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Es war ein kalter Januarabend in Senec, und doch bebte das Stadion. 29.874 Zuschauer hatten sich am 16. Spieltag der 1. Liga Slowakei eingefunden, um zu sehen, ob Spartak Senec gegen die formstarken Gäste aus Nitra bestehen würde. Am Ende stand ein 1:2 - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet gerecht war, emotional aber einiges an Gesprächsstoff lieferte. Schon nach sechs Minuten war die gute Stimmung auf den Rängen kurz eingefroren. Gleb Kalinin, 33 Jahre alt, Typ "ewiger Rechtsaußen mit ewigem Lächeln", traf nach herrlicher Vorlage von Henrich Janocko zum 0:1. Der Ball zischte so präzise ins lange Eck, dass Torwart Dario Cortale nur noch mit den Händen in der Luft wedeln konnte - vermutlich um den Frost aus den Fingern zu vertreiben. "Wir waren noch beim Aufwärmen", knurrte Sencs Trainer Kevo Kevoo später. "Aber Nitra war schon im Spiel." Spartak brauchte lange, um sich zu sortieren. Zwar hatte man insgesamt neun Torschüsse - genau wie der Gegner -, doch im ersten Durchgang fehlte der letzte Funke Entschlossenheit. Xabier Arredondo prüfte den Keeper zweimal aus spitzem Winkel (2. und 21. Minute), während Adrian Garcia und der junge Filip Svento zwar engagiert, aber glücklos agierten. "Ich hab’s zweimal probiert, beim dritten Mal hätte ich wohl den Ball ins Netz tragen müssen", scherzte Arredondo nach dem Spiel. Die Gäste aus Nitra spielten unter Coach Chris Armstrong einen erstaunlich reifen Ball: kein wildes Pressing, keine unnötige Hektik. 54 Prozent Ballbesitz, kontrolliertes Passspiel, und immer wieder kleine Nadelstiche über die Außen. Robert Hamsik, der linke Flügelspieler, trieb das Spiel an, während Balazs Zabavnik auf der anderen Seite seine Jugend mit Laufstärke auslebte. Nach der Pause dann das, was man gemeinhin als "Kaltstart deluxe" bezeichnet: Erst Gelb für Ethan Morriss wegen eines rustikalen Einsteigens (48.), dann das 0:2 in der 62. Minute. Und wieder war es Zabavnik, der nach einem Abpraller im Strafraum am schnellsten reagierte und den Ball trocken in die Maschen jagte. "Ich denke nicht viel nach, wenn ich schieße", grinste der 22-Jährige. "Das hilft manchmal." Spartak reagierte - lautstark von den Fans angetrieben und mit zwei frischen Kräften: Moutinho und Shitrit kamen in der 60. Minute. Es war, als hätte jemand den Turbo gezündet. Sencs Pressing wurde mutiger, die Flanken präziser, der Ball lief zwischen Arrieta und Svento wie an der Schnur. Letzterer war es auch, der in der 68. Minute den Anschlusstreffer erzielte. Nach feiner Vorarbeit von Jordi Arrieta nahm der 19-jährige Mittelfeldmann Maß und traf mit einem satten Schuss zum 1:2. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend - und ein bisschen Erlösung lag in der Luft. Was folgte, war ein Sturmlauf. Svento hatte noch zwei weitere Chancen (80. Minute, knapp drüber), Morriss drosch einen Ball aus 25 Metern Richtung Parkplatz, und Trainer Kevoo tobte an der Seitenlinie: "Die Jungs wollten, das sah man. Aber das Tor war heute kleiner als sonst, glaube ich." Nitra blieb cool, verteidigte clever, nahm noch eine Gelbe Karte mit (Altintop, 65.) und spielte die letzten Minuten mit stoischer Ruhe herunter. "Wir wissen, wann man Tempo rausnimmt", sagte Coach Armstrong mit einem kaum merklichen Grinsen. "Manchmal ist das die beste Abwehr." Am Ende blieb Spartak nur der Applaus der Fans - und die Erkenntnis, dass Leidenschaft allein kein Tor schießt. 45 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, viel Laufarbeit - doch Nitra hatte an diesem Abend einfach das Quäntchen mehr Cleverness. Ein kleiner Dialog auf dem Weg in die Kabine fasste den Abend perfekt zusammen: "Trainer, wir waren doch dran!", rief Svento seinem Coach zu. "Ja", antwortete Kevoo trocken, "aber leider nie richtig davor." Und so endete ein Spiel, das mehr versprach, als es am Ende hielt - mit einem verdienten Sieg für Nitra und einem Spartak Senec, das sich immerhin den Applaus für den Kampfgeist redlich verdiente. Vielleicht, so meinte der Stadionsprecher augenzwinkernd beim Abpfiff, "war das heute die schönste Niederlage der Saison". Und man konnte ihm kaum widersprechen. 11.07.643987 21:57 |
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Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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