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Was für ein Abend im prall gefüllten Brügglifeld! 79.500 Zuschauer - man fragt sich, wo die alle hinpassten - sahen ein Spiel, das zunächst nach französischer Leichtigkeit roch und dann in helvetischer Wucht endete. Der SC Aarau besiegte SCCO Angers nach einem wilden Schlagabtausch mit 4:2 (1:2) und machte damit einen großen Schritt in der Champions-League-Gruppenphase. Dabei begann alles so gar nicht nach Plan für die Gastgeber. Schon in der 8. Minute zauberte Angers’ Routinier Harold Dirk einen Schuss ins Netz, so trocken, dass der Ball vermutlich noch heute Spuren am Innenpfosten hinterlässt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der 34-Jährige später - man glaubte es ihm fast. Doch der Jubel war kaum verklungen, da schlug Aarau zurück: Marc Pelletier, der an diesem Abend in Bestform war, vollendete nur eine Minute später nach Zuspiel von Jean-Pierre Ames. 1:1, und das Spiel war endgültig entfesselt. Angers blieb gefährlich, spielte mit offenem Visier und kurzen Pässen, wie es Trainer Alex Krepus liebt. In der 35. Minute belohnte sich die Mannschaft: Franck DeBrosse schob nach feinem Zuspiel von Mitrofan Budjanski zur erneuten Führung ein. "Wir hatten das Spiel im Griff. Zumindest dachten wir das", knirschte Krepus nach der Partie. Dann kam die Halbzeit - und Aarau kam zurück wie eine Dampfwalze. Trainer Hans Meyer schien in der Kabine die passenden Worte gefunden zu haben. "Ich habe ihnen nur gesagt, sie sollen mal so spielen, wie sie im Training immer tun - also konzentriert und mit offenen Augen", witzelte der Coach. Offenbar hatte das Wirkung. In der 50. Minute glich Carl Münch nach Vorlage von Pelletier aus. Acht Minuten später drehte Pelletier mit seinem zweiten Treffer das Spiel. Malkolm Holmqvist hatte die Vorlage geliefert, während Angers’ Abwehr kollektiv in einem anderen Gedankenspiel versank - vermutlich in der Frage, ob man das Pressing irgendwann doch mal üben sollte. Von da an war klar, wer das Kommando führte. Aarau hatte mit 51,5 Prozent Ballbesitz die Nase leicht vorn, doch viel wichtiger war der Wille, das Spiel zu reißen. 16 Torschüsse der Gastgeber standen 13 der Franzosen gegenüber, und jeder davon schien mehr Entschlossenheit zu tragen. In der 72. Minute schließlich setzte Münch den Schlusspunkt, als er eine butterweiche Hereingabe von Thomas Herzog volley ins Netz zimmerte. 4:2 - das Stadion bebte, und selbst die Ersatzspieler grinsten ungläubig. Angers versuchte zwar noch einmal, ins Spiel zurückzufinden. Harold Dirk prüfte Aarau-Keeper Louis Noack in der 94. Minute mit einem letzten Verzweiflungsschuss, doch der Ball landete sicher in den Händen des Torwarts. Noack klatschte sich selbst ab und rief zu seiner Abwehr: "Siehst du, geht doch!" - ein Satz, der zugleich als Motto des Abends hätte taugen können. Gelbe Karten gab es auch: Niclas Krieger (27.) auf Aarauer Seite und Vincent de Freitas (36.) bei Angers durften sich frühzeitig daran erinnern, dass Fußball kein Kontaktsport für Zartbesaitete ist. "Ich hab ihn kaum berührt", behauptete Krieger mit unschuldigem Blick - und der Schiedsrichter schmunzelte nur müde. Was blieb, war ein Abend, der die Fans beider Lager emotional forderte und den neutralen Beobachter glücklich machte. Aarau zeigte, dass man auch nach Rückstand nicht die Contenance verlieren muss. Angers hingegen bewies, dass Offensivdrang allein kein Rezept gegen taktische Cleverness ist. "Wir haben in der zweiten Halbzeit vergessen, dass man auch verteidigen darf", gestand Krepus und zuckte mit den Schultern. Meyer dagegen grinste: "Manchmal braucht es halt 45 Minuten, bis die Jungs merken, dass das Runde ins Eckige soll." So endete ein intensives Match, das mehr bot als Tore: Es war ein Lehrstück über Moral, Mut und ein bisschen Humor. Aarau feierte bis spät in die Nacht, während die Franzosen wohl noch lange überlegten, wie man ein Spiel, das man in der Hand hatte, so elegant aus der Hand geben kann. Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein älterer Fan in sein Bier: "Wenn sie immer so spielen, dann wird Europa noch Spaß haben." Man kann ihm kaum widersprechen. 29.06.643987 23:17 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet