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Aarau überrascht Le Havre - ein Champions-League-Abend mit Herz, Humor und Gelb-Rot

Der SC Aarau hat die Champions-League-Bühne auf seine ganz eigene, charmant-chaotische Art betreten - und das gleich mit einem 3:2-Sieg gegen den französischen FC Le Havre. 79.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ein Spiel, das irgendwo zwischen Präzision und Wahnsinn pendelte. Trainer Hans Meyer grinste nach Abpfiff: "Wir wollten offensiv spielen. Dass das so wörtlich genommen wird, hätte ich selbst nicht gedacht."

Schon nach neun Minuten bebte das Stadion. Jean-Pierre Ames, der 31-jährige Dauerläufer mit der Frisur eines 90er-Jahre-Rockers, zirkelte den Ball nach Vorlage von Rechtsverteidiger Niclas Krieger ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Ames später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht - 1:0 Aarau.

Le Havre, anfangs mit viel Ballgefühl, aber wenig Zielwasser, rannte an, biss sich aber an Aaraus giftiger Defensive die Zähne aus. In der 21. Minute sah Eri Reinhardt Gelb - wohl eine Art Liebeserklärung an die französische Offensive. Kurz darauf, in Minute 30, revanchierte sich Le-Havre-Verteidiger Agustin Ze Castro ebenfalls mit einer Verwarnung. Fairness muss sein.

In der 36. Minute dann wieder Jubel: Malkolm Holmqvist, der schwedische Dauerläufer auf der rechten Seite, vollendete erneut nach Vorlage von - na klar - Niclas Krieger. 2:0! Drei Vorlagen von Krieger sollten es am Ende werden, womit er sich endgültig zum stillen Held des Abends machte.

Hans Meyer gestikulierte wild, während sein Gegenüber Kurt Zanitsch an der Seitenlinie stoisch kaute - wahrscheinlich auf den Resten seiner taktischen Anweisungen. "Wir haben das Zentrum verloren", brummte Zanitsch später. "Und dann auch noch Foma."

Er meinte Foma Prjaschnikow, den Innenverteidiger, der mit Gelb in der 70. Minute begann und in der 82. mit Gelb-Rot endete. Dazwischen hatte Aarau längst auf 3:0 gestellt: Thomas Herzog traf in der 49. Minute, wieder nach einem perfekten Zuspiel von Krieger. Ein Tor, das in jeder Zeitlupe schöner wirkte.

Doch Aarau wäre nicht Aarau, wenn es danach einfach wäre. In der 56. Minute antwortete Claude Bruguiere für Le Havre - ein trockener Schuss aus 18 Metern, vorbereitet von Haluk Akin. Plötzlich wackelte die Schweizer Defensive. Und als Vidar Norgaard in der 75. Minute nach einer butterweichen Flanke von Filipe Esclapez das 3:2 erzielte, schnürte sich bei manchen Fans der Schal etwas enger.

"Ich hab da kurz gezweifelt", gab Torhüter Louis Noack zu. "Vor allem, als der Stadionsprecher schon anfing, den Sieg zu feiern." Doch Aarau rettete das Ergebnis mit 59 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüssen und einer ordentlichen Portion Glück über die Zeit.

Le Havre versuchte in den letzten Minuten mit zehn Mann noch einmal alles, stellte auf Vollgas-Pressing um und warf den Ball gefühlt zehnmal in den Strafraum. Doch Hans Meyer blieb gelassen. "Ich hab auf die Uhr geschaut und gedacht: Wenn wir jetzt keinen Elfmeter verursachen, ist das ein Fortschritt."

Die Zuschauer bekamen in den letzten Minuten noch reichlich Drama: eine gelbe Karte für Marc Pelletier (80.), eine Gelb-Rote für Prjaschnikow (82.) und einen aufgebrachten Zanitsch, der den vierten Offiziellen mit einem französischen Redeschwall übergoss, den selbst Google Translate nicht in Echtzeit geschafft hätte.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte Aarau, als hätte man gerade den Pokal gewonnen. Vielleicht war es genau das: ein kleiner Pokal der Selbstbestätigung. "Wir haben gezeigt, dass man mit Mut, Laufbereitschaft und drei Vorlagen von einem Rechtsverteidiger auch in der Champions League bestehen kann", sagte Meyer, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Und Le Havre? Zanitsch nahm’s sportlich: "Wir haben verloren, aber wenigstens hatten wir mehr Stil beim Einlaufen."

So endete ein Abend, der alles hatte - Tore, Karten, Emotionen und den leicht absurden Charme eines Teams, das offenbar beschlossen hat, dass Defensive überbewertet ist.

Oder, wie Jean-Pierre Ames es formulierte: "Wenn wir schon in der Champions League sind, dann sollen die Leute auch was zu sehen kriegen."

Mission erfüllt, Jean-Pierre. Mission erfüllt.

29.03.643987 13:53
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Wenn ich den Fans den Stinkefinger zeige, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. Das macht mich richtig geil auf das Spiel.
Mario Basler
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