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Wenn ein Pokalabend einen Namen verdient, dann dieser. 44.250 Zuschauer im mitfiebernden Stadion erlebten am 22. Februar 2026 eine Vorstellung, die irgendwo zwischen Fußball-Lehrstunde und Slapstick pendelte: TuS Hordel fegte die SpVgg Ansbach mit 8:0 (2:0) vom Platz - und das ohne Verlängerung, Elferschießen oder Gnade. Schon die ersten Minuten machten klar: Hier wird’s bitter für die Gäste. Hordel, von Trainerin Ute Finkeldy klug auf Offensive und lange Bälle eingestellt, legte los wie ein D-Zug. Ernst Kunkel prüfte in Minute zwei und sieben den Ansbacher Keeper Riccardo Bruno, der da wohl schon ahnte, dass es ein langer Abend werden würde. "Ich hatte nach zehn Minuten das Gefühl, wir spielen gegen zwölf", knurrte Bruno später, "und einer davon war der Ball selbst." Das 1:0 fiel in der 24. Minute, als Mateja Anicic nach Vorlage von Abwehrchef Gustav Hauser trocken einschob. Ein Stürmer-Tor, wie aus dem Lehrbuch: plötzlicher Antritt, präziser Abschluss, keine Chance für Bruno. Nur 19 Minuten später erhöhte der erfahrene Berndt Brand (36) nach Zuspiel von Luke Kinsella auf 2:0. Zwei Tore, zwei Assists von Verteidigern - Hordel bewies, dass Offensivgeist keine Frage der Position ist. Zur Pause wirkte Ansbachs Trainer Rainer Heckel ratlos. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte er später, "aber anscheinend haben meine Jungs das falsch verstanden - sie dachten, offensiv heißt: Wir lassen sie offensiv." Tatsächlich kam Ansbach im gesamten Spiel auf nur vier Torschüsse und gerade einmal 46 Prozent Ballbesitz. Nach dem Seitenwechsel brach die Defensive der Franken endgültig zusammen. 51. Minute: Curt Schöne, der rechte Mittelfeldmotor, verwertet einen Pass von Tim Pfeiffer zum 3:0. Eine Minute später durfte sich Linksverteidiger Kurt Herbst in die Torschützenliste eintragen - Vorlage erneut von Brand, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz wohl alles spielte, außer Torwart. Dann kam der Moment, der fast tragikomisch war: Pfeiffer, eben noch Vorlagengeber, traf in der 60. Minute selbst zum 5:0 - jubelte kaum, weil er sich kurz darauf verletzte und ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Fjodor Koroljuk übernahm, während Pfeiffer humpelnd vom Feld ging, begleitet vom ironischen Applaus der Hordel-Fans. "Ich wollte eigentlich noch ein zweites machen", grinste er später mit Eisbeutel auf dem Knie, "aber die Physio war schneller als der Ball." Doch Hordel hatte noch lange nicht genug. Marvin Fink (68.) und erneut der unermüdliche Brand (75.) erhöhten auf 7:0. Das Publikum feierte jeden Treffer inzwischen mit der Gelassenheit eines überfüllten Sommerfests - man prostete sich zu, sang Spottlieder, und selbst Trainerin Finkeldy musste lachen: "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen. Ich dachte, der Stadionsprecher macht das schon." Das letzte Wort gehörte wieder Fink, der in der 82. Minute nach Vorlage von Anicic das 8:0 markierte. Danach war Schluss - wenigstens mit den Toren. Ansbachs Nevio Falk hatte sich da schon eine Gelbe Karte abgeholt (46. Minute), wohl aus purer Frustration. Heckel stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und sagte trocken: "Immerhin haben wir kein Eigentor geschossen." Statistisch war es ein Klassenunterschied in Zahlen: 23 Torschüsse zu 4, 53 Prozent Ballbesitz für Hordel, Zweikampfquote leicht besser als der Gegner - aber entscheidend war die Konsequenz. Jeder Angriff der Gastgeber roch nach Gefahr, jeder Ballgewinn nach Konter. Ihre offensive, aber clevere Ausrichtung - "lange Bälle, volle Pulle nach vorn", wie Finkeldy es nannte - war brutal effektiv. Und was bleibt? Vielleicht ein Pokalabend, über den man in Hordel noch lange spricht. Über den 36-jährigen Brand, der agierte wie ein 26-Jähriger. Über Curt Schöne, der auf der rechten Seite eine Autobahn eröffnete. Und über die Gäste aus Ansbach, die zwar offensiv gemeldet waren, aber defensiv abgemeldet wirkten. Zum Abschluss sagte Ute Finkeldy mit einem schelmischen Lächeln: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon Pokal spielen, dann richtig. Nächstes Mal bring ich vielleicht den Torwart als Stürmer." Ein 8:0, das in keiner Statistik untergeht - und in keiner Kabine leise geblieben sein dürfte. 29.11.643990 15:54 |
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Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs