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Aarau siegt in wildem Schlagabtausch gegen Chiasso - Jaeger eröffnet, Pelletier entscheidet

Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob die Defensive beider Teams kollektiv beschlossen hat, frei zu nehmen. 57.177 Zuschauer im ausverkauften Brügglifeld sahen beim 3:2 des SC Aarau gegen den SC Chiasso ein Spiel, das eher an ein Tennismatch erinnerte als an eine geordnete Fußballpartie. Tore im Zehn-Minuten-Takt, Chancen im Dutzend und Trainer, die zwischen Freude, Verzweiflung und purem Unglauben pendelten - alles war dabei.

Schon vor dem Anpfiff ahnte man, dass Aarau-Trainer Hans Meyer etwas vorhatte. Seine Jungs liefen offensiv auf, "wir wollten Chiasso gar nicht erst glauben lassen, sie könnten hier was holen", grinste Meyer später. Tatsächlich legte Aarau los wie die Feuerwehr: Johann Jaeger prüfte den gegnerischen Keeper in der 12. Minute, dann noch einmal in der 30. - und schließlich, in der 32. Minute, war es soweit. Nach feiner Vorarbeit von Inigo Gonzalo drosch der 22-jährige Mittelstürmer das Leder in die Maschen. 1:0. Die Fans tobten, Meyer ballte die Faust, und Jaeger rief in Richtung Tribüne: "Endlich einer drin!"

Doch Chiasso zeigte sich unbeeindruckt. Trainer Heiko Vogel, stets mit einem ironischen Lächeln bewaffnet, hatte seinem Team offenbar eingeschärft, auf Konter zu lauern. Und prompt: In der 39. Minute schlug Fernando Carvalho zu - nach Vorlage von Olaf Bayer. Ein trockener Schuss ins lange Eck, Aarau-Keeper Rikki Sleeper streckte sich vergeblich. "Wir trainieren das so", sagte Carvalho später mit einem Augenzwinkern. "Also, meistens. Heute hat’s mal funktioniert."

Mit 1:1 ging’s in die Pause, und das Publikum hatte kaum Zeit, sich die Wurst zu holen, da schepperte es schon wieder. In der 56. Minute zirkelte Javi Meireles den Ball nach wunderbarer Kombination von Gonzalo ins Netz. 2:1. Dummerweise verletzte sich im Gegenzug Chiassos Mittelfeldmotor Kyriakos Galitsios - Diagnose: Muskelzerrung. Für ihn kam Alejandro Poncela, der prompt in der 71. Minute mit einem präzisen Pass auf Carvalho den nächsten Ausgleich einleitete. 2:2, und Carvalho schnürte damit seinen Doppelpack.

"Da hab ich kurz gedacht, jetzt kippt das", gestand Meyer später. Doch seine Mannschaft blieb dran. 21 Torschüsse zeugen von Aaraus unbändigem Drang nach vorne - gegen nur sieben der Gäste. Das Spiel wogte hin und her, Gelbe Karten flogen (zunächst für Isaac Millington und später auch für Inigo Gonzalo, der nach einem rustikalen Einsteigen meinte: "Ich hab nur den Ball getroffen - der Ball war halt am Bein.").

Dann kam die 85. Minute. Henri Brand, bis dahin unauffällig, zog links an, passte halbhoch vors Tor - und Marc Pelletier rauschte heran. Ein Kontakt, ein Knall, ein Tor. 3:2 für Aarau. Das Stadion explodierte. Vogel stand wie versteinert an der Seitenlinie, während Meyer seinem Co-Trainer auf die Schulter hämmerte: "Siehst du, offensiv zahlt sich aus - manchmal!"

Chiasso warf in den letzten Minuten alles nach vorn, sogar Rechtsverteidiger Olav Astruc probierte es aus der Distanz. Doch die Latte und Sleeper verhinderten Schlimmeres. Als Schiedsrichter Bollinger nach 94 Minuten abpfiff, lagen sich die Aargauer in den Armen.

Statistisch war’s eine klare Sache: 51 Prozent Ballbesitz für Aarau, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und ein Chancenverhältnis wie aus dem Lehrbuch für Offensivfußball. Chiasso hielt tapfer dagegen, doch am Ende fehlte die letzte Präzision - und vielleicht auch das Quäntchen Glück.

"Wir haben offensiv gespielt, defensiv improvisiert", fasste Vogel nach dem Spiel trocken zusammen. "Aber hey, das Publikum kam auf seine Kosten." Jaeger konterte mit einem breiten Grinsen: "Wenn wir weiter so treffen, brauchen wir bald eine Torprämie pro Minute."

Hans Meyer schließlich lehnte sich in der Pressekonferenz zurück und sagte den Satz des Abends: "Das war kein Spiel für Statistikfreunde, sondern für Herzpatienten. Aber ich nehm den Sieg."

Ein Fazit, dem niemand widersprach. Chiasso fährt mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt nach Hause. Aarau dagegen darf vom Aufstieg träumen - oder zumindest vom nächsten Spektakel. Denn eines ist sicher: Wenn diese Mannschaft spielt, sollte man die Nerven im Griff und das Popcorn griffbereit haben.

29.03.643987 13:53
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Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
Andreas Brehme
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