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Weiler im Allgäu wirft Hoffenheim mit Fußballromantik aus dem Pokal

Es war einer dieser Abende, an denen Fußball wieder nach Bratwurst, kaltem Märzwind und großen Geschichten roch. 16.200 Zuschauer im prall gefüllten Stadion von Weiler im Allgäu bekamen beim 3:0 (2:0) gegen den favorisierten TSV Hoffenheim nicht nur Tore, sondern eine kleine Lektion in Sachen Leidenschaft, Laufbereitschaft und - ja, man darf es sagen - provinzieller Frechheit geboten.

Von der ersten Minute an war klar: Das wird kein gemütlicher Pflichtsieg für die Gäste. Während Hoffenheim mit gepflegtem Ballbesitz (am Ende 52 Prozent) in die Partie ging, hatte Weiler-Coach Mino Raiola offenbar eine einfachere Taktik ausgegeben: "Wir rennen, bis die Blasen platzen." Und seine Jungs nahmen das wörtlich.

Bereits in der 5. Minute prüfte Michael Siebert den Hoffenheimer Keeper Xavier Montanes mit einem satten Spannschuss aus 20 Metern - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. In der 14. Minute dann die Szene, die das Stadion explodieren ließ: Außenverteidiger Eilert Olsson, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, zog einfach mal ab. Der Ball, leicht abgefälscht, schlug hinter Montanes ein. 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Olsson später, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht."

Hoffenheim, beeindruckt von der Allgäuer Unverfrorenheit, reagierte mit gepflegtem Ballgeschiebe, aber ohne Ertrag. Während sie sich den Ball zuschoben wie ein heißes Kartoffelspiel, legte Weiler nach. In der 36. Minute war es wieder Siebert, der nach feiner Vorarbeit von Samuel Erskine humorlos auf 2:0 erhöhte. "Ich hab gesehen, dass der Torwart kurz gezuckt hat - da wusste ich, jetzt oder nie", erklärte der Stürmer mit einem Grinsen, das man sonst nur bei Leuten sieht, die gerade ein Freibier gewonnen haben.

Zur Halbzeit rieben sich viele Zuschauer die Augen. 2:0 für Weiler, 11:2 Torschüsse, der Bundesligist im Schongang - oder besser gesagt: im Schongang in die Katastrophe. Hoffenheim-Trainer Dennis Simon versuchte es zur Pause mit lautstarken Motivationskünsten. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Fußball spielen. Leider haben sie das etwas zu wörtlich genommen", seufzte er später.

Doch auch nach Wiederanpfiff änderte sich wenig. Hoffenheim blieb bemüht, aber harmlos. Ihre beste Chance hatte Javier Beto in der 47. Minute, doch Torwart Hanns Peter - 17 Jahre jung und nervenstark wie ein Tresor - lenkte den Ball spektakulär über die Latte.

Und dann kam die 57. Minute, der endgültige Sargnagel für die Gäste: Wieder war es Siebert, diesmal nach herrlichem Doppelpass mit Olsson. 3:0, der Rest war Jubel. Die Fans sangen, der Stadionsprecher überschlug sich, und auf der Hoffenheimer Bank starrte man betreten in die Leere.

In der Schlussphase wechselte Raiola durch: der 17-jährige Tomasz Stoll kam, ebenso Ben Meister und Nick Scherer. Die Youngster machten ihrem Namen alle Ehre, liefen, grätschten, lachten - und sorgten dafür, dass die letzten 30 Minuten eher wie ein Trainingsspiel für die Gastgeber wirkten. "Ich wollte, dass sie das Gras schmecken", sagte Raiola nach dem Spiel, "und sie haben es gegessen - im besten Sinne."

Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache: 19:3 Schüsse aufs Tor, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Weiler. Hoffenheim hatte zwar mehr Ballbesitz, aber das war ungefähr so nützlich wie ein Regenschirm in der Sauna.

Als Schiedsrichterin den Abpfiff ertönte, fiel Raiola seinem Torschützen Siebert in die Arme. "Ich hab ihm gesagt, er soll sich das Trikot einrahmen lassen. Solche Abende kommen nicht oft." Siebert grinste nur: "Ich hab’s schon meiner Mutter versprochen."

Während die Fans noch lange "Weiler, Weiler" skandierten, stapften die Hoffenheimer in die Kabine. Trainer Simon fand immerhin noch Humor: "Wir wollten den Ball laufen lassen - leider ist er uns weggelaufen."

So endet eine Pokalnacht, die in Weiler wohl in die Vereinschronik eingehen wird. Ein 3:0 gegen Hoffenheim - das ist kein Zufall, das ist Fußballromantik in Reinform. Und irgendwo zwischen den Bergen und der Begeisterung dürften sie jetzt anfangen, leise vom Achtelfinale zu träumen.

Denn wenn man ehrlich ist: Solche Geschichten schreibt nur der Pokal. Und manchmal eben auch Weiler im Allgäu.

08.01.643994 10:32
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
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