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40.000 Zuschauer im Stade de la Blancherie, Flutlicht, Kälte, Dampf aus den Mündern - und ein Spiel, das die 1. Liga Schweiz an diesem 8. Spieltag so schnell nicht vergessen wird. Am Ende jubelte der SC Aarau über einen 3:2-Auswärtssieg bei tapferen, aber zu spät erwachten Delemontern. Schon nach zehn Minuten war klar, dass Aarau nicht zum Spazieren gekommen war. Johann Jaeger, jung, drahtig, und offenbar mit einem eingebauten Radar für den Torwinkel, traf nach feiner Vorarbeit des 19-jährigen Ronald Sturm zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, der Rest war Physik", grinste Jaeger später, während ihm sein Trainer Hans Meyer den Kopf tätschelte. Doch Delemont reagierte - nicht mit Angst, sondern mit Wut im Bauch. In der 22. Minute zündete Dylan Dewey auf der rechten Seite den Nachbrenner, zog nach innen und drosch die Kugel nach Zuspiel von Jozef Abraham unter die Latte. 1:1 - die Tribünen bebten. Trainer John Cena (ja, der Name sorgt auch in der Schweiz für Schmunzeln) reckte die Faust: "So stell ich mir Kampfgeist vor!" Drei Minuten später jedoch die kalte Dusche: Aarau schlug sofort zurück. Tom Scholz, der 32-jährige Routinier, nahm eine Hereingabe von Henri Brand mit der Brust an und versenkte das Leder so trocken, dass selbst Delemonts Keeper Jacob Leech nur kurz blinzelte. 1:2 - und das Stadion verstummte für einen Moment. Die erste Halbzeit erinnerte an ein Schachspiel mit Dynamit. Delemont hatte mit 51,5 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch Aarau war eiskalt, zielstrebig und mit zwölf Torschüssen insgesamt gefährlicher. Ein gelber Karton für Aaraus Abwehrchef Detlev Jacob (11.) brachte kurzzeitig etwas Farbe ins Geschehen. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte Jacob später, was allerdings niemand glaubte. Nach der Pause kam die Entscheidung fast postwendend. Kaum war der Schiedsrichterpfiff verklungen, ließ Tom Scholz erneut seine Klasse aufblitzen. In der 46. Minute schob er nach klugem Pass von Javi Meireles zum 1:3 ein. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, während Cena an der Seitenlinie mit verschränkten Armen in die Nacht starrte. "Wir haben in der Kabine über Konzentration gesprochen. Offenbar war das Gespräch zu kurz", seufzte er später. Aarau wechselte clever, brachte Linus Lutz und den erfahrenen Meireles zur Stabilisierung. Delemont hingegen suchte verzweifelt nach Lücken, spielte gefällig, aber ohne Präzision. Massimiliano Cervicati probierte es in der 28. und 37. Minute mit Distanzschüssen - beide Male knapp vorbei. Dominique Ziegler bekam in der 56. Minute Gelb und hatte Glück, dass es dabei blieb. Die Schlussphase allerdings gehörte noch einmal den Gastgebern. Lars Ring, der linke Verteidiger mit der Frisur eines Rockgitarristen, rannte in der Nachspielzeit über den Flügel, flankte butterweich auf Lionel Vaz - und der traf per Kopf zum 2:3 (93.). Zu spät, aber immerhin ein emotionaler Abschluss. "Wir wollten zeigen, dass wir leben", sagte Vaz, verschwitzt, aber stolz. Die Statistik sprach am Ende für Aarau: 12 zu 9 Torschüsse, etwas weniger Ballbesitz, dafür mehr Entschlossenheit. Hans Meyer resümierte trocken: "Wir sind gekommen, um Tore zu schießen - und das haben wir getan. Alles andere ist Philosophie." Delemont dagegen hadert mit der Effizienz. "Drei Chancen mehr, ein Tor weniger - das ist die Geschichte des Abends", meinte Cena und verschwand Richtung Kabine, wo angeblich ein zertrümmerter Wasserkrug als stiller Zeuge seiner Emotionen zurückblieb. Taktisch waren beide Teams fast identisch offensiv ausgerichtet - als hätten sie sich vorher abgesprochen, den Zuschauern ein Spektakel zu bieten. Aarau spielte "anytime" aufs Tor, Delemont suchte eher die "sichere" Gelegenheit. Am Ende gewann der Mut zum Risiko. Und als die Lichter ausgingen, hörte man noch einen Jungen auf der Tribüne rufen: "Papa, warum hat Delemont verloren?" - "Weil Aarau heute ein bisschen frecher war, mein Sohn." Ein Satz, der das Spiel besser zusammenfasst als jede Statistik. 10.04.643987 03:40 |
Sprücheklopfer
Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
Andreas Brehme