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58821 Zuschauer im Stadio Atleti Azzurri d’Italia sahen am Samstagabend ein Spiel, das wohl nur eine Mannschaft wirklich wollte: UC Albinoleffe. Mit einem 3:0-Sieg über den AC Parma feierten die Bergamasken am 6. Spieltag der 1. Liga Italien einen Abend, der in seiner Klarheit fast schon unhöflich war. Parma kam, sah - und schoss dreimal aufs Tor. Albinoleffe schoss 19-mal. Das Ergebnis? Eine Lehrstunde in Entschlossenheit, garniert mit feinem Flügelspiel und einem Schuss süffisantem Selbstvertrauen. Schon nach fünf Minuten zeigte Massimo Righi, was an diesem Abend auf Parma zukommen würde: der erste Torschuss - und der erste Warnschuss. Der junge Rechtsaußen, 22 Jahre alt und offenbar mit Turboaufladung im linken Fuß ausgestattet, rannte die Linie rauf und runter, als hätte jemand die Seitenlinie mit Espresso getränkt. Trainer Danek Petri grinste später: "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen. Ich wusste nicht, dass er das so wörtlich nimmt." Das 1:0 fiel in der 23. Minute - und es passte perfekt zum Spielverlauf. Oscar Barre, der erfahrene Linksaußen, nahm einen Pass von Ruben Van Butsel auf, drehte sich elegant und versenkte den Ball trocken ins rechte Eck. Parma-Keeper Roberto Costa streckte sich, aber es war vergeblich. Barre jubelte mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Schadenfreude pendelte. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte er nach dem Spiel. "Aber manchmal hört der Ball einfach auf dich." Parma wirkte zu diesem Zeitpunkt bereits, als hätte man den Bus nicht nur geparkt, sondern auch die Handbremse angezogen. Die Gäste, von Trainer Hip Hop (ja, das ist wirklich sein Name) mit einer "ausgewogenen" Taktik aufs Feld geschickt, fanden kaum statt. Kein Pressing, wenig Mut - und wenn mal ein Ball in Richtung Albinoleffe-Strafraum rollte, war Torwart Stefano Castello hellwach. Oder gelangweilt, das ließ sich nicht immer unterscheiden. Kurz vor der Pause folgte dann der zweite Streich: In der 43. Minute spielte erneut Van Butsel den entscheidenden Pass, diesmal auf Righi, der sich für seine unermüdliche Arbeit belohnte. 2:0 - und das Stadion vibrierte. "Wir haben uns vorgenommen, über die Flügel zu kommen", erklärte Petri nach dem Spiel. "Aber dass es so gut klappt, hat selbst mich überrascht. Vielleicht sollte ich öfter nicht dazwischenreden." In der Pause wechselte Petri gleich dreimal - offenbar nicht aus Not, sondern aus Neugier. Der 18-jährige Xabi Alonso (nicht der) kam ins Mittelfeld, Manfred Tremblay ersetzte Leandro Marchesato, und Reece Carey übernahm die rechte Abwehrseite. Die Jugend dankte es ihm mit Mut und Tempo, auch wenn Carey später in der 78. Minute die einzige Gelbe Karte für Albinoleffe kassierte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", lachte der Youngster. Das 3:0 in der 70. Minute war dann die Krönung eines Abends, an dem alles funktionierte. Righi flankte von rechts, und Arnau Semprun rauschte heran wie ein Güterzug auf Schienen. Kopfball, Tor, Entscheidung. Das Stadion tobte, Parma kapitulierte. "Da war einfach keine Luft mehr", seufzte Parma-Kapitän Rene Berryer, der zuvor selbst Gelb gesehen hatte. "Wir standen hinten drin und hofften, dass es bald vorbei ist." Die Statistiken sprachen eine so klare Sprache, dass man sie fast zensieren möchte: 53,5 Prozent Ballbesitz für Albinoleffe, 19:3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Parma versuchte, "ausgewogen" zu spielen - und traf damit vor allem die Balance zwischen harmlos und überfordert. Nach dem Schlusspfiff stand Trainer Hip Hop stoisch an der Seitenlinie. "Wir hatten einen Plan", sagte er, "aber der Plan hatte offensichtlich andere Pläne." Auf der anderen Seite tanzten die Albinoleffe-Spieler ausgelassen. Petri klatschte seine Jungs ab, verschwand dann mit einem Grinsen in die Kabine und soll dort - laut unbestätigten Berichten - gesagt haben: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt verlangen, auch fürs Training." Ein Abend, der Lust auf mehr macht. Albinoleffe spielte nicht nur stark, sondern auch mit Freude - eine seltene Kombination im modernen Ergebnisfußball. Parma dagegen sollte vielleicht überdenken, ob "ausgewogen" wirklich das richtige Wort für eine Mannschaft ist, die kaum in die Nähe des gegnerischen Strafraums kommt. Und irgendwo in Bergamo sitzt jetzt wohl ein Fan mit einem breiten Lächeln und denkt sich: "Vielleicht ist das ja doch unsere Saison." Denn wenn Fußball so leicht aussieht wie an diesem Abend, dann war’s wohl richtig, einfach laufen zu lassen. 18.01.643994 09:17 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer