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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Wind im Stadion Atleti Azzurri d’Italia Mitleid mit den Gästen hatte. 72.074 Zuschauer sahen, wie UC Albinoleffe am 13. Spieltag der 1. Liga Italien den großen Namen Intar Mailand mit 3:0 nach Hause schickte - und das mit einer Leichtigkeit, die zwischen frech und fast schon demütigend schwankte. "Wir haben heute einfach Fußball gespielt", grinste Trainer Danek Petri nach dem Schlusspfiff, und man konnte ihm den Spaß ansehen. Seine Mannschaft flankte, rannte, schoss - und traf. Intar Mailand hingegen wirkte über 90 Minuten wie ein Tourist, der sich verlaufen hat und jetzt hofft, dass jemand den Stadtplan umdreht. Schon früh setzte Albinoleffe ein Zeichen. In der 17. Minute war es Joaquin Bischoff, der auf der rechten Seite Platz fand, einmal kurz nach innen zog und den Ball trocken ins lange Eck schob. 1:0 - und die Tribünen bebten. "Ich hab einfach gedacht: Warum nicht?", sagte Bischoff später und zuckte mit den Schultern. Manchmal ist es so einfach. Mailand, das anfangs in einer offensiven Ausrichtung mit starkem Drang durch die Mitte angetreten war, reagierte mit Härte statt mit Ideen. Domingo Nuno sah in der 34. Minute Gelb, Gianni Di Calabria folgte ihm wenig später - und Trainerin Denise Ahlheit raufte sich an der Seitenlinie die Haare. "Das war nicht Aggressivität, das war Frust", kommentierte sie nach dem Spiel ungewohnt offen. Ihre Mannschaft hatte in der ersten Halbzeit kaum Zugriff, nur fünf Torschüsse im gesamten Spiel, keiner wirklich gefährlich. Dann, kurz vor der Pause, legte Albinoleffe nach. Heikki Tolsa, der quirlig wie eine Kaffeebohne auf Speed über den rechten Flügel wirbelte, bekam einen perfekten Pass von Marco Pauleta in den Lauf, nahm ihn mit der Brust herunter und schob eiskalt ein - 2:0 in der 41. Minute. "Marco hat mir den Ball so serviert, dass ich eigentlich nur noch Danke sagen musste", lachte Tolsa später. Zur Halbzeit versuchte Ahlheit alles: zwei Wechsel, ein bisschen Pressing, etwas mehr Mut. Doch Albinoleffe blieb cool. Selbst als Innenverteidiger Tobias Schumann kurz nach Wiederanpfiff Gelb sah, blieb das Team unbeeindruckt. Die Abwehr stand, der Ballbesitz - 57 Prozent - zeugte von Kontrolle, die Tacklingquote von 55 Prozent von Entschlossenheit. Und vorne? Da kamen die Flügel weiter ins Rollen. Gaetano Martirano prüfte den Mailänder Keeper mehrfach, Arnau Semprun tanzte den linken Verteidiger schwindelig, und die Zuschauer pfiffen vor Freude bei jedem gewonnenen Zweikampf. "Es war, als hätten sie Flügel", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne und schwenkte seine Fahne, als ginge es um die Meisterschaft. In der 87. Minute fiel dann der endgültige Knockout. Der gerade erst eingewechselte Giovanni Basile legte von rechts auf den jungen Gianmarco Marittimo ab - und der 24-Jährige schlenzte den Ball herrlich in den Winkel. 3:0. Die Bank von Albinoleffe stand Kopf. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich dazugehöre", sagte Marittimo bescheiden, während seine Teamkollegen ihn fast erdrückten. Mailand versuchte es noch einmal mit heroischem Pressing in den letzten Minuten, aber es blieb beim Versuch. Ihre Offensive - Osip Gorlukowitsch und Pierre Blanqui - wirkte ausgelaugt, die Pässe zu ungenau. Bei Schlusspfiff schien die Mannschaft erleichtert, dass es vorbei war. "Wir müssen uns fragen, warum wir so harmlos waren", gab Ahlheit zu. "Vielleicht haben wir uns vom Namen Albinoleffe täuschen lassen." Ein Satz, der nachwirkt. Albinoleffe hingegen spielte an diesem Abend wie eine Einheit, mit Mut, Tempo und Witz. Trainer Petri schloss seine Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern: "Ich habe meinen Spielern gesagt: Wenn ihr schon 70.000 Menschen im Stadion habt, dann sorgt wenigstens dafür, dass sie was zu lachen haben." Mission erfüllt. Und irgendwo in der kalten Januarnacht von Bergamo summte der Platzwart, während er das Flutlicht löschte: "So spielt man Fußball, meine Herren." Vielleicht hat er recht. 18.06.643987 12:31 |
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Olaf Thon