Abpfiff den Kopf: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Eher ein tragikomisches Theaterstück." Statistisch betrachtet war es tatsächlich eine knappe Sache: Apeldoorn mit 8 Torschüssen, Utrecht mit 12, fast identischer Ballbesitz, aber ein Quäntchen mehr Zielstrebigkeit bei den Gästen. Die taktischen Daten belegen: Utrecht blieb von Anfang bis Ende offensiv ausgerichtet, während Apeldoorn seine Balance suchte - und sie in der letzten Viertelstunde verlor. Als die Zuschauer das Stadion verließen, hörte man Sätze wie "Schade, das war’s wert" und "Wie kann man nur so schön verlieren?". Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fan gesagt haben: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil." Vielleicht war das das heimliche Motto des Abends: Stilvoll scheitern. Utrecht nimmt drei Punkte mit, Apeldoorn den Trost, gut ausgesehen zu haben - zumindest bis zur 85. Minute. Und wer weiß: Vielleicht schreiben die Apeldoorner beim nächsten Mal das Drehbuch selbst. Bis dahin bleibt die Erkenntnis, dass selbst ein Ball Humor haben kann. 21.04.643987 18:18 |
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