// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Ein Dienstagabend in Carouge, Flutlicht, 36.890 Zuschauer - und ein Spiel, das so chaotisch war, dass selbst die Stadionuhr kurz den Überblick verlor. Der SC Carouge und der SV Fribourg trennten sich 3:3 (1:1) in einem Duell, das alles bot: Tore im Minutentakt, Gelbe Karten im Überfluss und Trainer, die an der Seitenlinie mehr Kilometer machten als mancher Außenverteidiger. Schon nach zwölf Minuten brach das Spektakel los: Thomas MacPherson, Fribourgs bulliger Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, schob nach klugem Zuspiel von Vicente Alves zum 0:1 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Alves später grinsend zu, "aber Thomas hat aus meiner Flanke einen Pass gemacht." Zwei Minuten später antwortete Carouge, als Alexander Napier nach glänzender Vorarbeit von Filippo Cossu den Ball trocken ins lange Eck jagte - 1:1, und das Stadion vibrierte. Das erste Drittel der Partie war ein offener Schlagabtausch. Carouge presste früh, Fribourg konterte - und beide Teams demonstrierten eindrucksvoll, dass Verteidigen offenbar kein Pflichtfach im Training war. 14 Torschüsse der Hausherren, 11 der Gäste: Das Ergebnis liest sich wie ein offener Schlagabtausch auf dem Bolzplatz, nur eben mit 36.000 Zeugen. Kurz vor der Pause ließ Carouges Innenverteidiger Helmut Abbadie mit einer Gelben Karte aufhorchen, nachdem er den Fribourger Flügelspieler Tiago Gama derart resolut stoppte, dass die Eckfahne Mitleid bekam. Trainer Stefan Häusler winkte nur ab: "Helmut hat einfach ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden - er wollte verhindern, dass der Gegner zu viel Ballbesitz hat." Nach der Pause kam Fribourg mit neuem Schwung aus der Kabine. Alain Kunze traf in der 52. Minute, wieder nach Alves-Pass, zum 1:2. Kaum hatten die Carouger das verarbeitet, fiel das 1:3: Der 18-jährige Pierre Lachance nutzte in der 56. Minute einen Abpraller - und grinste nach seinem Treffer so breit, dass man ihn noch in der Altstadt von Fribourg gesehen hätte. Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, hatte nicht mit der jugendlichen Unvernunft von Carouge gerechnet. In der 61. Minute verkürzte Joseph Bourgeois nach schöner Vorarbeit von Ricardo Moutinho auf 2:3, und nur zwei Minuten später war wieder Alexander Napier zur Stelle - sein zweiter Treffer, diesmal nach Pass von Paulo Gomez. 3:3! Innerhalb von 180 Sekunden verwandelte sich das Stadion in ein Tollhaus. "Ich habe kurz überlegt, ob ich meine Ersatzbank einwechseln soll", scherzte Häusler nach dem Spiel, "so viele Torchancen hatten wir noch nie in einer Halbzeit." Tatsächlich drängte Carouge danach auf den Sieg, doch Fribourg hielt wacker dagegen. Ihr Trainer Dario Rota schrie seine Defensive so laut zusammen, dass selbst der vierte Offizielle kurz salutierte. In der Schlussphase wurde es ruppig: Carouges Leonti Tregubow und Jean Lefebvre holten sich noch Gelbe Karten ab - wohl aus Solidarität mit Abbadie. Und als wäre das Chaos nicht perfekt, musste Fribourgs 17-jähriger Linksverteidiger Dirck Scranton nach 77 Minuten verletzt raus. "Ich bin einfach zu schnell für meine eigenen Beine", erklärte der Nachwuchsspieler mit einem Augenzwinkern. Statistisch gesehen war es ein Spiel der Gleichgewichte: 49,9 Prozent Ballbesitz für Carouge, 50,0 für Fribourg. Tackling-Quote? Auch fast pari. Nur in Sachen Herzrasen hatte Carouge leicht die Nase vorn - spätestens, als Philippe Turcotte in der 90. Minute freistehend den Sieg vergab. "Ich dachte, der Ball sei rund", murmelte der erfahrene Stürmer später selbstironisch. Nach Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander in der Mixed Zone, klatschten sich lachend ab - und wirkten wie zwei Männer, die gerade ein Unentschieden gewonnen hatten. "So ein Spiel kannst du nicht planen", meinte Rota, "du kannst nur hoffen, dass der Schlusspfiff rechtzeitig kommt." Und so bleibt ein Abend, an dem niemand wirklich verlor: Carouge bewies Comeback-Qualitäten, Fribourg seine Offensivwucht - und das Publikum bekam für sein Ticket mindestens doppelt so viele Tore wie erwartet. Vielleicht sollte man dieses Duell künftig einfach "Der Wahnsinn von Carouge" nennen. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne sagte, während er sich die Stimmbänder rieb: "Wenn jedes 3:3 so aufregend wäre, würde ich mir eine Dauerkarte für den Herzspezialisten holen." 03.09.643993 03:47 |
Sprücheklopfer
Vor Krieg und Oliver Kahn.
Mehmet Scholl auf die Frage, vor was er Angst habe