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Es war ein nasskalter Februarabend im Jura, doch 40.000 Zuschauer fanden sich trotzdem im Stade de la Blancherie ein - vielleicht, um sich aufzuwärmen an der Hoffnung, dass der SC Delemont seine kleine Heimserie ausbauen würde. Am Ende blieb ihnen aber nur der kalte Wind und die bittere Erkenntnis: Gegen den SC Aarau nützt auch ein frühes Feuerwerk nichts. 1:2 hieß es nach 90 Minuten, und das war so gerecht wie ärgerlich für die Gastgeber. Dabei fing alles so gut an. In der 21. Minute zündete Benjamin Besson den Turbo auf dem linken Flügel, ließ seinen Gegenspieler stehen, schob sich in den Strafraum und versenkte den Ball trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Besson später. "Und siehe da - manchmal klappt’s sogar." Die Vorlage kam von Martin Schwab, der nach dem Spiel lakonisch meinte: "Eigentlich war das ein verunglückter Pass." Sarkasmus scheint in Delemont derzeit die letzte Waffe zu sein. Bis zur Pause kontrollierte das Team von Trainerin Lena-Marie Temmel das Geschehen erstaunlich souverän. 49,7 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse - das sah ordentlich aus, auch wenn Aarau immer wieder gefährlich konterte. Kurz vor der Halbzeit musste Patrik Ullrich nach einem Zusammenprall verletzt raus, Marc Pelletier kam. "Ich hab ihm gesagt, er soll sich nicht gleich wieder verletzen", witzelte Aarau-Coach Hans Meyer später mit einem Augenzwinkern. Doch die zweite Hälfte begann mit einem Donnerschlag - und das gleich doppelt. In der 51. Minute drückte Johann Jaeger einen Abpraller über die Linie, nachdem Linus Lutz nach einer Ecke per Kopf verlängert hatte. Drei Minuten später war es Ronald Sturm, der nach Vorarbeit von Henri Brand eiskalt das 2:1 erzielte. Delemonts Keeper Jacob Leech streckte sich vergeblich, die Fans verstummten. "Zwei Minuten Tiefschlaf, das reicht in dieser Liga", stöhnte Temmel nach dem Schlusspfiff. Delemont versuchte zwar, die Kontrolle zurückzuerlangen, doch der Schwung war futsch. Die Verletzung von Laurent Rothe in der 52. Minute tat ihr Übriges. Dimas Segura kam und brachte frischen Wind, aber keinen Ertrag. Zwar hatte Cervicati in der 67. Minute eine Riesenchance, sein Schuss strich aber knapp über die Latte. "Wenn der reingeht, reden wir heute anders", murmelte der Italiener in der Mixed Zone. Aarau hingegen spielte es clever. Mit minimalem Risiko, aber maximaler Effizienz hielten sie Delemont auf Distanz. Und wenn gar nichts mehr ging, gab’s eben Gelb: Justin Desjardins in der 76. und Jean-Pierre Westphal in der Nachspielzeit durften sich als taktische Foul-Helden feiern lassen. "Das war kein Foul, das war Erziehung", sagte Desjardins mit einem Grinsen, das seine Trainerin wohl weniger lustig fand. In den letzten Minuten warf Delemont alles nach vorn - sogar Innenverteidiger Humberto Vaz tauchte plötzlich im gegnerischen Strafraum auf, als hätte er vergessen, wo er eigentlich hingehört. Doch Aarau stand kompakt, und Torwart Rikki Sleeper machte seinem Namen keine Ehre: hellwach parierte er in der 73. Minute Seguras Schuss und hielt den Sieg fest. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 12 zu 9 Torschüsse für Aarau, fast ausgeglichener Ballbesitz, leichte Vorteile in den Zweikämpfen für die Gäste. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Prozenten entschieden, sondern nach Toren - und da stand’s nun mal 1:2. Trainer Hans Meyer zeigte sich nach dem Spiel gewohnt trocken: "Wir haben in der Pause gesagt, dass wir das Spiel noch drehen. Ich wusste nicht, dass die Jungs das wörtlich nehmen." Temmel hingegen wirkte gefasst, aber enttäuscht: "Wir haben gut gespielt, aber nach dem 1:1 waren wir wie eingefroren. Vielleicht lag’s am Wetter - oder an Aarau." So blieb Delemont am Ende nur der Applaus der eigenen Fans und das Gefühl, ein gutes Spiel verloren zu haben. Aarau dagegen nahm drei Punkte mit nach Hause und ein breites Grinsen im Mannschaftsbus. Und irgendwo in den Katakomben soll Benjamin Besson leise gesagt haben: "Beim nächsten Mal halt zwei Tore." Wenn’s so kommt, wird in Delemont vielleicht auch der Februar wieder wärmer. 30.08.643990 13:45 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer