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Es war ein frostiger Freitagabend in der Hauptstadt, doch die fast 40.000 Zuschauer im Stadion am Blumberger Damm bekamen durchaus Feuer zu sehen - wenn auch nur von einer Seite. Tasmania Berlin gewann das Berliner Duell gegen den FC Marzahn souverän mit 2:0 (1:0) und zeigte dabei über weite Strecken, wer im Osten die spielerische Hoheit beansprucht. "Wir wollten hier zeigen, dass wir nicht nur Fußball arbeiten, sondern auch spielen können", grinste Tasmanias Trainer Michael Meister nach dem Abpfiff, während sein Gegenüber Frank Henning mit verschränkten Armen auf den Rasen starrte. "Wir haben zu brav gespielt. Wenn man 46 Prozent Ballbesitz hat, aber nur vier Schüsse aufs Tor bringt, dann weiß man, dass man etwas falsch gemacht hat." Das Spiel begann mit leichtem Druck der Gäste, die früh das Kommando übernahmen. Schon in der 12. Minute zwang Rechtsverteidiger Ryan Kelly Marzahns Keeper George Eliot zu einer ersten Glanztat - ein satter Schuss aus 20 Metern, den Eliot mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Marzahn versuchte, mit Kontern über die schnellen Carsley-Brüder (Jake und Tyler) Nadelstiche zu setzen, doch die blieben meist stumpf. In der 29. Minute fiel dann das verdiente 0:1: Nach einem feinen Doppelpass mit Heikki Kuqi zog Cesc Quaresma auf links nach innen und schlenzte den Ball mit der Eleganz eines Katzenbesitzers, der gerade seine Sofadecke richtet, ins lange Eck. "Ich hab einfach gesehen, dass der Torwart ein bisschen zu weit rechts stand", erklärte der 23-Jährige später mit einem Lächeln, "und dann hab ich’s probiert. Zum Glück ging’s gut." Noch vor der Pause wechselte Meister aus - Pedro Celis musste raus, Slatko Angelow kam. Ein Schachzug, der sich als goldrichtig erweisen sollte. Denn nur drei Minuten nach Wiederanpfiff (48.) stand Angelow im Mittelpunkt: Nach einem klugen Pass von Agustin Ibano zog er aus 18 Metern ab und traf flach ins rechte Eck - 0:2. Marzahn wirkte konsterniert, die Fans auf der Gegengeraden schauten sich gegenseitig an, als wollten sie fragen: "War das jetzt schon die Entscheidung?" Henning versuchte, mit der Einwechslung von Alex Bruni (75.) neuen Schwung zu bringen, doch die Tasmania-Abwehr um Herold Ostrander und Noe Custodio stand wie eine Betonwand in der Novembernacht. Die Gäste hatten 13 Torschüsse, Marzahn deren vier - und keiner davon wirklich gefährlich. Nur einmal, in der 80. Minute, musste Tasmanias Schlussmann Tiago Valente ernsthaft eingreifen, als Bruni platziert aufs kurze Eck zielte. "Ich hab’s kommen sehen", lachte Valente nach dem Spiel, "der Ball war so freundlich, dass ich ihm fast die Hand gegeben hätte." In der 65. Minute sah Joel MacLean noch Gelb, als er im Mittelfeld zu ungestüm in einen Zweikampf ging. "War klar Gelb", meinte der Schotte später, "aber wenigstens hab ich den Ball gerochen." Kurz darauf musste Torschütze Quaresma verletzt vom Platz (69.), für ihn kam Bjarni Lundqvist - eine Vorsichtsmaßnahme, wie Meister beruhigend erklärte. Tasmania spielte die Partie danach routiniert herunter, ohne in Schönspielerei zu verfallen. Marzahn bemühte sich, blieb aber ideenlos. Ihre "taktische Ausrichtung" - laut Statistik durchgehend "balanced" mit "no pressing" - wirkte, als hätte jemand den Wecker vergessen. "Wir wollten eigentlich mehr Druck machen", versuchte Henning sich zu erklären, "aber irgendwie hat keiner den Knopf gefunden." So blieb es beim verdienten 0:2 aus Marzahner Sicht. Tasmania war in allen Belangen überlegen - mehr Ballbesitz (53,7 Prozent), bessere Zweikampfquote (55,6 Prozent) und schlicht mehr Lust am Fußball. Als die Tasmania-Spieler nach dem Abpfiff vor der Gästekurve tanzten, rief Slatko Angelow seinem Trainer zu: "Chef, das war ja fast wie im Training!" Meister grinste nur und antwortete trocken: "Dann sollten wir öfter so trainieren." Für Marzahn bleibt die Erkenntnis eines bitteren Abends: Wer zu Hause so harmlos agiert, der braucht keine Ausreden - sondern einen Plan. Oder wie ein frustrierter Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn die wenigstens mal Pressing probieren würden…" Ein bisschen Berliner Witz, ein bisschen Hauptstadt-Melancholie - und ein klarer Sieger: Tasmania Berlin. 19.09.643987 05:17 |
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