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Aarau überrollt Yverdon - und das schon vor der Pause

An diesem frostigen Januarabend bebte das Brügglifeld: 51.435 Zuschauer sahen, wie der SC Aarau den SV Yverdon mit 2:0 besiegte - ein Ergebnis, das deutlich klarer wirkte, als es die nüchternen Zahlen vermuten lassen. Denn während Yverdon mehr Ballbesitz hatte (54 Prozent), war Aarau schlicht zielstrebiger, bissiger, ja: schweizerisch-effizient.

Von Beginn an legten die Aargauer los, als hätten sie etwas nachzuholen. Schon in der dritten Minute prüfte Tom Scholz mit seinem rechten Hammer den Gästekeeper Lasse Zander - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Aarau spielte offensiv, mutig, manchmal fast übermütig. Trainer Hans Meyer hatte seine Elf auf Attacke eingestellt, "offensive alignment" nennen die Analysten das - oder, wie Meyer nach dem Spiel sagte: "Ich hab’ ihnen gesagt, sie sollen endlich mal zeigen, dass das Tor keine verbotene Zone ist."

Das 1:0 in der 33. Minute war dann fast lehrbuchhaft. Inigo Gonzalo, der unermüdliche Antreiber im Zentrum, steckte den Ball herrlich durch auf Scholz - und der traf trocken ins lange Eck. Jubel, Rauchfackeln, Bierduschen auf der Tribüne. Scholz grinste später: "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war - das Netz hat’s mir verraten."

Yverdon versuchte, zu reagieren, aber ihre "balanced" Taktik wirkte eher wie ein Spaziergang durch den Park. Theo Montgomery und Uwe Bernard liefen sich fest, die Angriffe versandeten regelmäßig an Linus Lutz und Vincent Barre in der Aargauer Abwehr. Und als alle schon auf den Halbzeitpfiff warteten, kam der nächste Schlag: In der 45. Minute versuchte es Linksverteidiger Eri Reinhardt aus der zweiten Reihe - und traf. Wieder war Gonzalo der Vorlagengeber, wieder wirkte Yverdon überrascht, dass Verteidiger schießen dürfen.

"Der Ball kam perfekt, ich dachte mir: warum nicht?", grinste Reinhardt nach dem Spiel, während sein Trainer ihm auf die Schulter klopfte. "Ich sollte ihn öfter schießen lassen", murmelte Meyer halb belustigt, halb ernst.

Mit dem 2:0 zur Pause war die Partie im Grunde entschieden. Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in kontrollierter Offensive. Aarau hatte 24 Torschüsse, Yverdon ganze sechs - ein Verhältnis, das eigentlich Bände spricht. Trotzdem blieb es beim 2:0, weil Scholz reihenweise Chancen liegen ließ. In der 57. Minute etwa drosch er den Ball aus fünf Metern über die Latte, was ihn selbst so ärgerte, dass er beim Zurücklaufen mit sich selbst schimpfte. "Ich weiß auch nicht, was da passiert ist - vielleicht war der Ball allergisch gegen das Tor", witzelte er später.

Yverdon-Coach - der Name ging in den Statistiken unter, aber seine Körpersprache sprach Bände - stand 90 Minuten lang reglos an der Seitenlinie. Kein Pressing, kein Aufbäumen, kein Risiko. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte er nach dem Spiel, "leider blieb auch der Ball zu ruhig."

Aarau dagegen wechselte klug: Der junge Lauritz Houghtailing kam in der 59. Minute für den erfahrenen Javi Meireles und brachte frischen Wind über rechts. Seine Flanken fanden zwar selten Abnehmer, aber immerhin zeigte er, dass man auch mit 21 Jahren schon eine gelbe Karte vermeiden kann - anders als Henri Brand, der in der 55. Minute den gelben Karton sah, weil er etwas zu temperamentvoll in den Zweikampf ging.

Die letzten Minuten gehörten dann wieder Aarau. Johann Jaeger hatte gleich mehrere Gelegenheiten (78., 84., 87.), aber Yverdons Torhüter Zander hielt, was zu halten war. "Ich hätte ihm fast einen Kaffee angeboten, so oft hat er mich angeschaut", lachte Jaeger nach Abpfiff.

Als Schiedsrichter Moser endlich abpfiff, fiel Hans Meyer seinem Co-Trainer um den Hals. "Wir haben geliefert", sagte er knapp. Und das hatte seine Mannschaft. 2:0, drei Punkte, kein Gegentor - und das gegen ein Team, das statistisch mehr vom Spiel hatte, aber weniger damit anzufangen wusste.

Die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause, einer rief beim Hinausgehen: "So spielt man Fußball, nicht Taschenbillard!" - eine treffende Zusammenfassung dieses Abends.

Und während die Aargauer in der Kabine noch lachten, wirkte Yverdon bereits auf dem Heimweg, als hätten sie nicht ein Spiel, sondern ihre Motivation verloren. Vielleicht bringt das nächste Training Abhilfe - oder ein Espresso doppio.

Denn eines ist sicher: An diesem Abend war Aarau hellwach. Und Yverdon? Nun ja - eher im Ruhemodus.

06.03.643987 09:20
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