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Die Saison der 4. Liga Schweiz (3. Division) ist kaum angepfiffen, da hat CS Chenois schon seine erste Zitterpartie hinter sich. 1:0 hieß es am Ende gegen den AC Malcantone - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber an Dramatik kaum zu überbieten war. 4630 Zuschauer im abendkalten Stade de Chêne-Bourg sahen, wie ein 19-jähriger Niederländer die Partie in der dritten Minute entschied und anschließend die gesamte Mannschaft 87 Minuten lang kollektiv den Atem anhielt. Das Spiel begann, bevor viele ihren Platz gefunden hatten. Schon in der zweiten Minute prüfte Jaap Vanderspeigle, der jugendlich-blonde Rechtsaußen, das Tornetz von außen. Eine Minute später machte er es besser - nach feinem Zuspiel von Enrique Sancho drosch er den Ball trocken ins rechte Eck. Torhüter Werner Sauer von Malcantone streckte sich, aber nur um festzustellen, dass er an diesem Abend statistisch gesehen der erste von vielen sein würde, der sich vergeblich streckt. "Ich dachte, ich hätte ihn", murmelte Sauer nach dem Spiel und schob hinterher: "Aber Jaap hat halt kein Erbarmen mit älteren Herren." Was danach folgte, war weniger ein Fußballfest als ein taktisch hartnäckiger Überlebenskampf. Trainer Daniel Baum, der sonst für gepflegten Offensivfußball steht, wechselte innerlich schon früh auf "Modus Beton". Seine Mannschaft blieb in der Defensive diszipliniert, verteidigte mit Herz - und gelegentlich mit gelber Karte. In der 73. Minute sah Linksverteidiger Xabi Xavier Gelb, nachdem er Malcantones Dominique Schäfer etwas zu deutlich gezeigt hatte, wo die Seitenlinie verläuft. "Er wollte nur den Ball spielen", grinste Baum später süffisant. "Leider lag der Ball in Schäfers Hosentasche." Die Gäste aus Malcantone, taktisch ausgewogen, aber im Abschluss zögerlich, hatten über 52 Prozent Ballbesitz und elf Schüsse aufs Tor. Doch was nützen Zahlen, wenn Serge Marot im Kasten von Chenois zur Wand mutiert? Der 31-jährige Keeper, sonst eher leise im Auftreten, dirigierte seine Abwehr wie ein Feldwebel und fischte in der 89. Minute auch noch den letzten verzweifelten Versuch des jungen Dennis Florit aus dem Winkel. "Ich hab ihn gar nicht gesehen", gab Marot zu. "Ich hab einfach die Arme hochgerissen und gehofft, dass mich der Ball trifft. Hat geklappt." Malcantone-Coach (dessen Name im offiziellen Spielbericht seltsam fehlt) sah das naturgemäß anders. "Wir haben Chenois dominiert, aber die schießen einmal aufs Tor und treffen. Das ist Fußball, aber manchmal wünschte ich, es wäre Schach." Seine Mannschaft spielte zwar diszipliniert und drückte, doch die Präzision fehlte. Marwin Scherer, der rechts außen unermüdlich rannte, verzog in der 90. Minute allein vor dem Tor. "Ich wollte zu schön abschließen", sagte er nach dem Abpfiff. "Mein Trainer meinte, ich hätte lieber einfach draufhalten sollen. Ich meinte, das hätte ich ja die ganze zweite Halbzeit gemacht." Statistisch war die Partie ein Musterbeispiel für Effizienz: neun Schüsse Chenois, elf Mal Malcantone, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste, aber ein Tor Vorsprung für die Gastgeber. In den letzten zwanzig Minuten wurde jeder Befreiungsschlag gefeiert wie ein Treffer - die Zuschauer auf den Rängen standen hinter ihrem Team, auch wenn mancher sich fragte, ob das Herz das noch lange mitmacht. In der Nachspielzeit dann noch einmal Zittern: Florit schießt, Marot pariert, der Nachschuss von Scherer zischt Zentimeter am Pfosten vorbei. Der Pfiff des Schiedsrichters klang wie eine Erlösung. "Ich hab selten so viele Menschen gleichzeitig aufatmen hören", meinte Enrique Sancho in der Kabine. "Selbst unsere Ersatzspieler sahen aus, als hätten sie gerade einen Marathon hinter sich." So bleibt Chenois nach dem ersten Spieltag mit drei Punkten ganz oben - zumindest bis morgen. Der junge Vanderspeigle, Torschütze des Abends, wurde nach Abpfiff noch auf den Schultern seiner Mitspieler durchs Stadion getragen. "Ich hab’s gar nicht richtig realisiert", sagte er, "ich wollte eigentlich nur den Ball annehmen - und plötzlich war er drin." Trainer Baum fasste es mit trockenem Humor zusammen: "Wir wollten defensiv stabil stehen, früh treffen und dann nichts mehr anbrennen lassen. Hat funktioniert - abgesehen davon, dass wir danach 87 Minuten lang gebrannt haben." Zum Auftakt also ein Sieg, der mehr Nerven als Tore kostete. Aber wer weiß: Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept von CS Chenois in dieser Saison - früh treffen, dann schwitzen, bangen, retten. Und am Ende grinsen. 29.05.643990 23:29 |
Sprücheklopfer
Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
Rainer Calmund