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Die London Eagles hatten sich den 10. Spieltag der 1. Liga England sicher anders vorgestellt. 27.000 Zuschauer im heimischen Stadion, Flutlicht, gute Laune - und am Ende ein ernüchterndes 0:3 gegen eiskalte Gäste aus Southampton. Während die Eagles flatterten, segelten die Männer von Trainer Raine Maida mit stoischer Ruhe zum Auswärtssieg. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass Southampton nicht gekommen war, um die Aussicht auf die Tower Bridge zu genießen. Bereits in der 5. Minute prüfte Innenverteidiger Eustatius Winchel den jungen Keeper Joshua Featherstone mit einem wuchtigen Kopfball. Der 20-Jährige hielt noch, aber nur kurz darauf, in der 18. Minute, war er chancenlos: Winchel, ausgerechnet der Abwehrmann, nickte eine präzise Flanke von Diego Travassos in die Maschen - 0:1. Während die Londoner Fans noch auf den VAR-Bildschirm starrten, jubelten die Gäste schon im Pulk. "Wir wollten früh ein Zeichen setzen", erklärte Winchel später mit einem Grinsen, "und wenn die Stürmer nicht wollen, machen’s halt wir Verteidiger." Eine Aussage, die seinem Trainer Maida offenbar gefiel: "Eustatius ist unser Geheimstürmer. Er weiß nur noch nichts davon." Die Eagles versuchten es derweil mit gepflegtem Kombinationsfußball, laut Statistik 48,5 Prozent Ballbesitz, aber von Durchschlagskraft keine Spur. Fünf Torschüsse - das klingt nach Arbeit, aber nicht nach Gefahr. "Wir haben den Ball schön laufen lassen", sagte Kapitän William Marshal, "leider meistens im Mittelfeld." Nach der Pause kam kurz Hoffnung auf. Trainer - dessen Name die Statistik unerklärlicherweise verschwieg - hatte offenbar in der Kabine an den Stolz seiner Männer appelliert. Doch während die Eagles stürmten, lauerte Southampton auf Konter - und genau so fiel das 0:2. In der 58. Minute startete Joshua Ackland über die linke Seite, tunnelte elegant Grantham und legte quer auf Samuel Browning. Der 23-Jährige schob trocken ein. "Das war wie im Training", grinste Browning später, "nur ohne den Trainer, der meckert." Die Londoner Fans reagierten mit einem kollektiven Seufzer. Einige begannen, ihr Bier zu studieren, andere riefen Richtung Bank: "Vielleicht mal defensiv denken?" Doch was folgte, war eher Verzweiflung als Strategie. Die Eagles liefen an, verloren den Ball - und Southampton konterte erneut. In der 89. Minute machte Julio Quaresma endgültig den Deckel drauf. Nach feinem Zuspiel von Jan Haswell zirkelte er den Ball mit dem rechten Fuß ins lange Eck. Ein Tor, das man in Slowmotion genießen möchte, wenn man kein London-Fan ist. 0:3, Lichter aus. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 17 Torschüsse für Southampton, die mit gerade einmal 51 Prozent Ballbesitz effizienter waren als ein Londoner Parkautomat. Dazu eine Zweikampfquote von knapp 56 Prozent - das war kein Zufall, sondern Plan. Trainer Maida hatte sein Team auf "Offensiv mit Konterfokus" eingestellt, und das Konzept funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Einzig eine Gelbe Karte trübte die perfekte Bilanz: Diego Travassos sah in der 26. Minute Gelb, als er Swen Beer resolut stoppte. "Alles fair", meinte Travassos später, "er hat ja weitergespielt." Beer selbst konnte darüber nicht lachen: "Ich hab ihn kommen sehen - nur zu spät." Kurz vor dem Abpfiff gönnte Maida seinem Mittelstürmer Bojan Smiljanic noch eine Pause und schickte Alfie Marley aufs Feld. Ein symbolischer Wechsel, fast schon eine Ehrenrunde. Die Southampton-Bank klatschte, die Eagles-Bank schwieg. Nach dem Spiel zeigte sich der unterlegene Keeper Joshua Featherstone erstaunlich gefasst: "Es war mein erstes Spiel gegen so eine Kaltschnäuzigkeit. Ich hab viel gelernt - vor allem, dass man nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Kopf verteidigen muss." Southampton hingegen feierte ausgelassen. Trainer Maida fasste es trocken zusammen: "Wir hatten heute mehr Lust auf Tore. Und Lust ist im Fußball manchmal die halbe Miete." Die London Eagles werden diesen Abend schnell vergessen wollen. Doch vielleicht erinnert sich mancher noch an die Worte eines Fans, der beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn wir schon fliegen heißen, sollten wir auch irgendwann abheben." Ein bitterer, aber passender Kommentar zu einem Spiel, das die Gäste mit chirurgischer Präzision entschieden. Southampton fliegt weiter, London trudelt - und irgendwo in der Ferne kräht ein Adler leise. 23.02.643994 16:38 |
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Fritz Walter Junior