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Es war ein Dienstagabend, wie ihn die 1. Liga Schweiz nicht alle Tage erlebt. 61.046 Zuschauer drängten sich im Brügglifeld, um Zeuge eines Spiels zu werden, das irgendwo zwischen Fußballkunst und Offensiv-Wahnsinn pendelte. Am Ende hieß es 6:3 für den SC Aarau gegen den SC Basel - ein Ergebnis, das so klang, als hätte jemand den Verteidigern beider Teams einen freien Abend gegönnt. Schon nach zehn Minuten ging’s los mit dem Feuerwerk: Johann Jaeger, dieser drahtige Mittelstürmer mit dem Gesicht eines Schülers und dem Schuss eines Vorschlaghammers, schob nach Vorlage von Marc Pelletier zum 1:0 ein. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Jaeger nach dem Spiel. Drei Minuten später antwortete Basels Ralf Wahl, der nach einem Eckball aus dem Nichts zum 1:1 traf. "Da war kurz Chaos im Strafraum - ich dachte, probier’s einfach mal. Hat ja geklappt", sagte er mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Stolz und Überraschung lag. Aarau blieb unbeeindruckt. Wieder Jaeger, wieder Pelletier als Vorlagengeber, 19. Minute, 2:1 - ein Angriff wie aus dem Lehrbuch. Doch Basel, das laut Statistik mit 55 Prozent Ballbesitz eigentlich das Spiel kontrollierte, fand erneut eine Antwort. Tom Veesaert, der unermüdliche Mittelfeldmotor, traf kurz vor der Pause zum 2:2. Es war der Moment, in dem man sich fragte, ob das hier wirklich ein Ligaspiel oder eher ein Offensiv-Showcase war. Nach dem Seitenwechsel dann das, was man in Aarau wohl als "Sturmflut mit System" bezeichnen wird. Michele Del Carretto brachte Basel in der 51. Minute tatsächlich mit 3:2 in Führung - und wer jetzt dachte, das Spiel kippe Richtung Rotblau, wurde eines Besseren belehrt. Zwei Minuten später glich Carl Münch nach einem herrlich direkten Angriff aus. Dann drehte Malkolm Holmqvist auf: Erst ein wuchtiger Abschluss in der 57. Minute, dann noch einer in der 59. - Doppelschlag, Doppelpack, doppelt Jubel. Basels Trainer Joschi Du stand fassungslos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, der Blick in die Ferne. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte er später. "Aber Aarau hatte wohl andere Pläne." Die hatte Trainer Hans Meyer tatsächlich: "Wir haben gesagt, Jungs, wenn ihr den Ball habt, denkt einfach nicht zu viel nach." Offenbar ein Erfolgsrezept. In der 64. Minute setzte Henri Brand den Deckel drauf, als er nach Zuspiel von Ronald Sturm das 6:3 markierte. Danach wurde’s gemütlich - zumindest für Aarau. Basel versuchte es noch mit Wut und Pressing, kassierte aber nur eine gelbe Karte (Yannick Lardenoit, 58.) und jede Menge Konter. "Ich hatte das Gefühl, Aarau schießt aus jeder Lage", meinte Basels Keeper Jacob Neumann, der trotz sechs Gegentoren mit mehreren Glanzparaden eine noch höhere Niederlage verhinderte. Statistisch gesehen war das Spiel ein Paradox: Basel hatte mehr Ballbesitz, Aarau mehr Torschüsse (18 zu 10), und die Tackling-Quote (53 zu 47 Prozent) zeigte, dass die Hausherren auch in den Zweikämpfen ein kleines bisschen wacher waren. Vielleicht war es dieser Mix aus Konsequenz und Chaos, der den Unterschied machte. Im Stadion hörte man nach dem Abpfiff noch lange Fangesänge, während Hans Meyer ein wenig verlegen in die Kameras grinste. "Sechs Tore schießen wir ja nicht jeden Tag", sagte er, "aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Und während die Basler enttäuscht in die Kabine trotteten, stand Johann Jaeger noch auf dem Rasen, winkte den Fans und sagte in die Mikrofone: "Ich hab gehört, man soll einfach Spaß haben. Heute hat’s geklappt." Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, ein bisschen Theatralik - und das Gefühl, dass in Aarau an diesem Abend selbst das Flutlicht grinsend applaudierte. Schlusswort des Chronisten: Wenn Fußball ein Fest ist, dann war das hier ein Buffet. Und Aarau hat sich einfach zweimal nachgenommen. 22.02.643994 02:43 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel