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Manchmal braucht es gar keine taktische Revolution, sondern einfach nur ein bisschen dickköpfige Entschlossenheit. AD Cristal hat am 27. Spieltag der 1. Liga Peru genau das bewiesen: Mit 2:1 (1:1) besiegte die Mannschaft von Trainer Mööp Mööp den CF Jose Aurich - und verwandelte einen frühen Schock in einen lauen Sommerabend voller Erleichterung für die 34.437 Zuschauer im Cristal-Stadion. Schon nach sechs Minuten sah es so aus, als würde der Abend für die Hausherren in einem Albtraum enden. CF Jose Aurich, bis dahin kaum am Ball, kombinierte sich frech über die linke Seite nach vorn. Leandro Djalo schickte Diego Gome mit einem Pass in die Tiefe, und der 24-Jährige schob eiskalt durch die Beine von Keeper Antonio Estevo - 0:1. "Ich dachte, das Tor sei zu klein, so spitz war der Winkel", grinste Gome später, "aber offenbar war’s groß genug." Cristal reagierte mit einem wütenden Dauerangriff, als hätte jemand einen Befehl auf den Rasen gebrüllt: "Alles nach vorn!" 27 Torschüsse sollten es am Ende werden - und tatsächlich roch es ab der 10. Minute verdächtig nach Ausgleich. Der kam dann in der 20. Minute, und er kam aus einer Ecke, die eigentlich niemand auf dem Zettel hatte: Innenverteidiger Domingo Tristan, sonst eher für rustikale Grätschen zuständig, köpfte eine butterweiche Flanke von Hugo Quintana zum 1:1 ins Netz. "Ich hab einfach mal so getan, als wär ich Stürmer", grinste Tristan nach dem Spiel. Die Fans tobten, Trainer Mööp Mööp klatschte energisch, und selbst der Stadionsprecher klang, als würde er gerade Weihnachten feiern. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Aurichs Keeper Henri Devereux, der wohl den besten Arbeitstag seines Lebens hatte - und gleichzeitig den schlimmsten. "Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft ich fliegen musste", seufzte der Torwart hinterher und sah dabei aus, als bräuchte er dringend eine Massage und drei Tage Schlaf. Zur Halbzeit stand es trotzdem nur 1:1, und die Gäste wirkten erstaunlich ruhig. Trainer Alvarez (der an diesem Abend eine fast zenhafte Gelassenheit verströmte) erklärte später: "Wir wussten, dass Cristal gerne früh stürmt. Wir wollten einfach abwarten, bis sie müde werden." Ein Plan, der fast funktionierte - wenn da nicht ein gewisser Christiano da Costa gewesen wäre. Der 34-jährige Routinier, der schon in der ersten Halbzeit mehrfach an Devereux gescheitert war, traf in der 60. Minute endlich: Raul Beto legte mustergültig quer, und da Costa versenkte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers in die lange Ecke - 2:1. Ein Tor aus dem Lehrbuch, das den Gegner endgültig aus dem Konzept brachte. "Ich hab Raul nur angeschaut, und er wusste schon, was kommt", sagte da Costa später. "Das war Telepathie - oder einfach Training." Danach spielte Cristal das Ergebnis mit erstaunlicher Gelassenheit herunter, obwohl Jose Aurich mit 52 Prozent Ballbesitz optisch mehr vom Spiel hatte. Doch was nützt Ballbesitz, wenn die Offensive eher an ein Kartenhaus erinnert? Nur fünf Torschüsse brachten die Gäste zustande - und keiner davon roch ernsthaft nach Ausgleich. Trainer Mööp Mööp wirkte nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben gezeigt, dass wir Rückstände drehen können. Das ist wichtig. Aber 27 Torschüsse für zwei Tore - das ist eine Statistik, die meinem Blutdruck nicht guttut." In der Kabine klang es dagegen weniger analytisch. Raul Beto, der Vorlagengeber zum Siegtreffer, brüllte durchs Halbrund: "Heute gibt’s Limo für alle!" - woraufhin sein Mitspieler Quintana trocken ergänzte: "Solange sie nicht alkoholfrei ist." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Und irgendwo zwischen Feierlaune und Nervosität bleibt das Gefühl: Diese Mannschaft hat das Potenzial für mehr - wenn sie die Nerven behält. Denn eines ist klar: Wer so viel Druck aufbaut und trotzdem so lange zittert, spielt mit dem Herzen, nicht mit dem Rechenschieber. Oder, wie es Trainer Mööp Mööp am Ende zusammenfasste: "Schöner Fußball ist, wenn man gewinnt. Alles andere ist Philosophie." Ob das nun sarkastisch gemeint war oder nicht - an diesem Abend mochte ihm keiner widersprechen. 27.11.643987 20:07 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
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