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Es war einer dieser Abende im Tessin, an denen der Ball einfach nicht ins Tor wollte - bis er es schließlich doch tat. Der 18-jährige Phillip Fouquet, blutjung, unerschrocken und offenbar ohne Respekt vor der Dramatik, entschied am 31. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div) das Duell zwischen Losone Sportiva und Racing Club GE mit einem späten Treffer zum 0:1. 5000 Zuschauer im kleinen Stadion von Losone sahen ein Spiel, das sich lange weigerte, seinen Sieger preiszugeben. Von Anfang an hatte Racing Club GE mehr vom Spiel. 22 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn die meisten davon eher Erinnerungsstücke für den Balljungen hinter dem Tor waren. Thierry Haupt prüfte den gegnerischen Keeper schon in der sechsten Minute mit einem satten Schuss - oder wie er später süffisant meinte: "Ich wollte nur schauen, ob er wach ist." Andrew Sinclair flankte, rannte, schoss, aber das Netz blieb unberührt. Losone Sportiva dagegen lauerte. Mit knapp 49 Prozent Ballbesitz und gerade einmal vier Schüssen aufs Tor wirkte die Heimmannschaft, als hätte sie sich vorgenommen, ein Lehrvideo über geduldige Verteidigung zu drehen. Torwart Björn Gerlach, der über weite Strecken mehr zu frieren als zu parieren hatte, schnaufte nach dem Spiel: "Wir haben uns reingeworfen, aber irgendwann fliegt halt einer rein." Und dieser "eine" kam in der 84. Minute. Nach einem Vorstoß über die linke Seite setzte Matthew Staunton energisch nach, flankte halb hoch, halb verzweifelt - und fand den jungen Fouquet, der den Ball direkt nahm und trocken ins rechte Eck drosch. Ein Tor, wie es in seiner Schlichtheit fast poetisch war. Fouquet, eben erst mit Gelb verwarnt (weil er sich nach einem Foul zu laut über die Bodenbeschaffenheit beschwert hatte), rannte jubelnd zur Eckfahne und verschwand unter einem Berg aus Mitspielern. Trainer Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - grinste nach Spielende in die Kameras: "Ich hab ihm gesagt, er soll ruhig mal draufhalten. Wenn man 21 Mal daneben zielt, ist die 22. eben drin." Eine Philosophie, die in Losone an diesem Abend goldrichtig war. Für die Gastgeber blieb nur Frust und Frösteln. Ab der 70. Minute sammelten sie Gelbe Karten wie Briefmarken: Michel Rochefort, Erik Reinhardt und schließlich Nick Graf sahen alle den Karton. Reinhardt musste kurz vor Schluss dann auch noch verletzt raus - "Zerrung, aber mehr im Stolz als im Muskel", witzelte er mit schmerzverzerrtem Lächeln. Otto Lalonde kam für ihn, konnte das Ruder aber nicht mehr herumreißen. Trainer von Losone - der sich hinter verschränkten Armen und zusammengekniffenen Lippen vor Mikrofonen verweigerte - soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn man viermal aufs Tor schießt, darf man sich über null Tore nicht wundern." Zumindest berichteten Spieler dies später schmunzelnd. Racing Club GE hingegen feierte den knappen Sieg wie einen Pokalerfolg. Ersatzkeeper Olivier Benoist, der in der 60. Minute eingewechselt wurde, weil Kollege Taci Recber über "leichte Magenprobleme" klagte, hielt in den letzten Minuten souverän fest, was Fouquet eingeleitet hatte - nämlich drei Auswärtspunkte. Statistisch blieb der Abend einseitig: 51 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 22 zu 4 Torschüsse, und eine Zweikampfquote, die mit 56,7 Prozent ebenfalls klar für Racing sprach. Nur beim Humor auf der Pressekonferenz herrschte Gleichstand. Fouquet, gefragt, ob er das Siegtor geahnt habe, antwortete trocken: "Ich hab’s mir vorgenommen. Aber das sag ich jedes Spiel." So endete eine Partie, die sich lange wie ein 0:0 anfühlte, dann aber doch noch ein Happy End bekam - zumindest für die Gäste aus Genf. Losone Sportiva bleibt nach dieser Niederlage im Tabellenmittelfeld stecken, während Racing Club GE mit jugendlicher Unbekümmertheit weiter nach oben schielt. Oder wie Trainer Trainer es zum Schluss formulierte, als er schon die Tasche schulterte: "Manchmal ist Fußball einfach. Man rennt, man schießt, man trifft. Und manchmal dauert’s halt 84 Minuten." Und genau das war die Geschichte dieses Abends in Losone: ein Geduldsspiel, gekrönt von einem Teenager mit Mut, Timing und einem Fuß, der den Unterschied machte. 21.03.643990 12:10 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath