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Berlin - 59.000 Zuschauer im Olympiastadion, ein Freitagabend unter Flutlicht, und ein Spiel, das zunächst nach einem Debakel aussah, sich dann aber in eine kleine Berliner Auferstehung verwandelte. Tasmania Berlin und der 1. FC Eschborn trennten sich 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams schmeckt wie lauwarme Stadionwurst, aber immerhin sättigt. Eschborn begann, als hätte Trainer Yas Sin heimlich Red Bull in die Trinkflaschen gefüllt. Schon in der 21. Minute schlenzte Niklas Steffen den Ball nach einem langen Pass von Ricardo Matamoros ins Netz. Vier Minuten später legte Nevio Dietrich nach - und wieder war Steffen beteiligt. Tasmania taumelte, während Eschborn selbstbewusst Konter auf Konter fuhr. "In der ersten Halbzeit haben wir alles richtig gemacht - bis auf das, was nach der Pause kam", knurrte Sin später mit einem Blick, der ahnen ließ, dass seine Spieler am Montag extra Runden drehen werden. Tasmania-Trainer Michael Meister hingegen wirkte zur Halbzeit erstaunlich ruhig. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen einfach mal anfangen, Fußball zu spielen. Und siehe da - sie haben mich gehört. Einmal zumindest." Nach dem Seitenwechsel kam der Umschwung. Goran Ilicevic, der bullige Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Betonmischers, traf in der 52. Minute nach feinem Zuspiel von Cristobal Eusebio. Plötzlich war wieder Leben in der Bude. Die Fans, zuvor noch mürrisch auf den Rängen, sangen sich die Kehlen wund - laut genug, dass Eschborns Torwart Logan Cochran kurz die Ohren spitzte. Tasmania rannte, kämpfte, biss. In der 67. Minute war es wieder Ilicevic, diesmal nach Vorlage von John Hartshorn, der das Stadion endgültig zum Beben brachte: Ausgleich! 2:2! "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Ilicevic nach dem Spiel. "Wenn du zweimal triffst, fragen die Leute plötzlich nach deinem Geheimnis - aber ich sag’s mal so: Ich hatte einfach Hunger." Das Spiel blieb wild. Kai Mills, Berlins erfahrener Innenverteidiger, zeigte zunächst, wie man mit Härte verteidigt - und dann, wie man mit Gelb-Rot duschen geht. In der 70. Minute war Schluss für ihn. "Ein bisschen unglücklich", murmelte Meister. "Aber Kai wollte zeigen, dass er noch Spritzigkeit hat. Leider im falschen Moment." Trotzdem hielt Tasmania in Unterzahl erstaunlich gut dagegen. Eschborn witterte in der Schlussphase wieder Morgenluft, doch die Abschlüsse von William Kavanagh und Dietrich blieben harmlos. "Wir hatten 15 Torschüsse, aber gefühlt 14 davon direkt auf den Torwart", seufzte Kavanagh. Und tatsächlich: Torhüter Tiago Valente war der ruhende Pol in einem zunehmend hektischen Spiel. Kurz vor Schluss wurde es nochmal dramatisch: Erst sah Eschborns junger Joker Sven Will in der 91. Minute Rot - ein ungestümes Einsteigen, das Trainer Sin mit einem langen "Ooooh nein" quittierte. "Er ist 18, er darf noch Fehler machen", sagte Sin später, "aber vielleicht nicht alle in einem Spiel." Tasmania beendete das Duell mit neun Feldspielern, Eschborn zu zehnt - eine symbolische Balance für dieses wilde, fast absurde Match. Die Statistik sprach ohnehin für ein Patt: 49,9 Prozent Ballbesitz für Berlin, 50,1 für Eschborn, 14 zu 15 Torschüsse - fast schon mathematisch gerecht. In der Mixed Zone klang es dann fast versöhnlich. "So ein Spiel hat Charakter gezeigt", lobte Tasmania-Kapitän John Hartshorn, während er sich eine Eistonne suchte. "Und ich meine, wir haben immerhin nicht verloren - das ist ja in Berlin schon ein Erfolgserlebnis." Eschborns Coach Sin sah das ähnlich, wenn auch weniger charmant: "Wir haben zwei Punkte verschenkt. Aber gut, wenigstens keiner gestohlen." Die Fans verabschiedeten beide Teams mit Applaus und einem leichten Kopfschütteln - vielleicht, weil sie sich nicht sicher waren, ob sie gerade ein kleines Fußballwunder oder einfach nur eine sehr launische Partie gesehen hatten. Am Ende stand ein 2:2, das beiden Seiten Stoff für Gesprächsrunden liefert: Tasmania mit Moral, Eschborn mit Wut über den verspielten Sieg. Und irgendwo im Stadionflur soll ein Ordner gemurmelt haben: "Wenn jedes Unentschieden so unterhaltsam wäre, käme ich auch montags gern zur Arbeit." Ein gerechtes, chaotisches, herrlich dramatisches Spiel - Berlin bleibt eben Berlin. 30.09.643987 18:45 |
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Giovanni Trappatoni