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Ein lauer Frühlingsabend, 56.287 Zuschauer im ausverkauften Brügglifeld, und ein Spiel, das alles hatte, was die 1. Liga Schweiz manchmal so liebenswert chaotisch macht: frühe Tore, späte Dramen, gelbe Karten und eine Verletzung, die die Taktiktafeln beider Trainer durcheinanderwirbelte. Am Ende jubelte der SC Aarau über ein hart erarbeitetes 2:1 gegen Blau-Weiss Zürich - und Trainer Hans Meyer grinste nach Abpfiff schelmisch: "Wir wollten eigentlich ruhig anfangen. Hat nicht geklappt." Tatsächlich ging es kaum hektischer: Schon in der 5. Minute schickte Patrik Ullrich den Ball flach in den Rückraum, wo Jean-Pierre Westphal seine ganze Routine ausspielte. Mit einem trockenen Schuss ins linke Eck überwand er Zürichs Keeper Ernst Schmitz - 1:0. Auf der Tribüne verschüttete ein Fan vor lauter Jubel sein Bier, was sinnbildlich für die entfesselte Stimmung stand. Blau-Weiss, von Trainer Eddi Manson mit einer offensiven Ausrichtung geschickt, brauchte ein paar Minuten, um sich zu sortieren. Nick Gariepy prüfte Aarau-Keeper Rikki Sleeper zwar früh (8.), doch der Routinier im Tor war hellwach. Danach sah man, warum Aarau an diesem Abend mit 57 Prozent Ballbesitz und 11 Torschüssen das aktivere Team war: Die Gastgeber kombinierten flüssig über die Flügel, während Zürichs Angriffsbemühungen oft im dicht gestaffelten Mittelfeld strandeten. In der 20. Minute dann Schrecksekunde für Aarau: Andreas Pfeiffer blieb nach einem Zweikampf liegen. "Ich hab’s knacken gehört", murmelte er beim Abtransport - später bestätigte sich eine Bänderdehnung. Carl Münch kam für ihn, kassierte 15 Minuten später prompt Gelb (35.), und wurde noch vor der Pause wieder ausgewechselt. "Nicht mein Tag", sagte Münch hinterher trocken. Zur Pause stand es 1:0, und Aarau schien das Spiel im Griff zu haben. Doch Hans Meyer, bekannt für sein taktisches Bauchgefühl, änderte die Ausrichtung von "offensiv" auf "balanciert". "Ich wollte nicht, dass wir uns selbst überholen", erklärte er später mit einem Augenzwinkern. Die zweite Hälfte begann mit druckvolleren Zürchern, die sich endlich ins Spiel bissen. Philippe Blanqui und Sedat Üzülmez prüften Sleeper mehrfach, doch der Aargauer Schlussmann hielt, was zu halten war. Dann kam die 62. Minute: Nach einer Ecke köpfte der eingewechselte Vincent Barre den Ball in den Rückraum - Ralph Krieger fackelte nicht lange und traf per Volley zum 2:0. Ein Treffer, der so schön war, dass selbst die Ersatzspieler kurz das Warmmachen vergaßen. Doch Aarau wäre nicht Aarau, wenn es danach nicht noch spannend würde. Nur drei Minuten später (65.) konterte Zürich eiskalt: Francesco Marras schickte Sedat Üzülmez steil, der Stürmer blieb cool und verkürzte auf 2:1. "Da war kurz Alarmstufe Rot", gestand Meyer später. Die letzten zwanzig Minuten wurden zum Nervenkrimi. Zürich warf alles nach vorne, Aarau verteidigte mit Zähnen und Klauen. Justin Desjardins sah Gelb (66.) - und hätte sich über eine zweite Karte nicht beschweren dürfen, als er Blanqui an der Außenlinie ummähte. Der Schiedsrichter ließ Gnade vor Recht ergehen, worauf Zürich-Trainer Manson an der Seitenlinie tobte: "Wenn das kein taktisches Foul war, dann bin ich Ballettlehrer!" Aarau konterte noch zweimal gefährlich über den jungen Michel Bastos, der in der 74. Minute knapp verzog. Die Zuschauer standen längst, jede Flanke wurde bejubelt oder verflucht. In der Nachspielzeit (92.) hatte Nick Gariepy die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich - doch Sleeper lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Danach war Schluss, und die Aarauer fielen sich jubelnd in die Arme. "Wir haben uns das Leben schwer gemacht, aber am Ende zählt nur der Sieg", sagte Torschütze Westphal, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Gesicht wischte. Sein Trainer nickte zufrieden: "2:1 klingt knapp, aber wir haben’s verdient. Und außerdem: Schön gewinnt man selten, wenn man Hans Meyer heißt." Zürichs Coach Manson suchte Trost in Ironie: "Wir haben stark gespielt, nur leider das Falsche getroffen - den Pfosten, den Gegner, aber nie das Netz." Ein Abend also, wie er in Aarau gern erzählt wird: laut, wild, unberechenbar. Die Statistik spricht für die Gastgeber, die Moral für beide Teams. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan noch nach Abpfiff: "So spielt der SC Aarau!" - schräg, aber siegreich. 07.03.643994 09:15 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde