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Ein lauer Montagabend in Montevideo, 20.000 Zuschauer im Stadion, die Sonne sinkt, die Flutlichter glühen - und Central Hispana erlebt ein 90‑minütiges Lehrstück in Sachen Effizienz, Tempo und jugendlicher Unbekümmertheit. UD Liverpool gewinnt am 23. Spieltag der "1. Liga Uruguay" mit 3:1 (1:0) und lässt dabei keinen Zweifel daran, wer hier um die internationalen Plätze spielt und wer um den Anschluss kämpft. Es dauerte keine halbe Stunde, bis sich andeutete, dass dies kein gemütlicher Heimabend für Central Hispana werden würde. UD Liverpool schoss, flankte, dribbelte - und wieder schoss. Ganze 26 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende für die Gäste, schlappe vier für die Hausherren. "Ich hatte das Gefühl, wir standen unter Dauerbeschuss", sagte Torhüter Néstor da Costa nach dem Spiel, der trotz dreier Gegentreffer zu den besten seines Teams zählte. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft Julian Mascarenhas auf mich zulief." Dieser Julian Mascarenhas, gerade mal 19 Jahre alt, war der Star des Abends. Schon in der 4. Minute prüfte er da Costa zum ersten Mal, danach alle paar Minuten erneut. In der 36. Minute platzte der Knoten: Nach einem schnellen Doppelpass mit Ivica Koroman zog Mascarenhas aus 16 Metern ab - 0:1, und die Gästefans hinter dem Tor feierten den Teenager, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mascarenhas später. "Der Ball wollte heute einfach nur ins Tor." Central Hispana hatte bis dahin kaum stattgefunden. Die Gastgeber spielten "balanced", wie es in den taktischen Unterlagen so schön heißt, also weder Fisch noch Fleisch. Kein Pressing, kein Risiko, kein Ertrag. Trainer Partizan der Gäste kommentierte süffisant: "Wir wussten, sie werden auf Balance setzen - und wir auf Tore." Nach der Pause ging es im selben Takt weiter. In der 52. Minute durfte sich dann James Mayhew in die Torschützenliste eintragen, nach sehenswerter Vorarbeit von Iker Silva. Ein präziser Pass durch die Schnittstelle, Mayhew blieb cool, 0:2. Der Jubel beim UD‑Anhang war laut, aber nicht übermütig - sie hatten wohl gespürt, dass dies noch nicht das Ende war. Tatsächlich bäumte sich Central Hispana kurz auf. In der 67. Minute gelang Nael Moutinho der Anschluss. Der Rechtsverteidiger (!) sprintete nach vorne, bekam den Ball von Dimas Alves serviert und schoss trocken ins linke Eck - 1:2. Für einen Moment vibrierte das Stadion, die Fans schrien, als sei ein Wunder möglich. "Ich dachte, jetzt kippt das Spiel", sagte Moutinho. "Aber offenbar dachte das nur ich." Denn kaum war der Jubel verklungen, schlug UD Liverpool erneut zu. Eine Minute später, in der 68. Minute, stand Innenverteidiger Ingo Lupus goldrichtig, als eine Ecke von Damian Quevedo perfekt auf seinen Kopf segelte. 1:3 - und damit war die Messe gelesen. Quevedo kassierte zwar zehn Minuten später noch Gelb, aber das war die einzige Verfärbung in einer ansonsten blitzsauberen Vorstellung der Gäste. "Wir haben zu spät angefangen, an uns zu glauben", knurrte Central‑Kapitän Silvestre Gomes, der selbst in der 83. Minute Gelb sah. Trainer Partizan dagegen wirkte rundum zufrieden: "Julian, James, Ingo - alle drei Torschützen waren heute ein Spiegel unseres Spiels: jung, fokussiert, mutig. Wir hätten auch fünf machen können." Die Zahlen sprachen eine klare Sprache: 52 Prozent Ballbesitz für UD Liverpool, 26 Torschüsse, 58 Prozent Zweikampfquote. Es war kein Glückssieg, sondern ein Statement. "Wir wollten zeigen, dass Offensive kein Risiko, sondern eine Lebensform ist", witzelte Partizan auf der Pressekonferenz, während sein Gegenüber - Trainername blieb ungenannt - die Stirn rieb und nur murmelte: "Manchmal sieht Balance eben aus wie Schwindelanfälle." Für Central Hispana bleibt die Erkenntnis, dass man mit kontrolliertem Ballgeschiebe keinen Gegner aus dem Rhythmus bringt, der schon beim Einlaufen nach vorne denkt. UD Liverpool dagegen etabliert sich als Spaßmacher der Liga - und wenn der 19‑jährige Mascarenhas so weitermacht, wird bald mehr als nur Uruguay über ihn reden. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem es für Central Hispana nur eine gute Nachricht gab: Nach 90 Minuten war endlich Schluss. 02.06.643993 13:50 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer