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Zürichs frühes Feuerwerk - Luzern lacht zuletzt

Es war ein frostiger Januarabend im Letzigrund, aber auf dem Rasen brannte es lichterloh: 40.000 Zuschauer sahen am 20. Spieltag der 1. Liga Schweiz ein Torfestival, das den Atem raubte - und manchen Fan an die eigene Herzgesundheit erinnerte. Am Ende stand ein 3:4 aus Zürcher Sicht, das wohl noch einige Tage in den Stammtischen nachhallen dürfte.

Blau-Weiss Zürich, mutig und selbstbewusst, legte los wie die Feuerwehr. Schon in der 8. Minute traf Alexandre Ames nach feinem Zuspiel von Fabio Cervicati - da war noch kein Glühwein verschüttet. "Ich dachte, wir machen heute kurzen Prozess", grinste Ames später, als er sich mit Eisbeutel und Schweißband den Medien stellte.

Nur sieben Minuten später legte Dmitri Mischakow nach, wieder vorbereitet von Cervicati, der auf der linken Seite so viel Platz hatte, dass er sich zwischendurch wohl einen Kaffee hätte holen können. 2:0 nach einer Viertelstunde - und Luzern schien zu wanken. Doch es sollte anders kommen.

Denn kaum war man mit dem Jubeln fertig, da erinnerte Luzerns Robert Mantovani die Gastgeber daran, dass auch Blau-Weiss Luzern Tore schießen kann. In der 17. Minute verkürzte der bullige Mittelstürmer nach feinem Pass von Dylan Bosworth auf 2:1. Zwei Minuten später folgte Robert Locklear, ebenfalls nach Vorarbeit von Bosworth, und plötzlich stand es 2:2 - ein Doppel-Robert-Schock für Zürich.

Zürichs Trainer Fred Merz schüttelte da nur den Kopf. "Wir haben das Verteidigen kurz aus dem Spielplan gestrichen", sagte er trocken. Doch seine Mannschaft konterte: In der 30. Minute köpfte Innenverteidiger Thomas Bruguiere einen Eckball von Alexander McGrath zum 3:2 ein. Das Stadion bebte - kurzzeitig.

Denn Luzern, angeführt von einem glänzend aufgelegten Bosworth, ließ sich die Spielfreude nicht nehmen. In der 40. Minute zirkelte der Mittelfeldstratege den Ball selbst ins Netz - 3:3 zur Pause. Wer da noch Popcorn übrig hatte, brauchte es für Halbzeit zwei.

Die Statistik sprach zur Pause schon Bände: Zürich hatte leicht mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber Luzern doppelt so viele Torschüsse. Und das setzte sich fort. Während Zürich im zweiten Durchgang ein wenig die Beine schwer wurden, spielte Luzern weiter mutig über die Flügel. Trainer Reinhard Wild hatte seine Jungs auf "Attacke" eingestellt - und sie lieferten.

In der 55. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Jean-Pierre Carey, der nach einer Flanke des jungen Jan Born den Ball per Kopf über die Linie drückte. 4:3 für Luzern - und es sollte das entscheidende Tor bleiben.

Zürich versuchte es danach mit Wut und Wille, doch Luzerns Keeper Lasse Rauch hielt, was zu halten war. Besonders in der 57. Minute, als Adriano Pauleta frei vor ihm auftauchte, aber an der glänzenden Reaktion des Torwarts scheiterte. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich anschießt - und das hat er getan", grinste Rauch hinterher.

Pech hatte Zürichs Dmitri Mischakow, der kurz vor der Pause verletzt raus musste. Für ihn kam Ewan Valentine - ein Wechsel, der dem Spielrhythmus der Gastgeber nicht guttat. "Nach Dimas Ausfall war die linke Seite wie ein offenes Scheunentor", seufzte Merz.

Zwei Gelbe Karten - eine für Zürcher Rechtsverteidiger Juriaan Closson nach rustikalem Einstieg (11.) und eine für Luzerns Jesus Langer (64.) - passten zur intensiven, aber nicht unfairen Partie.

Nach dem Schlusspfiff prallten zwei Welten aufeinander: Während Luzern jubelnd in Richtung der 4000 mitgereisten Fans lief, starrten die Zürcher ungläubig auf die Anzeigetafel. 3:4 - ein Ergebnis, das weh tut, weil man selbst drei Tore erzielt und trotzdem verliert.

"Das war kein Fußballspiel, das war Achterbahn", sagte Luzerns Trainer Wild verschmitzt. Und Fred Merz konterte: "Achterbahn? Dann war unsere Abwehr der Wagen ohne Bremse."

Statistisch gesehen war Luzerns Sieg verdient: 18 Torschüsse gegenüber nur 9 der Zürcher sprechen eine klare Sprache. Und obwohl Zürich optisch mehr vom Spiel hatte, war Luzerns Zielstrebigkeit beeindruckend.

Ein besonderer Dank der Fans ging an Robert Mantovani, der sich auch nach dem Schlusspfiff noch Zeit nahm, mit Kindern am Zaun Selfies zu machen. "Fußball ist nicht nur Tore schießen, sondern auch Herz zeigen", sagte er - und das tat er an diesem Abend reichlich.

Am Ende bleibt ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst: sieben Tore, zwei Roberts, ein verletzter Mittelfeldmotor und ein Innenverteidiger als Matchwinner. Zürich verliert, Luzern jubelt - und die Liga freut sich über ein Spektakel, das selbst eingefleischte Taktikfreunde mit offenem Mund zurückließ.

Oder, wie ein alter Fan beim Rausgehen murmelte: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald einen Arzt - aber bitte mit Herzfrequenzmesser für Verlängerung."

07.09.643987 15:33
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Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler
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