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Es gibt Spiele, in denen man sich fragt, ob das Runde überhaupt ins Eckige darf. Das Duell zwischen Zebre Cacak und FK Smederevo am 16. Spieltag der 1. Liga Serbien war genau so eines. 39.299 Zuschauer im Stadion von Cacak sahen ein Drama in Blau und Weiß, in dem die Gastgeber mit einer Mischung aus Glück, Beton und Dusko Lomic zu einem 1:1 kamen, das sich eher wie ein Sieg anfühlte. Von Beginn an machte Smederevo klar, dass sie nicht zum Sightseeing angereist waren. Schon in der ersten Minute prüfte der 18-jährige Nenad Jovic den Keeper Reece Lester - der junge Stürmer, der offenbar noch nie etwas von Nerven gehört hat, zog einfach ab. Ein Raunen ging durchs Stadion, aber Lester hielt. Und das sollte er den ganzen Abend tun, als wäre er ein Tintenfisch mit Torwarthandschuhen. Die Gäste feuerten aus allen Rohren: 23 Torschüsse - ein Wert, der in der Statistik wie ein Scherz aussieht, wenn man daneben die "1" von Zebre Cacak liest. Und doch stand am Ende auf der Anzeigetafel: 1:1. Fußball, dieser eigenartige Sport. Cacak hatte von Anfang an klar gemacht, dass "Defensiv" nicht nur eine Taktik, sondern eine Lebensphilosophie ist. Trainer Jean-Marie Pfaff, einst selbst Torwart-Legende, hatte seine Elf tief gestaffelt und auf Konter getrimmt. "Wir wussten, wir können nicht mitspielen - also haben wir mitgedacht", grinste er nach dem Spiel und zündete sich eine imaginäre Zigarre an. In der 28. Minute passierte dann das, was die Gastgeber vermutlich als Plan A, B und C in einem hatten: Lukas Schilling eroberte im Mittelfeld den Ball, steckte ihn nach rechts zu Dusko Lomic, und der drosch das Leder mit der Präzision eines Uhrwerks ins lange Eck. 1:0! Der einzige Torschuss des Abends für Zebre - und der saß. "Ich habe einfach die Augen zugemacht", erzählte Lomic später lachend. "Vielleicht war das das Geheimnis." Smederevo reagierte wie ein gereizter Boxer, der merkt, dass der Gegner trotz aller Schläge noch steht. Danko Ristic, der bullige Linksaußen, prüfte Lester gleich mehrfach. "Ich dachte, wenn ich nur oft genug draufhalte, fällt irgendwann einer rein", sagte er. Erst in der 83. Minute wurde seine Hartnäckigkeit belohnt: Nach einer Ecke von Milan Filipovic stocherte Ristic den Ball über die Linie. 1:1, endlich! Und der Ausgleich fühlte sich für Smederevo an wie ein spätes Geschenk. Zwischenzeitlich hatte Smederevo alles versucht: Flanken, Distanzschüsse, Kombinationen, sogar ein paar Schüsse aus der zweiten Reihe, die in der Nähe des Parkplatzes landeten. Der Coach der Gäste, Osteroder FC (ja, so steht’s auf seiner Trainerlizenz), stapfte an der Seitenlinie wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. "Wir haben alles richtig gemacht - außer treffen", knurrte er nach dem Spiel. Währenddessen verteidigte Cacak mit allem, was Beine hatte. Innenverteidiger Lasse Scherer warf sich in jeden Ball, Balazs Gresko klärte einmal sogar mit dem Hinterkopf, und Torwart Lester war ohnehin in einer anderen Dimension. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste er. "Nach dem 15. Ball hab ich gedacht, das wird heute ein langer Abend." Die Statistik erzählt die Geschichte besser als jede Glosse: 51,5 Prozent Ballbesitz für Smederevo, 23:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem nur ein Punkt. Zebre Cacak dagegen: ein Tor, eine Chance, ein Punkt. Effektivität in Reinform. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen einige Cacak-Spieler zu Boden - nicht etwa vor Erschöpfung, sondern wohl aus Erleichterung. Pfaff riss beide Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Manchmal", meinte er verschmitzt, "ist ein Unentschieden das schönste Ergebnis der Welt. Vor allem, wenn man es gar nicht verdient hat." Für Smederevo bleibt die Frage, wie man ein Spiel dominieren und trotzdem nicht gewinnen kann. Ristic fasste es trocken zusammen: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal auch mal den Ball reinspielen, nicht nur draufhauen." So endete ein Abend, der allen Statistikern Kopfschmerzen und allen Romantikern ein Lächeln bereitete. Cacak verteidigte heldenhaft, Smederevo verzweifelte edel, und irgendwo in der Kabine summte Pfaff angeblich: "Ein Punkt ist ein Punkt." Ein Spiel wie ein Witz - aber einer, über den man selbst nach Abpfiff noch schmunzeln musste. 19.11.643990 16:25 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack