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59.000 Zuschauer im Budapester Nationalstadion sahen an diesem Dienstagabend ein Finale, das die Bezeichnung "einseitig" wohl neu definiert hat. Ujpest Budapest fegte den FC Barcs mit 5:0 vom Rasen und ließ den Gästen kaum Luft zum Atmen. Während Trainer Josh Allen mit einem verschmitzten Lächeln vom "perfekten Abend" sprach, murmelte sein Gegenüber nur: "Wir kamen, sahen - und verloren ziemlich gründlich." Von Beginn an zeigten die Lilafarbenen, dass sie das Pokalfinale nicht als Experiment, sondern als Krönung einer Saison verstanden. Schon in der 8. Minute prüfte Filip Schultz den Barcs-Keeper György Obitz mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte. Ujpest spielte mit einer offensiven Ausrichtung, wie sie im Lehrbuch steht: Flügel, Mitte, Pressing - alles funktionierte, obwohl sie laut Statistik mit knapp 49 Prozent Ballbesitz sogar weniger vom Ball hatten. In der 16. Minute brach der Damm. Nuno Mocana flankte von rechts, und Pekka Uusimäki, der spätere Mann des Abends, wuchtete den Ball per Direktabnahme ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Finne nach dem Spiel. Sechs Minuten später stand er wieder richtig: Nach Pass von Lajos Szollar schob er überlegt zum 2:0 ein. Barcs wirkte müde, fast schüchtern - und das bereits nach 20 Minuten. Trainer Allen rief seinen Spielern nach dem zweiten Treffer lachend zu: "Jetzt nicht anfangen, mitzuzählen!" Doch genau das taten die Fans auf den Rängen - und zwar lautstark. Der FC Barcs, taktisch eigentlich solide und auf Ausgewogenheit eingestellt, wirkte, als hätte er vergessen, dass Fußball auch mit Angriff zu tun hat. Ganze drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Ein Versuch von Andrzej Blaszczykowski in der 62. Minute flog weit über das Tor, was Ujpest-Torwart Yildirim Karaman zu einem ironischen Applaus verleitete. "Das war mein aktivster Moment heute", witzelte er später. Nach der Pause drehte Ujpest weiter auf. Ediz Sargun belohnte sich in der 64. Minute, als er nach feiner Vorlage von Szollar zum 3:0 traf. Da war die Messe längst gelesen, aber Ujpest hatte offenbar Spaß daran, weiter Geschichte zu schreiben. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur gewinnen, sondern dominieren können", sagte Coach Allen, dem man ansah, dass er sich innerlich schon auf die Pokalparty freute. Dann kam die 79. Minute, und ein neuer Name tauchte auf der Anzeigetafel auf: Tibor Feldmann, 18 Jahre jung, gerade erst eingewechselt, traf nach Vorarbeit von Marc Cortes zum 4:0. Das Stadion tobte. "Ich dachte, der Ball rollt mir weg, aber dann war einfach Platz", erzählte der Teenager mit großen Augen - und wurde von seinen Mitspielern fast erdrückt vor Freude. Den Schlusspunkt setzte, wie könnte es anders sein, wieder Uusimäki in der 86. Minute. Nach Zuspiel von Sargun vollendete er seinen Hattrick - 5:0, und Barcs war endgültig am Boden. Selbst die beiden Gelben Karten für Barcs’ Alfred Kubala (13.) und Nandor Orth (89.) konnten das Bild eines überforderten Gegners nicht mehr verwischen. Die Statistik unterstreicht die Überlegenheit: 24 Torschüsse für Ujpest, nur 3 für Barcs. Ujpest gewann fast 59 Prozent der Zweikämpfe, spielte mit Spielfreude und Präzision, während Barcs’ "sicheres" Schussverhalten eher in Richtung Sicherheitsabstand zum Tor tendierte. Nach dem Abpfiff klangen die Stimmen entsprechend. "Das war kein Spiel, das war eine Lehrstunde", meinte ein Barcs-Fan mit Galgenhumor. Und Pekka Uusimäki, der Mann mit drei Treffern, fasste es schlicht zusammen: "Manchmal läuft’s einfach." Trainer Josh Allen hingegen konnte sich eine Spitze nicht verkneifen: "Wir haben offensiv gespielt, obwohl wir laut Statistik weniger Ballbesitz hatten. Vielleicht sollten wir das öfters so machen - weniger Ball, mehr Tore." So endet ein Pokalfinale, das in Erinnerung bleiben wird - nicht wegen der Spannung, sondern wegen der spielerischen Leichtigkeit eines Teams, das an diesem Abend alles richtig machte. Und irgendwo in Budapest wird Tibor Feldmann noch lange nicht schlafen - denn wer mit 18 im Pokalfinale trifft, darf ruhig ein wenig wach bleiben. 13.04.643990 14:44 |
Sprücheklopfer
Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.
Rudi Völler