Sport-Blick
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Spät, kalt, bitter: Aarberg stolpert gegen effizientes Locarno

Es war einer dieser Abende, an denen der Ball einfach nicht rein will. 31.321 Zuschauer im Aarberger Stadion sahen beim 20. Spieltag der 2. Liga Schweiz ein Spiel, das der heimische FC Aarberg kontrollierte, dominierte - und am Ende doch verlor. 0:1 hieß es nach 90 Minuten gegen den SV Locarno, der mit einem einzigen präzisen Nadelstich in der 76. Minute den Unterschied machte. Filipe Maniche, der rechte Flügel der Tessiner, traf nach Vorarbeit von Josef Pines-Paz - eiskalt, kompromisslos, typisch für ein Team, das aus wenig erstaunlich viel macht.

Dabei hatte Aarberg alles getan, um den Gegner mürbe zu spielen. 14 Torschüsse, über 52 Prozent Ballbesitz, zwei gelbe Karten aus lauter Verzweiflung und ein sichtbar verzweifelter Trainer Joao Alves an der Seitenlinie. "Wenn Fußball nach Punkten fürs schöne Spiel entschieden würde, hätten wir heute 3:0 gewonnen", knurrte Alves nach Abpfiff und verschwand mit wehendem Mantel in den Katakomben.

Schon früh zeichnete sich das Muster des Abends ab: Aarberg rannte, kombinierte, schoss - und fand immer wieder in Locarnos Torhüter Patrick Amyot seinen persönlichen Albtraum. Ob Moutinho in der 3. Minute, Nawalka in der 8. oder Badham in der 15. - Amyot fischte sie alle weg. "Ich habe selten so viele Fliegen aus der Luft gefangen wie heute", grinste der Schlussmann später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Locarno dagegen? Wartete. Und wartete. Ein paar harmlose Distanzversuche von Vilner und Dajan, ein Kopfball von Kraft - und ansonsten viel Geduld. Die Tessiner standen tief, fast philosophisch ruhig, als würde jeder gegnerische Angriff nur ein weiterer Beweis für die Sinnlosigkeit des Daseins sein. Doch genau in diesem stoischen Minimalismus lag ihre Stärke.

Nach der Pause brachte Alves frische Kräfte: Ersatzkeeper Cloutier übernahm für Frigard, später kam Claus Kofod für den müde gelaufenen Moutinho. Das Angriffsspiel wurde druckvoller, aber nicht zwingender. Badham prüfte Amyot erneut (55.), Leblanc drosch in der 58. und wieder in der 88. Minute - immer knapp vorbei, immer begleitet vom kollektiven "Oooh" der Tribünenränge.

Dann die 76. Minute. Locarno hatte kaum noch Entlastung, Aarberg drückte. Ein Befreiungsschlag, ein schneller Pass über links, Pines-Paz zieht an, flankt - und Maniche steht plötzlich frei. Ein kurzer Blick, ein Schuss, und schon zappelte der Ball im Netz. 0:1. Ausgerechnet in dem Moment, als alle dachten, das Spiel kippt in die andere Richtung. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte der Torschütze später mit einem Achselzucken. "Und dann war’s drin. Manchmal ist Fußball halt einfach."

Das Publikum reagierte mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Galgenhumor. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne brachte es treffend auf den Punkt: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald einen Exorzisten für das gegnerische Tor."

Aarberg versuchte alles in der Schlussphase - zwei weitere Abschlüsse von Kofod, ein letzter Distanzhammer von Leblanc - doch das Tor blieb wie verhext. Stattdessen sammelten die Hausherren noch zwei Gelbe Karten: Leblanc (69.) wegen Reklamierens und Neil (73.) nach einem rustikalen Einsteigen. "Das war eher Frust als Taktik", gab Alves später zu.

Bei Locarno wurde kurz vor Schluss noch gewechselt: Der angeschlagene Azmi Dajan humpelte vom Feld, Laurent Gramont kam für die letzten Minuten. Auch das passte ins Bild - Locarno kämpfte, Aarberg rannte, und am Ende gewann der, der weniger falsch machte.

Die Statistik liest sich wie ein Krimi ohne Happy End: 14:7 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe - alles spricht für Aarberg, nur das Ergebnis nicht. Man könnte es ironisch nennen, man könnte es "typisch Aarberg" nennen - Trainer Alves nannte es schlicht "unglaublich bitter".

Filipe Maniche hingegen grinste breit, als er auf den Sieg angesprochen wurde: "Wir wussten, dass sie mehr Ball haben würden. Aber Ballbesitz schießt keine Tore."

Vielleicht fasst das den Abend am besten zusammen. Ein Spiel, das Aarberg eigentlich nicht verlieren konnte - und dennoch tat. Ein Gegner, der kaum auffiel, außer in dem einen Moment, der zählte.

Und so ging ein kalter Januarabend mit einem warmen Gefühl für Locarno zu Ende - und mit kalten Händen, leeren Blicken und der stillen Erkenntnis für Aarberg: Manchmal ist der Fußball kein gerechter Richter, sondern ein launischer Clown.

17.09.643987 20:32
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Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler
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