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Ein 0:0, das keines war - so könnte man das Spiel zwischen ONS Sneek und Sparta Nijkerk am 26. Spieltag der 1. Liga Niederlande zusammenfassen. Vor 16.000 Zuschauern im Sneeker Stadion sahen die Fans einen Abend voller verpasster Chancen, verzweifelter Stürmer und eines Torwarts, der wohl heute noch in den Armen des Publikums getragen wird. Sparta Nijkerk hatte sich einiges vorgenommen. Trainer Markus Kuzmich ließ seine Elf mit offensiver Ausrichtung und breitem Flügelspiel antreten, das Motto: "Wenn wir schon kein Glück haben, dann wenigstens viele Flanken." Und tatsächlich: Schon nach 17 Minuten prüfte Rechtsverteidiger Pablo Ibanez Sneeks Torhüter Zeeman Metternich mit einem satten Distanzschuss. Der Keeper, in dieser Saison oft geprügelt von Kritikern, zeigte heute die Reflexe einer Katze auf Espresso und lenkte den Ball über die Latte. "Ich hab’ den nur kommen sehen und gehofft, dass der Ball mich trifft. Hat er", grinste Metternich nach dem Spiel. Die Gäste blieben drückend überlegen. 13 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, und eine Passmaschine im Mittelfeld, angeführt von Joris Winchel, der gefühlt jeden Ball berührte - nur eben nie den entscheidenden. Der junge Stürmer Noach Brinkerhoff hatte gleich mehrfach die Führung auf dem Fuß, unter anderem in der 27., 59. und 83. Minute. Jedes Mal scheiterte er an Sneeks Keeper oder - noch schlimmer - an sich selbst. "Ich dachte, das Netz reißt, als ich draufgehalten habe", stöhnte Brinkerhoff nach dem Spiel. "Dann hab ich gemerkt, dass ich daneben geschossen habe." ONS Sneek dagegen spielte das, was man wohl "kontrollierte Defensive" nennt - oder, wie ein Fan auf der Tribüne rief: "Parkt den Bus, Jungs!" Mit nur zwei Torschüssen im gesamten Spielverlauf (in der 32. und 68. Minute) war die Offensive eher Alibifunktion als Angriffswelle. Trotzdem: Wenn sie mal kamen, wurde es gefährlich. Stille Dirk zwang in der 32. Minute Spartas Torhüter Sander Vanderzee zu einer Glanzparade, und Noach Buckhout hatte in der 68. Minute die einzige echte Chance der Gastgeber - ein Schuss, der so knapp vorbeiging, dass Trainer Kuzmich kurz die Farbe wechselte. "Da dachte ich, das war’s", gab Kuzmich später zu. "Wir hätten das Ding 3:0 gewinnen müssen, und dann haut der fast den einzigen Ball rein. Fußball kann grausam sein." Grausam war es auch für die Zuschauer, die gegen Ende mehr nach Unterhaltung als nach Toren lechzten. Dafür sorgte zumindest ein wenig Dramatik: In der 85. Minute sah Sneeks Abwehrchef Harold Vrooman Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, drei Minuten später folgte Spartas Linksverteidiger Carlos Conceicao seinem Beispiel. Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun, nicht einzuschlafen. Taktisch blieb alles beim Alten: Nijkerk offensiv, Sneek kompakt. Kuzmich ließ seine Mannschaft unermüdlich über die Flügel anlaufen - Pablo Ibanez war dabei mehr Flügelstürmer als Verteidiger und schoss gleich dreimal aufs Tor. "Wenn der noch einmal so weit nach vorne rennt, muss ich ihm bald eine Stürmernummer geben", witzelte Kuzmich. ONS-Coach - dessen Name sich in den Annalen leider unter "unbekannt" verbirgt - dürfte dagegen zufrieden gewesen sein. Sein Team verteidigte diszipliniert, spielte ausgewogen, riskierte wenig und gewann damit immerhin einen Punkt gegen einen nominell stärkeren Gegner. "Wir wussten, dass Sparta kommt wie ein Wirbelwind", erklärte er nach der Partie. "Aber wir haben die Fenster zugemacht." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit gemischten Gefühlen: Applaus für Sneeks Abwehrleistung, Kopfschütteln über Spartas Chancenwucher. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache - 13:2 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Nijkerk - doch das Tor blieb wie vernagelt. Ein älterer Fan brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wenn Nijkerk noch zwei Stunden gespielt hätte, wäre es trotzdem 0:0 ausgegangen. Nur der Ball wäre platt gewesen." So bleibt am Ende ein torloses Remis, das keiner so richtig verstanden, aber alle irgendwie akzeptiert haben. Sneek verteidigt sich wacker, Nijkerk hadert mit dem Fußballgott - und Zeeman Metternich schreibt sich wohl gerade den Namen "Man of the Match" auf den Kühlschrank. Und vielleicht, ganz vielleicht, ruft Sparta Nijkerk morgen einen Psychologen an - nicht für die Spieler, sondern für das Tor. Das hat heute nämlich alles gesehen und nichts durchgelassen. 16.11.643987 01:26 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)