Sport-Blick
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Versoix ballert sich warm - Racing Club GE chancenlos im Genfer Winter

Es war ein eisiger Dienstagabend, an dem sich 16.000 tapfere Zuschauer in das Stade de Versoix wagten, um den 13. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Division) zu erleben. Der FC Versoix empfing den Racing Club GE - und während die Besucher noch ihre Finger an den Kaffeebechern wärmten, begannen die Hausherren, das Tor von Olivier Benoist zu belagern, als ginge es um die letzte Bastion der Ehre.

Schon nach vier Minuten prüfte Nicolas Maurer den gegnerischen Keeper - und das sollte nur der Auftakt zu einer regelrechten Flut von Versuchen werden. Insgesamt 25 Mal feuerten die Versoixer auf das Tor, während die Gäste aus Genf mit mageren vier Schüssen eher eine statistische Fußnote hinterließen. Man könnte sagen: Racing Club GE spielte sympathisch zurückhaltend - oder, wie ihr Trainer Truthan Trainer später seufzte: "Wir wollten eigentlich defensiv stabil stehen. Leider standen wir nur."

Die erste Halbzeit war ein Geduldsspiel. Der FC Versoix dominierte Ball und Gegner, 57 Prozent Ballbesitz, gefühlte 90 Prozent Spielfreude - aber kein Treffer. Luke MacDonnell, der 34-jährige Rechtsaußen, sah in der 44. Minute Gelb, vermutlich aus Frust, dass sein Team trotz Dauerbelagerung kein Tor zustande brachte. "Ich hab nur dem Schiri erklärt, dass ich ihn großartig finde", grinste MacDonnell nach dem Spiel.

Nach dem Seitenwechsel dann endlich Erlösung: In der 54. Minute fasste sich der 19-jährige David Lorenz ein Herz. Nach einem feinen Zuspiel eben jenes MacDonnell hämmerte er den Ball ins Netz. 1:0, und das Publikum jubelte, als hätte Versoix gerade die Champions League gewonnen. Lorenz, noch mit jugendlichem Staunen in den Augen, sagte später: "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte rein - und ich hab ihn nicht aufgehalten."

Racing Club GE reagierte mit einem Wechsel, Andrew Sinclair kam für Patryk Wasilewski, aber das Spielgeschehen blieb einseitig. Versoix kombinierte, kombinierte - und kombinierte manchmal so schön, dass man fast Mitleid mit den Gästen bekam. "Wir haben versucht, mitzuhalten", meinte der 18-jährige Mittelfeldspieler Frank Michaud, "aber die haben uns laufen lassen wie Hütchen beim Training."

In der 63. Minute dann die nächste Verwarnung gegen Versoix - Maximilian Richard sah Gelb, nachdem er sich mit dem Schiedsrichter über die korrekte Definition von "harmloses Einsteigen" austauschte. Trainer Truthan Trainer schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf und rief seinem Team zu: "Jungs, das ist kein Trainingsspiel!" - worauf sein Co-Trainer trocken antwortete: "Für uns vielleicht schon."

In der 77. Minute fiel dann die Entscheidung: Andreas Billet, der schon mehrfach gefährlich vor Benoist aufgetaucht war, vollendete sehenswert nach Vorlage von eben jenem Richard zum 2:0. Damit war der Deckel drauf, das Spiel entschieden, und Racing Club GE ergab sich in sein Schicksal. Billet grinste nach dem Abpfiff in die Kameras: "Ich wollte den Ball eigentlich querlegen - aber dann dachte ich: Ach komm, gönn dir."

Die letzten Minuten plätscherten dahin. Johann Besserer holte sich in der 82. Minute noch eine unnötige Gelbe Karte - vielleicht aus Langeweile - und Racing kam in der 86. Minute durch Phillip Fouquet tatsächlich noch einmal zu einem Schuss aufs Tor. Der Ball landete, wie so viele an diesem Abend, in den sicheren Armen von Seppe Lambrechts.

"Wir hätten heute 4:0 oder 5:0 gewinnen können", meinte FCV-Kapitän Daniel Frey nach dem Spiel selbstbewusst. "Aber wir wollten die Spannung hochhalten - für die Fans." Trainer Truthan Trainer hingegen fasste die Sache mit gewohntem Galgenhumor zusammen: "Wenn man 42 Prozent Ballbesitz hat, muss man wenigstens in den 42 Prozent was draus machen. Aber wir hatten halt nichts."

Am Ende bleibt ein verdienter 2:0-Heimsieg für den FC Versoix, der spielerisch wie statistisch klar dominierte. 25 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, ein junger Torschütze mit Zukunft und ein alter Rechtsaußen, der immer noch die schönsten Flanken schlägt - das ist die Mischung, mit der man in dieser Liga träumen darf.

Oder, wie ein Zuschauer beim Ausgang sagte: "Wenn sie so weiterspielen, brauchen sie bald ein größeres Stadion."

Und wer weiß - vielleicht schon bald auch eine eigene Kaffeemaschine für den gegnerischen Torwart, der sich an diesem Abend warmgehalten hat wie kaum ein anderer.

07.06.643987 03:29
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