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Ein Flutlichtspiel, 35.471 Zuschauer, zwei Teams mit gegensätzlichen Philosophien - und ein Ergebnis, das am Ende wohl niemand so recht erwartet hatte: Der SC Papenburg gewann beim SV Fuhlenbrock mit 2:1, obwohl die Gastgeber über weite Strecken tonangebend waren. "Ich weiß selbst nicht, wie wir das gedreht haben", grinste Papenburgs Trainer Frank Helmbrecht nach dem Schlusspfiff, während Kollege Mike Lowrey mit zusammengekniffenen Augen auf die Anzeigetafel starrte, als könne er das Resultat dort noch wegdiskutieren. Dabei begann der Abend ganz nach dem Geschmack der Heimfans. Fuhlenbrock stürmte los, als wolle man die Gäste gleich in den ersten zehn Minuten aus dem Stadion pusten. Schon in der vierten Minute prüfte Ramon Andrade den gegnerischen Keeper Daniel Cabrera mit einem satten Distanzschuss, kurz darauf verpasste Rhys Hennessy per Kopf. Es war ein wilder, offensiver Auftakt, ganz im Stil von Mike Lowreys Philosophie: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil - aber heute verlieren wir nicht", hatte er vor dem Anpfiff noch lachend verkündet. In der 23. Minute dann die verdiente Führung: Nuno Fernandes setzte sich links durch, bekam den Ball von Haim Eban maßgeschneidert in den Lauf und jagte ihn flach ins rechte Eck - 1:0. Das Stadion bebte, Fernandes riss die Arme hoch, und sogar der Linienrichter schien kurz zu lächeln. Fuhlenbrock dominierte, 18 Schüsse aufs Tor im ganzen Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Doch wer die Fußballgötter kennt, weiß: Sie sind launisch. Nach der Pause schien Papenburg wie ausgewechselt. Vielleicht hatte Helmbrecht in der Kabine die richtigen Worte gefunden - oder einfach das Licht gedimmt, um seine Spieler an den eigenen Schatten zu erinnern. Jedenfalls kamen die Gäste aggressiver, bissiger, direkter aus der Kabine. Linksverteidiger Atabey Kaldirim holte sich zwar in der 77. Minute Gelb ab, aber das passte zur neuen Entschlossenheit. Der Wendepunkt kam in der 69. Minute: Julien Hubbert, kurz zuvor eingewechselt, flankte präzise von links, Xabier Galan kam angerauscht und köpfte ein - 1:1. "Ich hatte das Gefühl, der Ball hat mich mehr gefunden als ich ihn", sagte Galan später schmunzelnd. Fuhlenbrock wankte, aber fiel noch nicht. Lowrey peitschte seine Männer nach vorne, brachte frische Kräfte: Cuadrado und Alcazar sollten das Offensivfeuer wieder entfachen. Doch stattdessen schlug Papenburg erneut zu. Zehn Minuten nach dem Ausgleich bediente Leandro Barros seinen Sturmpartner Christopher Bridges, der trocken ins rechte Eck abschloss - 2:1 für die Gäste. "Ich habe einfach draufgehalten", erklärte Bridges nüchtern, "und gehofft, dass der Torwart noch mit dem Gedanken beim Pausenbuffet war." Garritt Van Antwerp im Fuhlenbrocker Tor war tatsächlich chancenlos, wenngleich er zuvor mehrfach stark pariert hatte. Die letzten Minuten glichen einem Sturmlauf der Verzweiflung: Wilhelm Behrens prüfte Cabrera mit einem wuchtigen Schuss (75.), Marcel Cocis versuchte es in der Nachspielzeit noch einmal aus 25 Metern (91.) - doch der Ball strich knapp über die Latte. "Da fehlten vielleicht zwei Zentimeter oder ein Wunder", murrte Cocis später, während Cabrera sich feiern ließ. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 49,7 Prozent Ballbesitz für Fuhlenbrock, 50,3 für Papenburg. Aber die nüchternen Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie sagen nichts über den Moment, als Fernandes nach 40 Minuten mit dem Publikum scherzte ("Noch eins, dann geh ich Bier holen!"), oder über den Augenblick, als Helmbrecht beim 2:1 die Wasserflasche warf - aus Freude, wohlgemerkt. Am Ende stand ein Sieg der Effizienz über den Enthusiasmus. Papenburg nutzte seine 13 Abschlüsse besser, Fuhlenbrock verzweifelte an der eigenen Chancenflut. "Wir haben vieles richtig gemacht, nur eben nicht genug Tore", resümierte Mike Lowrey und klopfte seinem Kapitän auf die Schulter. Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen Fußball seine ganze Ironie zeigt: Wer schön spielt, verliert. Wer kämpft, gewinnt. Und wer beides versucht, bekommt Gelb. So oder so - die 35.471 Zuschauer gingen zufrieden nach Hause. Manche, weil sie einen Auswärtssieg gesehen hatten, andere, weil sie zumindest ein Spektakel bekamen. Und irgendwo in der Umkleide summte Nuno Fernandes leise vor sich hin: "Nächstes Mal machen wir’s besser." Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Das war Fuhlenbrock gegen Papenburg - ein Drama in drei Akten, mit einem Ende, das selbst Shakespeare nicht schöner hätte schreiben können. 16.12.643993 08:55 |
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Mario Basler