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SV Locarno siegt trotz Chancenflut der Luzerner

Wer an diesem kühlen Märzabend im Stadio Lido von Locarno auf einen ruhigen Fußballabend hoffte, wurde spätestens nach einer halben Stunde eines Besseren belehrt. 20.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das so gar nicht nach der nüchternen Statistik roch: Drei Torschüsse für Locarno, fünfzehn für Blau-Weiss Luzern - und doch stand am Ende ein 2:1 für die Hausherren auf der Anzeigetafel. "Fußball ist kein Mathematikunterricht", grinste Locarno-Stürmer Evan Anderson nach dem Schlusspfiff, und wenn man ihn so lachen sah, konnte man ihm kaum widersprechen.

Dabei begann alles nach Plan für die Gäste aus Luzern. Sie traten offensiv an, fast schon übermütig - Trainer Reinhard Wild hatte seine Mannschaft auf Sturm gestellt, "wir wollten Locarno von Beginn an hinten reindrücken". Das taten sie auch. Roger Römer prüfte früh den Torhüter, Robert Locklear schoss aus allen Lagen, und Finn Hougaard zirkelte in der 22. Minute den Ball nur knapp am Pfosten vorbei. Der Ballbesitz sprach zu jener Zeit noch leicht für die Gastgeber, doch die Musik spielte eindeutig in Blau-Weiß.

In der 31. Minute platzte dann der Knoten: Robert Mantovani, der bullige Mittelstürmer, drückte nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Joseph Wendt das Leder über die Linie. Luzern führte 1:0 - verdient, wie selbst die Locarneser Fans murmelten. "Da haben wir kurz gedacht, das Ding kippt komplett", gab Locarno-Mittelfeldmann Christian Schaller später zu.

Doch Fußball liebt seine Ironie. Nur sieben Minuten später schickte James Connolly mit einem perfekt getimten Pass den erfahrenen Evan Anderson auf die Reise. Der 32-Jährige blieb eiskalt, schob lässig zum 1:1 ein und hob entschuldigend die Hand in Richtung der Luzerner Kurve, als wollte er sagen: "Tut mir leid, aber so ist das Geschäft."

Kurz vor der Pause wurde es ruppiger. Luzerns Finn Hase sah Gelb, kurz darauf auch sein Teamkollege Pierre Gramont - beide für Fouls, die nach Frust rochen. "Wir hatten das Gefühl, Locarno spielt mit angezogener Handbremse und trifft trotzdem", schnaubte Hase später, der in der 90. Minute noch einmal verzweifelt abschloss, aber an Torwart Eric Besserer scheiterte.

In der zweiten Halbzeit blieb das Bild gleich: Luzern rannte, Locarno verteidigte mit stoischer Ruhe. Die Gäste feuerten aus allen Rohren - Mantovani in der 50. Minute, Hougaard in der 57., Locklear in der 73. - doch der Ball wollte nicht mehr ins Tor. "Manchmal ist das Tor einfach ein Quadratmeter zu klein", seufzte Trainer Wild.

Und dann kam die 76. Minute - der Moment, in dem das Stadion bebte. Ognjen Kranjcar flankte butterweich von links, und wer stand da, wo ein Stürmer stehen muss? Wieder Evan Anderson. Volley, trocken, unhaltbar. 2:1 für Locarno. Drei Schüsse aufs Tor, zwei Treffer - Effizienz, die jeder Buchhalter lieben würde.

Luzern wechselte noch dreimal, brachte den jungen Henri Diarra und später Henry Roades, die beide mit jugendlichem Elan alles versuchten. Roades scheiterte gleich dreimal in den letzten zehn Minuten, Diarra schoss in der 86. Minute knapp drüber - sinnbildlich für einen Abend, an dem Blau-Weiss einfach kein Glück hatte.

Am Ende standen 15 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe und reichlich Frust für Luzern zu Buche. Locarno dagegen hatte 53 Prozent Ballbesitz, aber vor allem: drei Punkte. "Wenn man so verteidigt und vorne so eiskalt ist, darf man ruhig mal weniger Chancen haben", kommentierte ein sichtlich zufriedener Locarno-Coach in der Mixed Zone, während Anderson mit einem breiten Grinsen Bierduschen auswich.

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit einem gellenden "Forza Locarno!". Im Presseraum fragte ein Kollege augenzwinkernd: "Herr Wild, 15 Schüsse, ein Tor - was sagen Sie dazu?" Der Luzern-Trainer antwortete trocken: "Wir haben das Spiel kontrolliert. Nur das Ergebnis hat sich nicht daran gehalten."

Und so ging ein Abend zu Ende, der die alte Fußballweisheit bestätigte: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft - besonders in Locarno. Vielleicht schreibt man dort demnächst ein Lehrbuch darüber, wie man mit drei Schüssen ein Spiel gewinnt. Titelvorschlag: "Weniger ist mehr - die Kunst des effizienten Siegens."

08.01.643994 09:28
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