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Wenn 63.238 Zuschauer an einem kühlen Januarabend in Bergamo den Atem anhalten, dann liegt etwas in der Luft - oder, um es präziser zu sagen: der Duft eines klaren Heimsiegs. UC Albinoleffe zerlegte am 4. Spieltag der 1. Liga Italien den FC Ascoli mit 3:0 (1:0) und ließ dabei kaum Zweifel daran, wer an diesem Abend den Ton angibt - auch wenn der Ballbesitz mit 47 zu 53 Prozent etwas anderes vermuten ließe. Das Spiel begann, wie es für die Gastgeber-Trainer Danek Petri wohl in seinen kühnsten Träumen ausgesehen hatte: offensiv, bissig, aber nie kopflos. Schon nach acht Minuten prüfte Christian Rizzo mit einem satten Schuss den Ascoli-Keeper Cristian Papasidero, der noch glänzend parierte. Doch der Druck nahm zu, und in der 15. Minute platzte der Knoten: Gianmarco Marittimo zog von links in den Strafraum, bekam den Ball von Innenverteidiger Ellis Young - ja, Ellis Young! - in den Lauf gespielt und vollendete trocken ins lange Eck. "Ich dachte erst, er spielt den Ball zu stark", grinste Marittimo nach dem Spiel, "aber Ellis hat wohl einfach ein besseres Gefühl für den Sturm als ich fürs Verteidigen." Ascoli wirkte geschockt, fand jedoch nie richtig in die Partie. Zwar hatten sie mehr Ballbesitz, aber weniger Plan. Ihre drei mageren Torschüsse erinnerten eher an höfliche Anfragen denn an ernsthafte Versuche. Dagegen feuerten die Männer in Hellblau ganze 16 Mal aufs gegnerische Tor. Kurz vor der Pause sah Rizzo Gelb - vermutlich, um wenigstens einmal in der Statistik von Ascoli aufzutauchen. Trainer Petri reagierte zur Halbzeit klug, brachte den jungen Alessandro Sorrentino für Rizzo und den 18-jährigen Paolo Cicala für Marittimo. Eine Verjüngungskur, die Wirkung zeigte. Gerade einmal vier Minuten nach Wiederanpfiff sorgte Sefa Tekke für das 2:0. Nach feinem Zuspiel von Sorrentino schlenzte der 23-Jährige den Ball unhaltbar ins rechte Eck. Papasidero flog zwar spektakulär, aber das war mehr Show als Hoffnung. "Ich hab’ einfach draufgehalten", erklärte Tekke später mit einem Achselzucken. "Wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen - das hat mir mein Vater schon im Garten eingebläut." Ascoli versuchte zu reagieren, doch ihre Angriffsbemühungen endeten meist an der Strafraumkante - oder in den Armen von Stefano Castello, der im Albinoleffe-Tor einen ruhigen Abend verbrachte. Lediglich in der 85. Minute wurde es kurz gefährlich, als Daniele Ferro aus spitzem Winkel abzog, aber Castello lenkte den Ball routiniert über die Latte. Den Schlusspunkt setzte erneut Tekke in der 81. Minute. Nach schöner Kombination über Jose Meira und den omnipräsenten Joaquin Bischoff stand der Stürmer goldrichtig und verwandelte zum 3:0-Endstand. Danach riss er die Arme hoch, grinste Richtung Tribüne und umarmte Meira - der sichtlich überrascht war. "Ich wusste gar nicht, dass er sich so freut", lachte Meira später. "Normalerweise ist Tekke eher der Typ, der nur nickt und zurückläuft." Die letzten Minuten plätscherten dahin, Albinoleffe kombinierte locker, Ascoli suchte den Ausgang. Trainer Petri stand an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und nickte zufrieden. "Das war kein Spiel für Statistiker, sondern für Romantiker", sagte er nach dem Abpfiff. "Wir wollten mutig sein, und die Jungs haben geliefert." Auf der Gegenseite wirkte Ascolis Coach - dessen Name an diesem Abend besser ungenannt bleibt - wie ein Mann, der dringend einen Espresso braucht. "Wir hatten den Ball, aber keinen Plan", gab er offen zu. "Und wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die mit Herz und Humor auftritt, siehst du eben alt aus." Statistisch gesehen war es ein klarer Fall: Albinoleffe gewann mehr Zweikämpfe (57 Prozent), schoss fünfmal so oft aufs Tor und zeigte, dass Offensivgeist manchmal mehr zählt als Ballbesitz. Das taktische Konzept - offensiv, aggressiv, aber ohne wildes Pressing - ging perfekt auf. Als die Zuschauer das Stadion verließen, summte irgendwer in der Kurve ein Lied über den "blauen Traum von Albinoleffe". Vielleicht ein bisschen kitschig, aber an diesem Abend passte es. Und während die Mannschaft gemeinsam mit den Fans feierte, sagte Tekke mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Trainers: "Chef, ich hoffe, das war offensiv genug." Petri lachte nur. "Wenn du nächste Woche wieder doppelt triffst, darfst du sogar defensiv stehen." Ein Abend voller Tore, Witz und jugendlicher Unbekümmertheit - kurz: ein Fußballfest, wie man es nicht alle Tage erlebt. 23.02.643987 02:10 |
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund