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Winterthur gewinnt 2:1 - und lässt Carouge lange hoffen

Super League | 23. Spieltag | 03.09.26 | SC Winterthur - SC Carouge 2:1

24.400 Zuschauer, Flutlicht, 20.30 Uhr und ein 23. Spieltag, der zunächst nach einem gemütlichen Schweizer Fußballabend aussah. Doch der SC Winterthur hatte im Duell mit dem SC Carouge offenbar andere Pläne. Am Ende stand ein 2:1 (1:0), ein verdienter Heimsieg - und ein Abend, an dem die Gäste zwar ordentlich Gegenwehr leisteten, aber beim Toreschießen mitunter den Eindruck erweckten, sie hätten dafür erst einen Termin beantragen müssen.

Winterthur begann kontrolliert, aber keineswegs schläfrig. Die Mannschaft von Christoph Grunder agierte ausgewogen, spielte ohne aktives Pressing und suchte geduldig den Weg nach vorn. Carouge hingegen kam offensiv und mit starkem Einsatz aus der Kabine. Die Gäste pressten früh und wollten zeigen, dass sie nicht angereist waren, um sich von der schönen Stadionbeleuchtung beeindrucken zu lassen.

Die erste ernsthafte Warnung aber gehörte Winterthur. Claude Winston prüfte in der 2. Minute das Tor, Antonio Quaresma legte sechs Minuten später nach. Dann schlug die Heimelf zu: In der 13. Minute traf Duarte Rocha zur Führung. Lionel Eusebio hatte den Angriff vorbereitet, Rocha vollendete - und ließ Carouges Torhüter Marek Dobias vermutlich kurz über die Frage nachdenken, ob man im Strafraum nicht doch eine zusätzliche Zimmerpflanze aufstellen könnte.

"Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir den Ball nicht nur zum Anstoß brauchen", sagte Trainer Grunder später. "Das 1:0 war wichtig. Danach mussten wir allerdings aufpassen, nicht zu bequem zu werden." Bequem wurde Winterthur zunächst nicht. Rocha selbst hatte in der 18. Minute erneut eine Gelegenheit, Theofanis Theotokis versuchte es in der 25. und 30. Minute. Auch Andre Buzanszky kam vor der Pause gefährlich zum Abschluss.

Carouge blieb bemüht, kam aber deutlich seltener durch. Heinz Mann prüfte Paulo Carvalho in der 12. und 47. Minute, Itzhak Hasson sorgte in der 26. Minute für Unruhe. Die Gäste hatten durchaus ihre Momente, doch Winterthur kontrollierte das Geschehen mit 52 Prozent Ballbesitz und gewann auch die Zweikämpfe häufiger. 55,96 Prozent der Duelle gingen an die Gastgeber - keine überwältigende Dominanz, aber genug, um dem Gegner regelmäßig höflich, aber bestimmt den Ball abzunehmen.

Nach der Pause änderte sich das Bild nur langsam. Carouge spielte weiter offensiv, verzichtete aber zunächst auf das aggressive Pressing der Anfangsphase. Winterthur blieb seiner ausgewogenen Linie treu und wartete auf die passende Gelegenheit. In der 60. Minute reagierte Carouges Trainer Stefan Häusler dreifach, unter anderem kam Asier Costinha für Jean Lefebvre. Das brachte frische Beine, aber noch keinen frischen Spielstand.

Der fiel in der 66. Minute: Jason Geier erzielte nach Vorarbeit von Hasson den Ausgleich. Plötzlich war Carouge wieder da, und auf der Winterthurer Bank dürfte die Stimmung kurz von "alles unter Kontrolle" auf "bitte nicht schon wieder" gewechselt haben. "Nach dem 1:1 haben wir für einen Moment zu viel nach hinten geschaut", räumte Grunder ein. "Das ist im Fußball ungefähr so klug, wie beim Regenschirm den Griff zu vergessen."

Winterthur antwortete prompt. In der 72. Minute traf Theotokis zum 2:1, Fernando Salinas lieferte die Vorarbeit. Danach warfen die Gastgeber nicht blind alles nach vorn, sondern blieben diszipliniert. Buzanszky machte Platz für Jens Haase, Rocha und Quaresma wurden ebenfalls ersetzt. Carouge drängte spät noch einmal, schaltete auf starkes Pressing und suchte den Ausgleich. Mehr als fünf Torschüsse brachte der Gast jedoch nicht zustande, während Winterthur auf 15 Abschlüsse kam.

Leonti Tregubow hatte in der 84. Minute noch eine Möglichkeit, Haase prüfte Dobias in der 90. Minute. Dann war Schluss. Carouge blieb offensiv, Winterthur inzwischen vorsichtiger - aber erfolgreich. "Wir haben alles versucht", sagte Häusler. "Leider ist der Ball heute zweimal beim falschen Tor angekommen." Eine bemerkenswert ehrliche Analyse.

Winterthur feiert damit einen 2:1-Heimsieg, Carouge fährt mit leeren Händen nach Hause. Immerhin: Für Spannung war gesorgt. Und für die Erkenntnis, dass ein Fußballabend mit 24.400 Menschen selbst dann unterhaltsam wird, wenn die Statistik gelegentlich mehr arbeitet als der Stürmer.

03.09.2026 21:36
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