Sport-Blick
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SV Fribourg verschenkt Sieg in letzter Sekunde - 2:2 gegen SC Carouge

Ein lauer Februarabend, 27.000 Zuschauer im Stade de la Poya, und zwei Mannschaften, die einander nichts schenken wollten: Das Duell zwischen dem SV Fribourg und dem SC Carouge am 14. Spieltag der 1. Liga Schweiz hatte alles - Tempo, Tore, Emotionen und einen Schlussakkord, der selbst abgebrühte Fans kurz verstummen ließ.

Gerade einmal neun Minuten waren gespielt, als Carouges Flügelflitzer Riley Donahue auf der rechten Seite Fahrt aufnahm, die Kugel mit chirurgischer Präzision in den Strafraum zirkelte und Alexander Napier, 21, sie aus vollem Lauf ins Netz jagte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Napier später. "Vielleicht war’s auch Glück. Aber gutes Glück!" Das frühe 0:1 war ein Schock für die Fribourger, die sich anfangs auf ihre defensive Ordnung verlassen wollten - Trainer Dario Rota hatte vorsichtig begonnen, die Marschroute lautete: Sicherheit zuerst.

Doch Sicherheit ist im Fußball ein flüchtiges Gut. Fribourg fing sich, übernahm zunehmend das Kommando (am Ende 55 Prozent Ballbesitz) und kam zu Chancen im Dutzend. Tiago Gama prüfte Carouge-Keeper Marek Dobias mehrfach, ehe in der 35. Minute Frederic Chevallier mit einem wuchtigen Schuss zum 1:1 traf - nach Vorarbeit des Innenverteidigers Bruno Assis, der sich offenbar kurzzeitig in einen Spielmacher verwandelt hatte. "Ich weiß auch nicht, wie ich da vorne gelandet bin", lachte Assis später. "Vielleicht hat mich der Ball einfach gemocht."

Mit dem Gleichstand ging’s in die Pause, und die Fans wärmten sich an Glühwein und der Hoffnung auf mehr. Nach dem Wechsel zeigte sich Fribourg entschlossener. In der 60. Minute war es dann soweit: Vicente Alves steckte durch, Tiago Gama blieb cool und schob zum 2:1 ein. Die Tribüne bebte. "Das war so ein Moment, wo du denkst, jetzt gehört uns das Spiel", meinte Gama. Und genau da begann das Drama.

Denn in der 75. Minute flog ausgerechnet Bruno Assis, der noch in der ersten Hälfte als Vorlagengeber geglänzt hatte, mit Rot vom Platz - ein übermotiviertes Tackling, das den Schiedsrichter zu keiner Diskussion veranlasste. "Er hat den Ball gespielt", brüllte Trainer Rota Richtung Vierte Offizielle, während Assis mit gesenktem Kopf vom Feld stapfte. "Vielleicht auch ein bisschen den Gegner", murmelte sein Mitspieler Chevallier trocken.

In Unterzahl verteidigte Fribourg mit Herz und Verzweiflung. Die Minuten verrannen, Carouge rannte an. Trainer Stefan Häusler brachte frische Kräfte, unter anderem den 19-jährigen Claus Breze, der für den angeschlagenen Jean Lefebvre kam. Und just dieser Breze sollte in der Nachspielzeit Geschichte schreiben.

92. Minute: wieder Donahue über rechts, wieder eine Flanke, diesmal in den Rückraum. Breze, jung, mutig, vielleicht auch ein wenig übermütig, nimmt den Ball direkt - und trifft. 2:2. Stille. Dann Jubel, der bis auf den Parkplatz hallte. "Ich hab gar nicht gedacht, ich hau den einfach rein", sagte der Teenager später mit einem Grinsen, das kaum aufhörte. "Das war mein erstes Tor überhaupt im Profibereich."

Fribourgs Spieler dagegen sanken zu Boden, als hätte sie jemand ausgeschaltet. Torwart Agapios Fotopoulos trat wütend gegen den Pfosten, während Trainer Rota sich mit einem resignierten Schulterzucken in Richtung Bank begab. "Fußball kann grausam sein", meinte er, "aber wenigstens war’s ein schönes Spiel für die Zuschauer."

Statistisch gesehen war es tatsächlich ein ausgeglichenes Duell: Beide Teams mit jeweils 12 Torschüssen, Carouge etwas direkter, Fribourg spielerisch reifer. Doch am Ende zählte, dass die Gäste nie aufgaben. Häusler fasste es trocken zusammen: "Wir spielen, bis der Schiri pfeift. Heute hat sich das ausgezahlt."

Die Fans von Fribourg sahen das naturgemäß anders. Einer rief beim Verlassen des Stadions: "Kann man die Nachspielzeit nicht einfach abschaffen?" - Ein Vorschlag, der wohl auch Dario Rota gefallen hätte.

Und so blieb ein Abend, der alles bot: zwei Tore pro Seite, ein Platzverweis, ein Teenager als Held - und ein Heimteam, das sich fragte, wie man einen Sieg so dramatisch verschenken kann.

Vielleicht ist das ja das Schöne am Fußball: dass er manchmal wie das Leben selbst ist - unberechenbar, ungerecht, aber unglaublich unterhaltsam.

27.10.643990 10:45
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Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler
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