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Ein Montagabendspiel, Flutlicht, 37.119 Zuschauer und ein SV Beuel, der offenbar beschlossen hatte, seine Fans gleich zu Beginn aus dem Sitz zu reißen: Schon in der 4. Minute zappelte der Ball im Netz. Vladimir Valachovic, der rechte Flügelflitzer mit dem Hang zum Spektakel, verwandelte nach einem mustergültigen Pass von Max McGeady zur frühen Führung. Während die Beueler noch jubelten, sah man Trainer René Kuhl an der Seitenlinie mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und "Ich-hab’s-doch-gesagt"-Selbstzufriedenheit lag. Und Beuel machte weiter. Keine zehn Minuten später, in der 14. Minute, schlug Jorge Quaresma zu - natürlich kein Verwandter des portugiesischen Zauberkünstlers, aber immerhin ähnlich trickreich. Nach einer feinen Hereingabe von Elof Anderson rauschte Quaresma heran und drosch den Ball humorlos ins kurze Eck. 2:0 - das Stadion vibrierte, die Beuel-Bank stand Kopf, und mancher Fan bestellte wohl sicherheitshalber schon das dritte Bier. Doch SC Papenburg, trainiert von Frank Helmbrecht, wollte sich nicht als Staffage in dieser Beueler Heimparty wiederfinden. Nach 33 Minuten meldete sich der Gast zurück: Xabier Galan, jung, flink und offenbar immun gegen Drucksituationen, verwandelte nach Vorarbeit von Enrique Miguel zum 2:1. "Da war kurz Stille im Stadion - so eine, die man richtig hören kann", beschrieb Beuels Kapitän Michel Herrero später schmunzelnd. Nach dieser turbulenten Anfangsphase beruhigte sich das Geschehen etwas - zumindest auf der Anzeigetafel. Spielerisch blieb es ein offener Schlagabtausch. Papenburg hatte am Ende sogar mehr Ballbesitz (52,6 Prozent), aber Beuel schoss häufiger aufs Tor (18 zu 10). "Wir haben den Ball geliebt, sie haben ihn benutzt", fasste Papenburgs Trainer Helmbrecht mit bitterem Humor zusammen. In der 42. Minute kassierte Leandro Barros von Papenburg Gelb, nachdem er Quaresma unsanft stoppte - "Ich wollte ihm nur die Schuhe putzen", grinste Barros nach dem Spiel, "aber der Schiri hat’s anders gesehen." Kurz vor der Pause dann beinahe der Ausgleich: Hans Van Tassel prüfte Beuels Torwart Herbert Dahlstrom, der mit den Fingerspitzen parierte - und anschließend in Richtung Fankurve brüllte: "Nicht mit mir, Freunde!" Die zweite Halbzeit begann mit vorsichtigem Abtasten - und einem Schiedsrichter, der offenbar sein Gelbes Kartenset wiedergefunden hatte. Beuels Leandro Rodrigo sah Gelb (56.), Papenburgs Csaba Bene tat es ihm gleich (62.). Kurz darauf wechselte Trainer Kuhl: Joshua McGeady kam für Rodrigo, und wie es der Zufall will, sein Bruder Max rief ihm beim Einlaufen zu: "Mach keinen Quatsch, Josh!" - was ihm prompt ein Lächeln von der Ersatzbank einbrachte. Papenburg blieb offensiv, aber die Beueler Defensive um Innenverteidiger Horst Geier und Torwart Dahlstrom hielt dicht. "Das war wie eine Mauer aus Fleisch und Wille", sagte Valachovic später, "und ich war froh, dass ich vorne bleiben durfte." In der Schlussphase wechselten beide Trainer munter durch - frische Beine, alte Nerven. Frank Helmbrecht brachte unter anderem Thomas Lockwood für den verwarnten Atabey Kaldirim (80.), während René Kuhl mit Jürgen Michels (76.) und später Bernt Burger (84.) für neuen Schwung sorgte. Burger hätte sich fast unsterblich gemacht, doch sein Distanzschuss in der 85. Minute strich knapp über die Latte. Die letzten Minuten gehörten wieder Beuel: Jose Galisteo prüfte Papenburgs Keeper Daniel Cabrera gleich zweimal (90. und 91.), doch der hielt, was zu halten war. Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Beueler die Arme hoch - ein Arbeitssieg, kein Kunstwerk, aber drei Punkte. "Das war ein Spiel für Leute mit stabilem Kreislauf", meinte Trainer Kuhl nach dem Abpfiff und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Und für meine Mannschaft vermutlich auch." Sein Gegenüber Helmbrecht wirkte indes gefasst: "Wir haben uns nach dem frühen Schock gut zurückgekämpft. Beuel war heute einfach abgezockter. Und Valachovic… der hätte auch im Dunkeln getroffen." Statistisch gesehen war Papenburg das aktivere Team im Ballbesitz, Beuel effizienter im Abschluss. Und genau das machte den Unterschied. Fazit des Abends: Ein temporeiches, teils chaotisches Spiel mit allem, was Fußball schön macht - Torjubel, gelbe Karten und Trainer, die mehr Meter machten als so mancher Außenverteidiger. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn Beuel so weiter spielt, braucht man im Stadion bald Herztabletten - aber immerhin mit Happy End." 31.01.643994 15:35 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler