Sport-Blick
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Torfestival am Vierwaldstättersee - Basel gewinnt 5:4 in Luzern

Wenn ein Montagabendspiel in der 1. Liga Schweiz mit neun Toren endet, dann weiß man: Hier war kein Sicherheitsfußball am Werk. Vor 47.299 Zuschauern im ausverkauften Stadion am See verloren die Blau-Weiss Luzern in einem wilden 4:5 gegen die Old Boys Basel - ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein Schweizer Alpenpass.

Schon nach sieben Minuten begann das Spektakel. Basels Miguel Albentosa, ein Stürmer mit der Körpersprache eines Mannes, der weiß, dass er heute Geschichte schreiben kann, traf nach feinem Zuspiel von Shefki Hyypiä zum 0:1. Die Luzerner Antwort? Keine zwei Minuten später drosch Robert Mantovani den Ball mit so viel Wut in die Maschen, dass selbst die Basler Ersatzbank kurz applaudierte.

Doch das sollte erst der Auftakt zu 45 Minuten Basler Dominanz sein. Eric Lefebvre, der so elegant schießt, als würde er morgens seinen Kaffee umrühren, brachte die Gäste in der 16. Minute wieder in Führung. Albentosa legte in der 20. nach - 1:3, und Luzerns Trainer Reinhard Wild sah da schon aus, als überlege er, ob er noch vor der Pause auf eine Viererabwehrkette aus Ordnern umstellen sollte. Lefebvre setzte in der 42. Minute noch einen drauf, und mit einem 1:4 ging es in die Kabinen.

"Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", verriet Wild später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Stolz pendelte.

Und siehe da: Irgendetwas muss in der Luzerner Teekanne gewesen sein. Direkt nach Wiederanpfiff köpfte Innenverteidiger Marcel Benveniste (47.) zum 2:4 ein. Das Stadion tobte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", bekannte der junge Abwehrmann später ehrlich.

Doch kaum war die Euphorie entfacht, dämpfte sie Basels Abwehrhüne Louis Patton (51.) - nach einer Ecke, natürlich vorbereitet von Albentosa, der an diesem Abend seine Finger in fast jedem Basler Tor hatte. 2:5. Die Luzerner Fans begannen, sich demonstrativ gegenseitig Bier zu klauen.

Aber Blau-Weiss wäre nicht Blau-Weiss, wenn sie nicht wenigstens für Drama sorgen würden. Robert Locklear traf in der 72. Minute nach feinem Pass von Dylan Bosworth - 3:5. Nur vier Minuten später sorgte Joseph Wendt mit einem satten Schuss von links für das 4:5. Das Stadion war nun ein brodelndes Fass. "Da dachte ich kurz, wir drehen das wirklich noch", meinte Luzerns Stürmer Mantovani später, "aber dann fiel mir ein, dass ich ja bei Luzern spiele."

In der Schlussphase warfen die Gastgeber alles nach vorn, inklusive ihres Torwarts Lasse Rauch, der in der 89. Minute tatsächlich an der Mittellinie auftauchte. "Ich wollte nur mal wieder Gras unter den Füßen spüren", witzelte er nach dem Abpfiff. Doch die Basler retteten sich mit letzter Kraft und etwas Glück über die Zeit.

Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 9 Torschüsse der Luzerner, 11 der Basler, Ballbesitz mit 47 zu 53 Prozent leicht für die Gäste. Auch in der Zweikampfquote (49,4 zu 50,5) lag man Kopf an Kopf - allerdings in einer Partie, die mitunter eher nach Eishockey roch. Drei Gelbe Karten und eine Verletzungspause für Gustav Fortin (34.) zeigten, dass nicht jeder Zweikampf fair verlief.

Basels Trainer André Marsmann fasste es trocken zusammen: "Ich bin zufrieden. Wir haben fünf Tore gemacht und nur vier kassiert - das ist eine Rechnung, mit der ich leben kann." Auf die Frage, ob er Angst hatte, noch den Sieg zu verspielen, meinte er: "Natürlich. Ich bin schließlich Trainer in der 1. Liga Schweiz, nicht Mathematiker."

Am Ende bleibt ein Abend, der selbst neutrale Zuschauer mit offenem Mund zurückließ. Luzern kämpfte sich nach katastrophaler erster Hälfte zurück, Basel spielte phasenweise wie entfesselt. Ein Fußballfest, das kein Drehbuchautor besser hätte schreiben können - und das die Fans noch lange über die Busfahrt nach Hause diskutieren ließ.

Oder, wie ein älterer Herr im Luzerner Fanblock beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn wir schon verlieren müssen, dann bitte immer so. Da hat man wenigstens was zum Erzählen."

03.07.643990 17:05
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