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Ein Spiel wie ein Verkehrsunfall aus violetter Sicht: Man wollte nicht hinsehen, konnte aber auch nicht wegschauen. Tasmania Berlin hat am 28. Spieltag der 1. Liga Deutschland den VfL Osnabrück mit sage und schreibe 7:0 vom Platz gefegt - und das vor 54.435 Zuschauern, die zwischen ungläubigem Staunen und ausgelassener Partystimmung schwankten. Von der ersten Minute an war klar, dass hier nur eine Mannschaft Fußball spielte. Kaum hatte Schiedsrichter Krug die Partie angepfiffen, zappelte der Ball schon im Netz. Xavi Celis, eigentlich Rechtsverteidiger, stürmte nach vorne, bekam den Ball von Michael Konrad und drosch ihn nach gerade einmal 47 Sekunden in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Celis später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Osnabrück, defensiv aufgestellt, konterorientiert, aber ohne Konter, fand keinen Halt. Tasmania dagegen spielte, als hätten sie den Turbo im Schuh. Nach einer Viertelstunde gab’s erste Mitleidsbekundungen auf der Gästetribüne. In der 27. Minute erhöhte Pal Huszti - bedient von Innenverteidiger Santiago Corona, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen an diesem Abend überbewertet ist. Und als Cesc Quaresma kurz vor der Pause nach Vorlage von John Hartshorn das 3:0 markierte, wirkte der VfL bereits so, als wolle er kollektiv unter der Dusche Zuflucht suchen. "Wir wollten eigentlich tief stehen", murmelte Osnabrücks Trainer Carsten Baumann nach der Partie, "aber irgendwann standen wir einfach nur noch tief - im eigenen Strafraum." Seine Spieler schienen das Konzept "Defensiv" derart wörtlich genommen zu haben, dass sie den Ball kaum über die Mittellinie bewegten. Kein einziger Torschuss - die Statistik las sich wie ein schlechter Scherz: 26:0 Schüsse, 59 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Berliner. Nach dem Seitenwechsel ging das Spektakel weiter. Kaum waren die Spieler wieder auf dem Platz, legte Huszti sein zweites Tor nach - 4:0 in der 46. Minute. Von der Osnabrücker Bank kam ein kollektives Stöhnen, das bis in den Oberrang zu hören war. Trainer Baumann reagierte, brachte Meik Hess für den überforderten Kurz. Doch Hess schaffte es, in weniger als 30 Minuten gleich zweimal Gelb zu kassieren und sich mit Gelb-Rot in die Kabine zu verabschieden. "Ich wollte ein Zeichen setzen", erklärte der 20-Jährige nach dem Spiel, "aber das war wohl das falsche." Tasmania blieb gnadenlos. In der 59. Minute durfte sich auch Mittelstürmer Goran Ilicevic in die Torschützenliste eintragen - vorbereitet, wie sollte es anders sein, von Huszti, der an diesem Abend mit zwei Toren und einer Vorlage glänzte. Und weil es sich so schön eingespielt hatte, legte John Hartshorn in der 87. noch das 6:0 nach, ehe Louis Gebhardt in der Nachspielzeit den Deckel draufsetzte. 7:0. Endstand. Und selbst die Osnabrücker Fans applaudierten. "Ich weiß gar nicht, was ich den Jungs sagen soll", meinte Tasmania-Coach Michael Meister nach Spielende, während er sich mit einem breiten Grinsen die Kappe zurechtrückte. "Vielleicht einfach: weiter so - aber lasst den Gegnern beim nächsten Mal wenigstens ein Ehrentor." Im Kabinengang soll es dann eine Szene gegeben haben, die man sich noch lange erzählen wird. Meister traf Baumann, legte ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter und sagte: "Kopf hoch, Carsten. Wir waren heute einfach unhöfliche Gastgeber." Baumann lächelte gequält und antwortete trocken: "Ihr wart nicht unhöflich, ihr wart brutal ehrlich." So ehrlich, dass die Berliner Fans beim Verlassen des Stadions den Schlachtruf "Tasmania international!" skandierten - halb im Spaß, halb im Ernst. Osnabrück hingegen wird diesen Abend wohl als Lehrstunde in Sachen Demut verbuchen. Und wer sich fragt, ob die Berliner das Ergebnis verdient haben: 26 Torschüsse zu null sprechen eine klare Sprache. Selbst der Linienrichter hatte zwischenzeitlich mehr Ballkontakte als die Gäste. Man darf gespannt sein, ob Tasmania diesen Schwung mitnimmt. Denn nach solch einem Feuerwerk könnte selbst der Rasen noch Tage später leuchten. Oder, wie Torschütze Huszti es formulierte: "Heute hat einfach alles gepasst - sogar mein Frisurengel." Ein Spiel, das in die Vereinsannalen eingehen dürfte - und das in Osnabrück wohl besser schnell vergessen wird. 30.07.643993 17:45 |
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