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UD Liverpool zittert sich zum Sieg gegen Athletic Maldonado

Es war einer dieser Abende im Estadio Belvedere, an denen 40.380 Zuschauer das Gefühl hatten, in ein Fußballdrama geraten zu sein - eines mit Helden, Zittern und einer gehörigen Portion Selbstironie. UD Liverpool besiegte Athletic Maldonado mit 2:1 (2:0) und bewies dabei, dass man auch mit 47 Prozent Ballbesitz und einem Innenverteidiger als Torjäger einen Heimsieg feiern kann.

Schon früh war klar, dass Trainer Savo Partizan seine Jungs auf Angriff eingestellt hatte. "Offensiv, aber mit Augenmaß", hatte er vor dem Spiel angekündigt - und nach elf Minuten stand sein Innenverteidiger Marco Schulze plötzlich da, wo sonst Mittelstürmer ihre Biografien schreiben: mitten im Strafraum, Ball angenommen, Schuss - Tor. 1:0. Der Jubel war eher ungläubig. "Ich hab einfach draufgehalten. Eigentlich wollte ich klären", grinste Schulze später in der Mixed Zone, während sein Coach den Kopf schüttelte: "Wenn er das noch einmal versucht, kriegt er eine Gelbe - aber gut, heute war’s wichtig."

Nur elf Minuten später (22. Minute) drehte der Abend dann endgültig in Richtung Heimparty. Josip Bosnjak, der quirligste Mann auf dem linken Flügel, verwandelte nach einem mustergültigen Zuspiel von - natürlich - Marco Schulze zum 2:0. "Ich dachte, er flankt ins Nichts", witzelte Bosnjak. "Aber Marco hat wohl eine neue Berufung gefunden."

Athletic Maldonado indes wirkte, als hätte Trainer Huub Stevens seine Elf mit dem falschen Spielplan aufs Feld geschickt. 53 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - aber bis zur Pause ein einziges großes "Fast". Domingo Jordao prüfte den Keeper Gojko Babovic mehrfach (9., 20., 54.), David Peña feuerte aus der zweiten Reihe, und Shefki Sainio probierte es in der 21. Minute mit einem Versuch, der eher an Rugby erinnerte. "Wir hatten Chancen, aber keine Nerven", knurrte Stevens später.

Kurz nach Wiederanpfiff (49.) meldete sich Maldonado dann doch noch zurück - und wie! Der erst 20-jährige Marco Simao, bisher mehr Laufwunder als Vollstrecker, traf nach Vorlage von Peña trocken ins Eck. 2:1 - und plötzlich begann das große Zittern. "Ich hab kurz gedacht, jetzt kippt das", gab Partizan zu. "Aber dann hab ich mich an meine Jahre in Belgrad erinnert - da kippt nie was, man hält einfach durch."

Die Gäste warfen nun alles nach vorn, mit dem Pressing einer Wildkatze und der Aggressivität eines übermotivierten Staubsaugers. In der 87. Minute sah Innenverteidiger Agemar Garcia Gelb, weil er Claus Hein fast bis auf die Tribüne befördert hatte. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte Garcia - worauf der Schiedsrichter trocken antwortete: "Welchen?"

Liverpool verteidigte in den letzten Minuten mit allem, was Beine hatte. Torwart Babovic dirigierte, als spiele er Schach mit den eigenen Mitspielern. In der 90. Minute prüfte Hrvoje Balaban noch einmal Maldonados Keeper Petri Ylönen, ehe Marco Simao in der Nachspielzeit (91.) fast den Ausgleich erzielte - Babovic streckte sich, kratzte den Ball aus dem Winkel und brüllte: "Nicht heute!" Das Stadion tobte.

Die Statistik nach 90 Minuten liest sich fast wie ein Paradoxon: Maldonado hatte mehr Ballbesitz (53 %), leicht bessere Zweikampfwerte (50,4 %), mehr Schüsse aufs Tor (13 zu 12) - und trotzdem keine Punkte. "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", meinte Partizan hinterher und nahm einen kräftigen Schluck Mate-Tee. "Heute haben wir gewonnen, weil wir hässlich verteidigt haben."

Huub Stevens hingegen wirkte wie ein Mann, der den Sinn des Lebens in einer verpassten Flanke sah. "Wir haben 45 Minuten geschlafen", sagte er, "und dann gehofft, dass einer den Wecker stellt. Hat keiner."

So bleibt UD Liverpool im oberen Tabellendrittel der 1. Liga Uruguay, während Maldonado weiter nach der Form sucht, die sie in der Vorsaison so gefährlich machte. Der Held des Abends? Ein Abwehrspieler mit Torschützeninstinkt und Sinn für Ironie. "Ich bin jetzt offiziell Stürmer light", lachte Marco Schulze beim Verlassen des Stadions, während ein Fan ihm ein Schild entgegenhielt: *"Marco, bleib vorne!"*

Am Ende stand ein 2:1, das in keiner Statistik so recht erklärt werden kann, aber im Fußballherz jedes Liverpool-Fans noch lange weiterklopfen dürfte. Und wenn Schulze beim nächsten Training wieder an der Strafraumkante lauert, wird Trainer Partizan vermutlich tief seufzen - und hoffen, dass es diesmal wenigstens wieder reingeht.

23.02.643994 14:53
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