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Ein lauer Märzabend, Flutlicht, 52.883 Zuschauer im Berliner Stadion - und am Ende ein Ergebnis, das wohl niemanden so richtig glücklich machte. Tasmania Berlin und Germania Ilmenau trennten sich 0:0, ein Spiel voller Bemühungen, Emotionen und Gelber Karten - aber ohne den finalen Treffer. Dabei hatte Tasmania-Trainer Michael Meister seine Mannschaft deutlich offensiv eingestellt. Gleich von Beginn an drückten die Berliner aufs Tempo, als wollten sie den Frühling erzwingen. "Wir wollten Ilmenau gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", sagte Meister nach der Partie, während er mit einer Handbewegung andeutete, dass die Chancenverwertung seiner Jungs "etwas Luft nach oben" habe. In der Tat: Zehn Torschüsse, kein Tor. Goran Ilicevic, der bullige Mittelstürmer, prüfte den Gäste-Keeper Vitorino Manu mehrfach - in der 17., 19., 24. und 62. Minute. Immer wieder flog der Ball knapp vorbei oder landete in den sicheren Händen des Portugiesen. "Ich hab irgendwann angefangen, mich zu fragen, ob das Tor kleiner geworden ist", grinste Ilicevic später selbstironisch. Ilmenau hielt dagegen - weniger mit Ballbesitz, aber mit erstaunlicher Effizienz in der Defensive. Dass Germania-Coach Thorben Hartung sein Team auf "kurze Pässe" und "starkes Zweikampfverhalten" eingeschworen hatte, merkte man. Zwar kam seine Mannschaft nur auf fünf Torschüsse, doch gefährlich wurde es vor allem, wenn Lucas Reimann im rechten Halbfeld Tempo aufnahm. In der 36. Minute zwang er Tasmania-Keeper Henri Boyer zu einer Glanzparade, die das Publikum kurzzeitig aus der Lethargie riss. Dann, in der 39. Minute, die Schrecksekunde für Berlin: Bruno Canalejas blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie, und man konnte die Diagnose schon ahnen - raus, und zwar sofort. Louis Gebhardt kam für ihn und sollte später zur tragischen Figur werden. Noch vor der Pause begann das große Wechselspiel: Meister brachte gleich zwei neue zentrale Mittelfeldspieler - Cristobal Eusebio und Agustin Ibano - für Poncela und Hartshorn. Der frische Wind im Zentrum tat gut, doch Eusebio kassierte prompt Gelb, kaum dass er auf dem Platz stand. "Ich war einfach motiviert", sagte er später, "vielleicht zu sehr." Nach dem Seitenwechsel bot sich dasselbe Bild: Tasmania drückte, Ilmenau lauerte. Pal Huszti, der quirligste Berliner an diesem Abend, prüfte Manu in der 64., 71. und 75. Minute - immer wieder ohne Erfolg. Der Ballbesitz sprach mit 54 zu 46 Prozent für die Hausherren, die Laufbereitschaft ebenfalls. Nur das Tor, das fehlte. Ilmenau, von der Defensive um Georg König (eingewechselt für den jungen Bremer) gut organisiert, setzte auf Konter. Der junge Karl Maus hatte in der 81. Minute die vielleicht größte Chance des Spiels, als er von links in den Strafraum zog und nur knapp verzog. "Wenn der reingeht, reden wir hier ganz anders", meinte Hartung später trocken. Dann, die 85. Minute: Gelb-Rot für Louis Gebhardt. Erst hatte er in der 67. Minute ein taktisches Foul gezogen, dann kam er zu spät - und flog. "Ich wollte einfach den Ball spielen", verteidigte er sich, während er mit gesenktem Kopf in die Kabine trottete. Meister indes rang um Contenance: "Da war mehr Emotion als Vernunft", murmelte er. Die letzten Minuten wurden zum offenen Schlagabtausch - mit zehn Berlinern, die plötzlich alles nach vorn warfen. In der 96. Minute hatte Bjarni Lundqvist die letzte Gelegenheit, doch sein Linksschuss rauschte über die Latte und in die enttäuschten Gesichter auf der Tribüne. "Ein 0:0, das sich irgendwie nach 1:1 anfühlt", fasste ein Zuschauer mit Bier in der Hand zusammen. Und tatsächlich: Spannung war da, Chancen waren da, nur der Jubel blieb aus. Trainer Hartung zeigte sich zufrieden: "Für uns ist das ein Punkt der Moral. In Berlin zu Null zu spielen, das schafft nicht jeder." Meister hingegen wirkte, als würde er lieber sofort wieder trainieren lassen. "Wir haben viel richtig gemacht - außer das, was am Ende zählt." Und so endete dieser 26. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit einem torlosen, aber keineswegs ereignislosen Remis. Tasmania Berlin bleibt offensiv bemüht, Germania Ilmenau defensiv standhaft - und die Fans? Sie nahmen’s mit Humor. Einer rief beim Abpfiff: "Na, wenigstens kein Gegentor!" - was an diesem Abend tatsächlich das einzig unstrittig Positive war. Vielleicht war’s kein Fußballfest, aber ein Beweis dafür, dass selbst ein 0:0 Geschichten schreiben kann - wenn man genau hinsieht. 07.07.643993 11:08 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.