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Wenn 43.500 Zuschauer im Estadio Domingo Burgueño Miguel kollektiv die Luft anhalten, weiß man: Es passiert gerade etwas, das entweder in die Geschichte eingeht - oder wieder einmal daneben geht. Am 29. Spieltag der 1. Liga Uruguay empfing Athletic Maldonado den Tabellen-Nachbarn Sud America, und am Ende stand ein schmales, aber verdientes 0:1 aus Sicht der Gastgeber. Ein Spiel, das Trainer Huub Stevens als "Lehrstück in verpassten Momenten" bezeichnete - und sein Gegenüber Wilhelm Reich mit einem milden Lächeln quittierte: "Wir haben das Chaos überlebt." Dabei war Maldonado von Beginn an das aktivere Team. Stevens ließ seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, aggressiv und mit "kurzen Pässen und langen Gesichtern" (wie ein Fan auf der Tribüne spöttelte) agieren. Bereits nach acht Minuten prüfte Christiano Roy den Sud-America-Keeper Marcos Diez mit einem wuchtigen Distanzschuss. Wenig später tanzte der 18-jährige Marco Simao zweimal durch die rechte Abwehrseite, scheiterte aber jeweils an der eigenen Nervosität - oder vielleicht am sündhaft teuren Rasen, der den Ball leicht verspringen ließ. "Wenn du so oft schießt und keiner rein will, denkst du irgendwann, das Tor sei kleiner geworden", grinste Simao nach dem Spiel und wirkte dabei eher wie ein Schüler, der seine Hausaufgaben vergessen hat. Sud America kam erst nach rund zehn Minuten aus der Deckung. Jacinto Peretz prüfte Maldonados Torhüter Petri Ylönen - der Name klingt nach einem Eishockey-Goalie, und ähnlich reagierte er auch: mit katzenhafter Reaktion und einem spektakulären Hechtsprung. Doch das Spiel blieb wild, offen, taktisch eher ein Jonglierakt als ein Konzept. Beide Teams suchten das Tor, aber niemand fand es. Dann die 50. Minute. Ein Moment, der die Partie entschied: Mateo Viana sprintete über rechts, flankte halbhoch in den Strafraum, und Marcio Almeida, der bullige Rechtsaußen Sud Americas, setzte den Ball mit der Innenseite präzise ins lange Eck - 0:1. Die Gästebank explodierte, während Huub Stevens sich demonstrativ auf seine Wasserflasche setzte. "Ich wollte nicht stehen, um ehrlich zu sein", sagte er später trocken. Maldonado versuchte, sich aufzubäumen. Zehn Minuten später kam David Pena für den glücklosen Ezequiel Futre, später Shefki Sainio für Tiago Vidigal. Doch außer einer Gelben Karte für Carl Deco (61.) und einem weiteren Versuch von Domingo Jordao (81.) sprang wenig heraus. Jordao, sonst ein eiskalter Vollstrecker, verzog diesmal knapp - und trat frustriert in den Rasen. "Wenn’s läuft, geht der Ball rein. Heute lief’s halt rückwärts", brummte er nach dem Schlusspfiff. Statistisch war das Spiel ausgeglichen: 12 Torschüsse für Maldonado, 11 für Sud America, Ballbesitz 47 zu 53 Prozent. Doch während Maldonado den Ball gefällig kreisen ließ, schlug Sud America im richtigen Moment zu - und verteidigte den Vorsprung mit einer Mischung aus Routine und Nervenkitzel. Mateo Sousa kassierte zwar Gelb (60.), aber ansonsten blieb die Defensive stabil. Trainer Reich lobte seine Mannschaft mit philosophischem Unterton: "Wir haben nicht besser gespielt, wir haben nur das Falsche zur richtigen Zeit getan - und das reicht im Fußball manchmal." Stevens konterte: "Wir waren besser, aber das hilft dir so viel wie ein Regenschirm im Sturm, wenn du kein Tor machst." In der Schlussphase warf Maldonado alles nach vorn, taktisch blieb es offensiv, aber die Präzision fehlte. Sud Americas Jungspund Silvestre Gonzalo sorgte in der 88. Minute noch einmal für Nervosität, als er fast das 0:2 erzielte - doch Ylönen rettete glänzend. Als der Schiedsrichter abpfiff, war die Stimmung zwischen Frust und Fassungslosigkeit. Die Fans der Gastgeber applaudierten trotzdem, vielleicht in der Hoffnung, dass ihre Mannschaft irgendwann lernt, dass Schönheit keine Punkte bringt. "Wir spielen schönen Fußball", sagte Simao beim Verlassen des Rasens, "aber anscheinend gibt’s dafür keinen Preis." Vielleicht doch - nur nicht heute. Ein augenzwinkerndes Schlusswort: Manchmal ist Fußball eben wie ein schlechtes Date - viel Einsatz, viele Chancen, aber am Ende geht der andere glücklich nach Hause. Sud America darf feiern, Maldonado übt weiter. Und Huub Stevens? Der sucht jetzt vermutlich nach einem größeren Tor. 01.01.643988 05:38 |
Sprücheklopfer
Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
Rainer Calmund