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Später Triumph für St. Gallen - vom Rückstand zum Arbeitssieg

Es war ein frostiger Februarabend in St. Gallen, aber auf dem Rasen des Espenmoos glühte die Luft: Der SV St. Gallen drehte am 34. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div) ein zähes Match gegen Racing Club GE und gewann am Ende mit 2:1 (0:1). 9.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger durch Schönheit als durch pure Willenskraft überzeugt hat - und durch einen Linksverteidiger, der zunächst Held, dann Bösewicht des Abends wurde.

Racing Club GE, jung, wild, offensiv eingestellt, begann mutig. Schon in der 15. Minute zeigte der 18-jährige Paul Reinhardt, warum sein Trainer Truthan Trainer (ja, so heißt er wirklich) ihn unbedingt in die Startelf gestellt hatte: Nach feinem Zuspiel von Dieter Hartung traf der Teenager abgeklärt ins lange Eck - 0:1. Der Gästeblock tobte, der Rest des Stadions fror innerlich noch mehr ein.

"Wir haben den Anfang komplett verschlafen", knurrte St. Gallens erfahrener Mittelfeldmann Francois Martin später. Tatsächlich kam vom Heimteam in der ersten Halbzeit wenig - ein paar harmlose Schüsschen von Peyroteo und Giovanni, aber nichts, was Torhüter Taci Recber in ernsthafte Sorgen versetzt hätte.

Racing Club GE hingegen spielte, als hätte man ihnen den Altersdurchschnitt als Bonuspunkte versprochen. Der älteste Feldspieler war gerade mal 25. Ein Fußballkindergarten mit Tempo. Doch man merkte: Talent ja, Cleverness nein. Denn nach der Pause übernahm St. Gallen das Kommando. 53 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, steigender Druck - es roch nach Ausgleich.

In der 62. Minute war es dann soweit: Linksverteidiger Robert Ledig, bis dahin eher mit Rückpässen auffällig, tauchte plötzlich im Strafraum auf. Nach Vorarbeit von Martin zog er ab - und traf. 1:1! Der Jubel löste sich wie eine verspätete Schneelawine. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Ledig hinterher mit einem Grinsen, "aber wenn er so reingeht, beschwert sich keiner."

Das Spiel kippte nun endgültig in Richtung der Gastgeber. Racing Club GE wirkte müde, der frühe verletzungsbedingte Wechsel von Ivica Dordevic (32.) hatte Spuren hinterlassen. Trainer Truthan Trainer (nochmals, wirklich sein Name) wechselte tapfer weiter, brachte den 18-jährigen Frank Michaud - half aber nichts.

In der 71. Minute folgte die Entscheidung: Pascal Herbst, der Rechtsaußen mit dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, nagelte eine Vorlage von Tomas Bednar in die Maschen. 2:1, St. Gallen jubelte, Racing schaute konsterniert. "Wir sind einfach abgekocht worden", seufzte Gästespieler Phillip Fouquet, 18, nach dem Spiel.

Danach wurde es ruppiger. Erst sah der junge Robert Featherstone Gelb für ein rustikales Einsteigen (72.), dann verlor St. Gallen-Linksverteidiger Ledig kurz vor Schluss komplett die Nerven und flog mit Rot (85.). Ironie des Abends: Held und Sünder in einer Person. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich. "Der Ball war halt... woanders."

Trotz Unterzahl brachte St. Gallen den Sieg über die Zeit. Torhüter Julio Bischoff parierte in der Nachspielzeit noch einen Schuss von Andrew Sinclair, bei dem halb St. Gallen den Atem anhielt. Danach: Abpfiff, Erleichterung, und ein kollektives Aufatmen, das man bis in die Altstadt hören konnte.

Statistisch war’s ein knappes Ding: 10:7 Torschüsse, 53 zu 47 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren. Kein Spektakel, aber ein Arbeitssieg - und einer, der Mut macht. "Wir haben Moral gezeigt", erklärte ein zufriedener Trainer an der Seitenlinie, während die Flutlichtmasten dampften.

Und was sagte Truthan Trainer? "Ich hab den Jungs gesagt: Kopf hoch. Wenn man gegen Männer verliert, lernt man fürs Leben."

Vielleicht das schönste Fazit des Abends.

Denn während St. Gallen jubelte und die Fans noch "Espen! Espen!" riefen, stapften die jungen Genfer mit hängenden Köpfen vom Platz - wissend, dass sie hier mehr als nur ein Spiel verloren hatten. Erfahrung. Ruhe. Und vielleicht auch ein kleines Stück Naivität.

Aber das ist Fußball: mal bist du Held, mal bist du Robert Ledig.

05.05.643990 17:34
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Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
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