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Ein 0:0 kann so vieles sein: langweilig, gerecht, ärgerlich - oder, wie an diesem frostigen Januarabend in Genf, schlicht unfassbar. 15 203 Zuschauer im Stade de la Prairie rieben sich nach 94 Minuten ungläubig die Augen: Der FC Bazenheid hatte geschossen, gedrückt, geflucht - und am Ende nichts Zählbares mitgenommen. Racing Club GE dagegen feierte das torlose Remis wie einen Pokalsieg. Schon die Statistik erzählt die Geschichte ohne Punkt und Komma: 21 Torschüsse der Gäste, vier der Hausherren. 64 Prozent Ballbesitz für Bazenheid, 36 für Racing. Und trotzdem: null Tore. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll", murmelte Bazenheids Mittelfeldmotor François Simard, der allein fünfmal abzog. "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können - der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Dabei begann alles nach Plan für die Ostschweizer. Schon in der sechsten Minute prüfte Christian Beaupre den jungen Racing‑Keeper Olivier Benoist, der sich mit einer Flugeinlage in die Herzen der Heimfans hechtete. Nur eine Minute später donnerte Niklas Peters aus spitzem Winkel drauf - wieder Benoist. Es war der Auftakt zu einem Ein‑Mann‑Schauspiel: Der 18‑jährige Torwart ließ sich den Abend nicht mehr nehmen. Trainer Truthan Trainer - ja, er heißt wirklich so - hatte seinen Racing‑Club defensiv organisiert, aber mit jugendlicher Angriffslust angetrieben. "Wir wissen, dass wir nicht die Ballkünstler sind", sagte er nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Also haben wir beschlossen, einfach nicht zu verlieren." Ein Plan, der erstaunlich gut aufging. In der zwölften Minute setzte Mathias Wild - Name Programm - das erste Lebenszeichen der Genfer Offensive, ein satter Schuss aus der Distanz, der den Bazenheid‑Keeper Daniel Maurice immerhin zum Abheben zwang. Danach rollte wieder die rote Welle der Gäste: Simard, Walter, Beaupre - und immer wieder Benoist. In der 33. Minute hielt der Teenager gar einen Kopfball aus zwei Metern Entfernung fest. "Ich hatte kurz Angst, dass er mir durch die Handschuhe flutscht", lachte er später. "Aber dann habe ich einfach an meine Matheprüfung morgen gedacht - dagegen ist so ein Ball ja nichts." Kurz darauf sah Niklas Peters Gelb, weil er Wild an der Seitenlinie mehr umarmte als tackelte. "Ein Reflex", entschuldigte sich der Linksverteidiger. "Ich dachte, wir wären schon beim Trikottausch." Nach der Pause das gleiche Bild: Bazenheid kombinierte, Racing konterte, beide vergaßen das Toreschießen. Phillip Fouquet, der 18‑jährige Mittelstürmer der Gastgeber, hatte in der 60. Minute die größte Chance des Spiels, als er nach einem Steilpass frei vor Maurice auftauchte - und den Ball in die Nacht von Genf beförderte. "Ich hab den Mond anvisiert, aber der war schneller", witzelte er nach Abpfiff. Die Gäste hingegen spielten, als gäbe es Bonuspunkte für Torschüsse: Walter, Beaupre, Simard, Wilke - sie alle versuchten sich am Brechen des Racing‑Bollwerks. In der 90. Minute donnerte Walter noch einmal aus 20 Metern drauf, Benoist lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Der anschließende Eckball versandete, und als Schiedsrichter Girard abpfiff, jubelten die Genfer, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. "Wenn man 21 Torschüsse hat und nicht trifft, sollte man vielleicht Lotto spielen", seufzte Bazenheid‑Coach Lucien Bachmann (der Mann hat Humor). "Aber ehrlich: Racing hat das clever gemacht. Und deren Torwart - Chapeau." Racing‑Trainer Truthan Trainer nahm es sportlich: "Wir sind jung, wild und manchmal planlos. Aber heute hat’s gereicht. Vielleicht sollten wir jedes Spiel mit 35 Prozent Ballbesitz spielen - weniger Stress für alle." So endete ein Abend voller Paraden, vergebener Chancen und jugendlicher Unbekümmertheit. Auf der Tribüne wurde noch lange diskutiert, ob ein 0:0 schön sein kann. In Genf jedenfalls schon - zumindest, wenn man blau‑weiße Farben trägt. Und irgendwo in einem dunklen Korridor des Stadions soll man Olivier Benoist noch sagen gehört haben: "Ich glaub, ich hab den Ball immer noch in den Händen." Man möge es ihm gönnen - nach diesem Abend könnte er ihn sich gerahmt über das Bett hängen. 24.10.643987 01:17 |
Sprücheklopfer
Ich werde mir eine Schaf-Farm in Neuseeland kaufen und Schafswurst herstellen, um sie nach Bayern zu exportieren. Nee, mal im Ernst, was für eine blöde Frage ist das? Wie denkt man sich solche Fragen aus? Gibt man sein Hirn schon vor oder erst nach dem Journalistikstudium ab?
Peter Neururer auf die Frage nach seinen Plänen nach dem geschafften Wiederaufstieg in die Bundesliga: