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Ein lauer Märzabend, 32.000 Zuschauer im Estadio Albo - und ein Spiel, das alles hatte: Leidenschaft, Fehlpässe in Serie, und einen jungen Mann namens Eri Raab, der offenbar beschlossen hatte, die linke Seitenlinie zu seinem persönlichen Laufsteg zu machen. Am Ende jubelte aber Ciclon San Lorenzo. Mit 2:1 entführten die Gäste drei Punkte aus Buenos Aires, während die Gastgeber von Albo noch in der Nachspielzeit suchten, wie man einen Ball ins Netz bekommt, wenn der Torwart nicht höflich zur Seite tritt. Schon früh deutete sich an, dass San Lorenzo an diesem Abend das gefährlichere Team sein würde. 16 Schüsse aufs Tor, doppelt so viele wie Albo - und das, obwohl der Ballbesitz mit 54 Prozent klar bei den Gastgebern lag. Coach Eiko Henke grinste nach dem Schlusspfiff trocken: "Wir haben den Ball nur hergegeben, damit sie ihn wieder verlieren können." Das erste Tor fiel in der 37. Minute. Ricardo Cunha, quirlig wie eine Fliege auf Espresso, zog über rechts durch, legte quer, und Miguel Futre, 28, drosch das Leder humorlos in die Maschen. "Ich dachte, der Ball schreit, als ich ihn traf", lachte Futre später. Dass er zuvor schon zwei Mal am überragenden Torhüter Sadun Kas gescheitert war, machte das Tor nur süßer. Albo-Trainer - dessen Name in den offiziellen Daten wohl in der Akte der Vergessenheit ruht, aber dessen Gesicht nach 45 Minuten so rot war wie das Vereinswappen - peitschte seine Mannschaft in der Pause nach vorne. Und tatsächlich: Die zweite Halbzeit begann mit einem offensiven Feuerwerk der Hausherren. Harrison Barrymore, der Mittelstürmer mit dem Namen eines Hollywoodstars, prüfte San-Lorenzo-Keeper Javi Ximenes mehrfach (61., 64., 73. Minute). Beim dritten Versuch klappte es: Nach schöner Vorarbeit von Hugo Van den Branden traf Barrymore in Minute 73 zum 1:2-Anschluss. Das Stadion bebte, und Barrymore schrie sein Tor in den Abendhimmel, als hätte er gerade das Endspiel gewonnen. Doch wer glaubte, dass das Spiel nun kippen würde, hatte die Rechnung ohne Adriano Quaresma gemacht. Der 23-Jährige hatte gerade noch den Rasen betreten, als er in der 62. Minute - ja, die Zeitmaschine des Fußballs funktioniert manchmal rückwärts - mit einem eleganten Schlenzer das zweite Tor für San Lorenzo erzielte. Die Vorlage kam von Carl Eusebio, dessen Pass so präzise war, dass man ihn in einem Lehrbuch für "Traumpässe mit Ansage" abdrucken könnte. "Ich hab ihn nur kurz angeschaut und wusste: Der Ball will zu mir", grinste Quaresma nach dem Spiel. Trainer Henke nickte zufrieden und sagte: "Adriano hat die Ruhe eines Schachspielers - und den Schuss eines Presslufthammers." Albo Buenos Aires versuchte alles. Amaury Makukula donnerte in der 88. Minute einen Ball knapp übers Tor, und Lucas Bernheim, der zuvor in der 34. Minute Gelb gesehen hatte, probierte es mit einem Sonntagsschuss in der 89. Minute - leider war Sonntag schon vorbei. Statistisch gesehen war es ein Spiel der kleinen Ironien: Mehr Ballbesitz, weniger Torgefahr, mehr Einsatz - aber auch mehr Frust. "Wir hatten das Spiel im Griff, nur das Ergebnis nicht", sagte Mittelfeldmann Van den Branden selbstkritisch. Und Torwart Kas fügte mit einem müden Lächeln hinzu: "Ich hatte das Gefühl, wir hätten noch zwei Stunden weiterspielen können - der Ball wäre trotzdem beleidigt an uns vorbeigerollt." San Lorenzo dagegen zeigte eine abgeklärte Leistung. Kein wildes Pressing, keine Hektik - einfach saubere Organisation, präzise Pässe und eiskalte Chancenverwertung. Ihr Spiel war, wie ein Kollege in der Pressetribüne flüsterte, "nicht schön, aber effizient - wie ein Steuerberater mit Stollenschuhen". Am Ende standen die Gäste jubelnd vor ihrer Kurve, während Albo-Spieler enttäuscht in die Kabine trotteten. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Wir hatten mehr Ballbesitz!" - woraufhin ein anderer trocken antwortete: "Ja, aber die anderen hatten mehr Tore." Vielleicht fasst das den Abend am besten zusammen: Fußball bleibt kein Schönheitswettbewerb, auch wenn Albo Buenos Aires versucht hat, ihn als solchen zu gewinnen. Ciclon San Lorenzo nahm lieber die Punkte - und das Lächeln von Trainer Henke verriet, dass er genau das vorgehabt hatte. Ein launiger, leicht schmerzlicher Abend für Albo, ein effizienter Arbeitssieg für San Lorenzo. Und irgendwo in Buenos Aires wird heute noch diskutiert, warum Ballbesitz ohne Tore ungefähr so nützlich ist wie ein Regenschirm in der Wüste. 11.02.643994 15:41 |
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Mario Basler