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27000 Zuschauer im Oberwalliser Schneekessel hatten sich auf einen heißen Fußballabend gefreut. Was sie bekamen, war eine Lehrstunde - allerdings von der falschen Mannschaft. Der SC Aarau feierte beim 4. Spieltag der 1. Liga Schweiz einen souveränen 4:0-Auswärtssieg und ließ dem FC Oberwallis kaum Luft zum Atmen. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Aarau nicht zum Fondue-Essen angereist war. Während die Oberwalliser noch ihr defensives Bollwerk sortierten, prüfte Sean Corraface in der 4. Minute mit einem satten Schuss erstmals Keeper Janek Pasieka. "Da wusste ich, dass das heute kein gemütlicher Abend wird", stöhnte Pasieka später, der in der 66. Minute ausgewechselt wurde - wohl nicht nur wegen einer Blessur, sondern auch, um ihn vor weiterem seelischen Schaden zu bewahren. In der 24. Minute brach dann der Damm: Carl Münch, Aaraus quirliger Linksaußen, vollendete nach feiner Vorarbeit von Corraface zum 0:1. Die Oberwalliser Abwehr stand so weit auseinander, dass man fast ein Picknick hätte veranstalten können. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Trainer Snore Laken mit einem gequälten Lächeln, "aber offenbar hat jemand das Maßband vergessen." Nur neun Minuten später klingelte es erneut. Diesmal trug sich Linksverteidiger Justin Desjardins in die Torschützenliste ein - nach einem überraschenden Vorstoß, den Stürmer Marc Pelletier einleitete. Das 0:2 zur Pause war schmeichelhaft für die Gastgeber, die zwar 45,7 Prozent Ballbesitz hatten, aber kaum Struktur ins Spiel brachten. Aarau dagegen kombinierte flüssig, spielte aggressiv und wirkte, als hätten sie das Spielfeld schon vor dem Anpfiff vermessen. Nach der Pause versuchte Oberwallis, etwas mutiger zu werden, doch die Gäste blieben weiter dominant. Nach einer Stunde kam der 19-jährige Ralph Krieger ins Rampenlicht: Der Youngster zog in der 65. Minute von links nach innen und schlenzte den Ball herrlich ins lange Eck - 0:3! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Krieger nach dem Spiel. "Trainer Meyer sagt immer, wer nicht schießt, trifft auch nicht - und er hatte mal wieder recht." Hans Meyer, der erfahrene Aargauer Coach, nickte zufrieden. "Die Jungs haben das umgesetzt, was wir trainiert haben - mutig, schnell, zielstrebig. Nur beim Torjubel hätten sie etwas sparsamer sein dürfen, der Platzwart schimpft schon." Oberwallis wechselte in der 67. Minute offensiv: Winston und der junge Hamsik kamen, um die Flügel zu beleben. Doch außer ein paar harmlosen Distanzschüssen (insgesamt neun aufs Tor) sprang nichts Zählbares heraus. Aarau hielt dagegen mit 15 Torschüssen - und einer Effizienz, die an Schweizer Uhrwerke erinnerte. In der Nachspielzeit setzte Marc Pelletier den Schlusspunkt. In der 94. Minute zimmerte der rechte Flügelstürmer den Ball unhaltbar unter die Latte - ein Tor, das so sehr nach "Deckel drauf" schrie, dass selbst die Heimfans kurz applaudierten. "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", gab Pelletier schmunzelnd zu. "Aber dann war der Ball halt drin." Zwei Gelbe Karten - eine für Aaraus Abwehrhünen Detlev Jacob (28.) und eine für Oberwallis’ Isaac Dennehy (83.) - sorgten für etwas Farbe in einem Spiel, das sonst eindeutig in Rot und Weiß leuchtete. Nach dem Abpfiff stand Trainer Laken etwas verloren an der Seitenlinie. "Wir haben defensiv gedacht, aber offensiv vergessen, dass man Tore schießen muss", murmelte er. "Aarau hat uns gezeigt, wie einfach Fußball aussehen kann, wenn man ihn versteht." Die Statistik sprach eine klare Sprache: mehr Ballbesitz (54 Prozent), mehr Torschüsse, mehr Ideen - Aarau war in allen Belangen überlegen. Selbst die Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent) unterstrich die Dominanz der Gäste. Für den FC Oberwallis bleibt die Erkenntnis, dass eine defensive Grundordnung zwar auf dem Papier schön aussieht, aber auf dem Platz auch laufen muss. Und für Aarau? Ein Ausrufezeichen im Kampf um die Tabellenspitze - und ein Abend, an dem selbst der Busfahrer grinste. Oder wie es Ralph Krieger nach dem Spiel formulierte, während er sich ein Stück Apfelkuchen vom Buffet schnappte: "Wir haben heute nicht nur gespielt, wir haben getanzt." Und das im Takt von vier Toren. 22.02.643987 19:33 |
Sprücheklopfer
Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
Stefan Effenberg auf die Frage nach Verstärkungen beim FC Bayern