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Sud America tanzt Cerrense aus - 2:0-Sieg mit Stil und Statistik

Es war ein lauer Märzabend in Uruguay, 37.442 Zuschauer im Stadion von CD Cerrense - und sie dürften sich irgendwann gefragt haben, ob ihre Mannschaft überhaupt noch vorhatte, am Spiel teilzunehmen. Sud America dominierte vom Anpfiff an den 32. Spieltag der 1. Liga Uruguay und gewann am Ende hochverdient mit 2:0 (1:0).

Von Beginn an war der Unterschied greifbar - und zwar nicht nur in der Statistik. Nach gerade einmal einer Minute prüfte Marcio Hermenegildo bereits den Heimtorwart Thierry Benveniste, der in diesem Spiel wohl häufiger mit den Händen als seine Vorderleute mit den Füßen am Ball war. Neunzehn Torschüsse verzeichneten die Gäste, Cerrense ganze drei. "Wenn man so viel schießt, darf man auch mal treffen", grinste später Sud-America-Trainer Wilhelm Reich. Und seine Mannschaft tat ihm den Gefallen.

In der 32. Minute war es dann soweit: Juanito Nene, der zentrale Taktgeber mit der Seelenruhe eines Schachgroßmeisters, zog nach schöner Vorbereitung von Diego Vazquez ab und traf zum 0:1. Der Ball schlug so präzise im Eck ein, dass selbst der Linienrichter kurz klatschen wollte. "Ich hab einfach gesehen, dass der Torwart einen halben Schritt zu weit links stand", erklärte Nene nach dem Spiel mit einem Schulterzucken. "Und dann dachte ich - warum eigentlich nicht?"

Cerrense hingegen wirkte, als sei das eigene Tor ein Kunstobjekt, das man nicht beschädigen wolle. Ihre drei Schüsse aufs Tor - einer von Ricardo Menendo, einer von Duarte Galindo und einer vom blutjungen Rafael Alvaro - waren eher höfliche Anfragen als ernsthafte Drohungen. Trainer Leahcim Gnipeur, sonst nicht bekannt für Understatement, fasste es später treffend zusammen: "Wir waren da, mehr kann ich dazu leider nicht sagen."

Nach der Pause brachte Reich gleich drei frische Kräfte - Boyle, Miguel und Derlei. Und während Cerrense noch die neuen Namen auf der Anzeigetafel las, zogen die Gäste ihr Spiel weiter mit chirurgischer Präzision auf. 57 Prozent Ballbesitz, dazu eine Tacklingquote, die fast 14 Prozent über der des Gegners lag - Sud America hatte die Kontrolle in jeder Hinsicht.

Das 2:0 in der 82. Minute war dann fast schon eine Frage der Etikette. Der frisch eingewechselte Xavi Derlei vollendete nach Vorarbeit von Benjamin Boyle. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Flanke, Volley, Jubel. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er kommt", meinte Boyle schmunzelnd. "Ich wollte eigentlich nur die Eckfahne treffen."

In der Schlussphase tat Cerrense das, was verzweifelte Teams eben tun: Sie rannten, kämpften, grätschten - und verloren trotzdem jeden zweiten Ball. In der 90. Minute wirkte das Team taktisch noch immer "ausgewogen", laut Statistik - aber in Wahrheit war es ein verzweifeltes Anrennen ins Leere.

Torwart Benveniste, der mit Abstand beste Cerrense-Spieler, hielt, was zu halten war, und sah dennoch bei jedem Angriff aus, als wünschte er sich eine andere Berufswahl. "Es war, als kämen sie in Wellen", stöhnte er nach Abpfiff. "Und ich hatte kein Surfbrett."

Sud America hingegen präsentierte sich abgeklärt und selbst in den kleinen Details überlegen: präzises Passspiel, geduldige Aufbauarbeit, ein Pressing, das nie übertrieben, aber stets drohend wirkte. Trainer Reich zeigte sich nach dem Spiel beinahe väterlich: "Ich bin zufrieden, aber nicht überrascht. Wir haben einfach Fußball gespielt - das ist heutzutage ja schon fast revolutionär."

Gnipeur hingegen verschwand wortlos in den Katakomben. Seine Spieler blieben zurück, schauten auf die Anzeigetafel, auf der unbarmherzig "0:2" leuchtete. Der 17-jährige Rafael Alvaro, der jüngste Cerrense-Stürmer, brachte es nach kurzem Zögern auf den Punkt: "Ich hab gelernt, dass man manchmal einfach nur zusehen kann, wie die anderen besser sind."

Am Ende war es ein Abend, an dem Zahlen und Eindrücke Hand in Hand gingen: 19 zu 3 Torschüsse, 57 zu 43 Prozent Ballbesitz, zwei Tore zu null - und eine Vorführung in Sachen Effizienz.

Sud America tanzte, Cerrense stolperte. Und das Publikum ging nach Hause mit dem Gefühl, Zeuge einer Lehrstunde gewesen zu sein - wenn auch für die falsche Mannschaft.

Oder, wie ein älterer Cerrense-Fan beim Hinausgehen brummte: "Wenigstens war das Flutlicht schön."

14.09.643993 17:40
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Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
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